Schwarzes Hamburg
Schwarzes Hamburg => Archiv => Gedankenaustausch -Archiv- => Thema gestartet von: viking am 09 Juli 2009, 18:26:17
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Seid gegrüßt,
über dieses Thema soll es nun hier gehen. Im Hamburger Abendblatt vom Donnerstag den 9 Juli 2009 steht auf der Seite 16 ein Artikel mit der Überschrift: "Jeder zweite alte Mensch ist schlecht ernährt". Im Rahmen meines Studiums (Pflegemanagement/Pflegewissenschaften) muss ich eine Diplomarbeit verfassen. Nun bin ich dabei mir über den Inhalt gedanken zu machen; die Essensverweigerung, Unterernährung von alten Menschen, dabei sind vorallem Menschen mit demenzialen Erkrankungen betroffen, ist in der Praxis ein großes Thema, welches ich beleuchten möchte. Ich bei meiner Themenfindung schon soweit, dass ich den Oberbegriff "Essensverweigerung, Unterernährung" weiß und dass ich dieses Thema verbunden mit dem Recht (hierbei ein besonderes Auge auf das Strafrecht legen) möchte. Hier bei werden chronischen Wunden, wie z.B. Dekubitalgeschwüre und die Dokumentation eine gesonderte Rolle spielen.
Nun wäre ich Euch, weswegen ichs in den Gedankentausch hier in einem Thread eröffnet habe, sehr verbunden über den Themenbereich zu sprechen und Gedankengänge auszutauschen. Vielleicht habt ihr irgendeine Idee, was man dazu noch machen kann, wo ich noch nicht dran gedacht habe oder ihr habt sogar Erfahrungen die dieses Thema betreffen.
Ich bin über jede ernst gemeinten Beitrag sehr dankbar,
und bedanke mich schon mal bei Euch dafür!
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Wenn du konkrete Fallbeispiele aus der Praxis brauchst, kannste ja mal ne PN schreiben.
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Wenn du konkrete Fallbeispiele aus der Praxis brauchst, kannste ja mal ne PN schreiben.
Oh, gerne. Auf das Angebot komme ich gerne zurück!;) PM kommt!;)
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Seit gegrüßt,
Verzeih- ich habe da so eine Macke lieber Viking, ich kann es einfach nicht sehen, wenn seit und seid verwechselt werden. Seit= wird nur bei Zeitangaben verwendet *klugscheiß* Nicht böse sein ;) Daür werde ich auch in mich gehen und über dein Thema nachdenken- intensiv, ich schwöre!
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Seit gegrüßt,
Verzeih- ich habe da so eine Macke lieber Viking, ich kann es einfach nicht sehen, wenn seit und seid verwechselt werden. Seit= wird nur bei Zeitangaben verwendet *klugscheiß* Nicht böse sein ;) Daür werde ich auch in mich gehen und über dein Thema nachdenken- intensiv, ich schwöre!
Komisch, so geht es mir mit "tot" und "Tod".
Ist zumindest ein bißchen dichter am Topic.
Trotzdem Sorry!
Hab leider gar nichts konstruktives beizutragen, da ich mit der Materie gar keine Erfahrungen habe. Finde es aber sehr interessant. Wenn Du fertig bist, gib mal einen direkt-Link zu dem PDF Deiner Arbeit!
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Um mal so einen kleinen Anschubbser zu geben...
Meine Großeltern (beide 85) werden seit einigen Jahre immer weniger. Nun ist meine Oma Krebskrank und hat 2 OPs hinter sich.
Aber allgemein essen die ohnehin nurnoch total wenig. Auch vor ihrer Erkrankung war vor allem sie da ziemlich eigen.
Heute wirkt meine Oma dabei auf mich extrem dünn, aber die ist total happy und freut sich, dass sie sich neue Klamotten kaufen kann...
Klar ist sie bisschen schrullig und vergesslich geworden, wie das im Alter nunmal ist.
Von daher kommt mir das bis zu einem gewissen Grad schon irgendwie (fast) normal vor... Mein Opa wird ja auch irgendwie immer weniger.
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Um mal so einen kleinen Anschubbser zu geben...
Meine Großeltern (beide 85) werden seit einigen Jahre immer weniger. Nun ist meine Oma Krebskrank und hat 2 OPs hinter sich.
Aber allgemein essen die ohnehin nurnoch total wenig. Auch vor ihrer Erkrankung war vor allem sie da ziemlich eigen.
Heute wirkt meine Oma dabei auf mich extrem dünn, aber die ist total happy und freut sich, dass sie sich neue Klamotten kaufen kann...
Klar ist sie bisschen schrullig und vergesslich geworden, wie das im Alter nunmal ist.
Von daher kommt mir das bis zu einem gewissen Grad schon irgendwie (fast) normal vor... Mein Opa wird ja auch irgendwie immer weniger.
Ich kenne die Problematik, in meinen beruflichen Erfahrungen gibt es oft das Bild, dass ältere Menschen, alleine schon durch ein geringes Sättigungsgefühl, wenig Essen beziehungsweise eine strickte Essensverweigerung zeigen. Hier ist nun eine rechtliche Diskrepanz welche ich erörtern möchte. Im Grundgesetz wird von Menschenwürde, Im BGB von Geschäftsfähigkeit und Willenserklärung gesprochen. Es gibt auch sowas wie ein Recht auf Verwahrlosung!? Doch darf die professionelle Pflege Räume lassen oder sogar schaffen, in welcher desinteresse der Pflegekräfte, Ärzte und wer noch im Allgemeinen gebilligt wird?! Ich denke nicht! Und hier liegt gerade die Schwierigkeit, den Spagat zwischen Akzeptanz des freien Willens des alten Menschen, und Schlappigkeit in der Versorgung zuverhindern. Man arbeitet schließlich mit Menschen. Das ganze hat aus der rechtlichen Warte auch einen sehr strafrechtlichen relevante Sichtweise. Hier stoßen Körperverletzung, Nötigung, Verwahrlosung Schutzbefohlender und Verletzung der Fürsorgepflicht in den Fordergrund. Die Disziplin Pflege ist hoch kompliziert und wird leider von der Gesellschaft und der Profession der Medizin noch allzusehr belächelt.
Nun stellt sich die Frage: Welchen Maßnahmen??! Soll man den Menschen ihrer Willen lassen, kann ein Demenz erkrankter Mensch eigentlich eine adequate Willensäußerung von rechtswegen Äußern erklären? Es gibt ja schließlich immer noch die Menschenwürde!! Oder soll man die Leute, welche an Unterernähung "leiden" (auch die Begrifflichkeit "Leid" ist subjektiv, leiden diese Menschen an ihrer Unterernährung, oder impliziert die außen Welt dieses, weils nicht dem normal ZUstand gleicht?) kategorisch eine parenterale Ernährung, was auch zu einer Zwangsernährung führen kann, verpassen. Oder ist dieses vielleicht ein gesellschaftliches Problem, gibt die Gesellschaft normative Bedingungen vor, die abstrus und einfach menschenunwürdig, werden sobald sie sich in einer pflegerischen Behandlung befinden?
Das Thema ist eine hoch brisante Thematik. Danke für Eure Beiträge bis hier hin!
@Eisbär: Klar, kannst gerne lesen! Wirst sowieso irgendwann noch in die Möglichkeit kommen von mir viele Bücher lesen zu dürfen!:P
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nur als denkanstoß: aspekt patientenverfügung = willensäußerung auch bei leutchen die nichtmehr adäquat sind - zudem hat die patientenverfügung durch das neue gerichtsurteil eine höhere gewichtung bekommen.
außerdem bin ich im www mal über was interessantes gestolpert und fand ich seite ganz informativ http://www.nahrungsverweigerung.de/ es gibt da auch erfahrungsberichte von betroffenen demenzkranken/angehörigen
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Hmm...
Man muss halt abwägen.
Wenn die Senioren unter Demenz, Alzheimer whatever leiden, dann sollte man schon versuchen, ihnen die Nahrungsaufnahme nahe zu bringen.
Interessant finde ich vor allem den Ausdruck "Essensverweigerung"
Darunter verstehe ich mehr eine Art von Hungerstreik. Die meisten Senioren essen nichts oder nur sehr wenig weil sie keinen Hunger haben. Das ist keien Verweigerung. Sondern einfach ein Zustand.
Es gab Zeiten, da war das normal. Nur weil man sich heutzutage aus langeweile/frust/Spaß an der Freude unmengen Essen in sich hinein schaufelt muss man das nciht auch von anderen erwarten. Genaugenommen machen Sie es richtig. Meine Oma zum Beispiel ist jetzt nciht mer so rund wie früher. Anfangs war das irgendwie beängstigend, weil man sie nicht anders kannte, aber im Grunde steht es ihr gut, sie hat für Ihre Größe ein gutes Gewicht.
Man kann aber niemanden zwingen, der schlicht und einfach keinen Appetit hat, zu essen. Das wäre Nötigung.
Du redest von einem Recht auf Verwahrlosung - Jeder geistig gesunde Mensch kann entscheiden, ob er sich selbst verwahrlosen lassen will oder nicht.
Demenz ist eine unglücklich Situation - Zum einen sind die Menschen ohne Hilfe nicht mehr in der Lage, alleine zurecht zu kommen. Zum anderen sind sie aber noch durchaus in der Lage, eigene Willenserklärungen abzugeben.
Demnach dürfte es sich schwierig gestalten, einen Demenzkranken dazu zu zwingen, Nahrung aufzunehmen, wenn er das nicht auch selbst will.
Hier kann man nur viel Geduld aufbringen - vielleicht darüber nachdenken, den Patienten intravenös zu ernähren.
Hierbei ist das zutun des Patienten nicht unbedingt notwendig, er bekommt die Nahrung zugeführt und muss nicht essen. Wenn er dann mal doch Hunger verspürt, ist es umso besser.
Diese Menschen komplett zu entmündigen ist in der Praxis wahrscheinlich nicht möglich. Da spielen die Patienten einfach nicht mit.
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bezieht sich deine Fragestellung ausschließlich auf krankheitsbedingte Nahrungsaufnahme-Verweigerung?
Ich denke nämlich, dass ein nicht geringer Teil von alten Menschen auch das Mittel der Essensverweigerung benutzt, um eine Art von "Suizid" (wenn man es so nennen will...) herbei zu führen.
Bei einigen llt. unterbewusst, bei anderen ganz aktiv herbeigeführt.
Ich kann mir in diesem Zusammenhang auch vorstellen, dass das dann auch noch viel mit der situationsbedingten Lebensqualität zu tun hat.
Essen ist ja auch eine Form der Lustgewinnung/Befriedigung - wenn es Menschen seelisch schlecht geht, kann auch diese Lust vergehen - da wird dann lustlos auf dem Brötchen gekaut, oder irgend eine Suppe geschlürft - und wenn man dann noch nicht mal mehr so kann, wie man es gewohnt war oder es auch möchte (sei es durch hochgradige Pflegebedürftigkeit oder schlicht durch so etwas profanes wie mangelnde Zähne), dann zieht das die seele natürlich noch mehr hinab und mit Essen werden negative Gefühle verbunden...
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Um das ganze noch weiter anzuregen schmeiße ich mal Zitate aus dem Artikel des Hamburger Abendblattes vom 9.7.09 in Runde.
Da schreiben die Autoren dass sie ein Großteli schwere Dekubitalgeschwüre haben, und das bei einer guten Pflege nicht auf treten sollte. Des Weitern Beklagen sie in dem Artikel, dass viele einen schlechten Zahnstatus haben. Die meisten haben keine Zähne und nur wenig hochwertigen Zahnersatz. Diese wird durch die Professioren der Universitätsmedizin Eppendorf Abteilung für Rechtsmedizin auf eine Mangelernährung und Untergewicht der Probanden (ältere Menschen) gelegt. Ist dieses nun ledigliche Polemik oder haben die Professoren recht, es liegt an einer schlechten Pflege?!
Nur ein kleiner Hinweis am Rande, intravenös oder ähnliches kriegen Menschen keine künstliche Ernährung. Dies geschieht nasal, parenteral oder oral. Du meist bestimmt die Magensonde damit, dass ist dann ein Schlau durch die Bauchdecke. Aber ist dieser Eingriff nicht auch eine Form von Zwang? Oder ist es eine Maßnahme die der Menschenwürde dient?
Ich stelle mich hier bewußt keiner Meinung aus, denn ich will so objektiv wie möglich an dieses brisante Thema herangehen. Mit dem Hintergrund etwas im Wohle der betroffenden Menschen (Pflegebedürftige, Pflegekräfte, und das soziale Umfeld) herauszubekommen.
@popous: Danke für den Denkanstoß mit der Patientenverfügung, das schwirrte irgendwie auch beim wiederholten durchlesen durch meinen Kopf. Und danke für den tollen Link, genau sowas habe ich mir mit der Eröffnung dieses Threads gewünscht. Und dann auch noch in Nürnberg...klasse...mein Anspruch den Raum der BRD zuerfassen dient das ungemein. (in der Diplomarbeit)
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bezieht sich deine Fragestellung ausschließlich auf krankheitsbedingte Nahrungsaufnahme-Verweigerung?
Ja, aufgrund meines Studium und der Kragenweite werde ich nicht über junge Menschen schreiben, vielleicht werde ich dies bezüglich Kranheitsbilder, psychische Störungen darstellen, aber im Großen und Ganzen beschränkt es sich dann noch auf den Bereich der Pflege.
Wenn jemand mit Magersucht oder Untergewichtserfahrungen dabei ist, und diese mir anvertrauen mag, wäre ich dem auch verbunden. Hier werden die Daten auch vertraulich verwendet und die Anonymität gewahrt.
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Ich finde, wenn Menschen nicht mehr in der Lage sind, für sich zu sorgen muss man ihnen helfen. Äußert nun ein schwerkranker, geistig wacher Mensch den Willen, nichts mehr essen zu wollen ist dies sein gutes Recht. Es gibt nun einmal Zustände, die mancher nicht unnötig verlängern möchte- verstehe nicht, warum dies nicht respektiert wird. Alte Menschen bauen immer mehr ab, da die Organe langsam ihren Dienst einstellen und der Körper sich auf den Tod "vorbereitet". Daran kann man auch nichts ändern, da kann man noch so viel zwangsernähren. Leider sind ja in vielen Altenheimen die Zustände katastrophal und das Personal ist viel zu wenig und überarbeitet. Viele haben offene Stellen und sind ausgetrocknet. Was mich zudem immer sehr stört ist, dass selbst noch relativ rüstige und geistig wache Menschen wie kleine Kinder behandelt werden. Das Tagesprogramm wird vorgeschrieben, die Bettgehzeit, gesprochen wird mit ihnen nicht wie mit einem gleichwertigen, erwachsenen Menschen. Einfach würdelos- bevor ich da lande, weiß ich was zu tun ist ;)
Eisbär: Tod= der Tod, mit Artikel immer mit "d". Tot mit "t" beschreibt den Zustand des Lebewesens ;)
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Was mich zudem immer sehr stört ist, dass selbst noch relativ rüstige und geistig wache Menschen wie kleine Kinder behandelt werden. Das Tagesprogramm wird vorgeschrieben, die Bettgehzeit, gesprochen wird mit ihnen nicht wie mit einem gleichwertigen, erwachsenen Menschen. Einfach würdelos- bevor ich da lande, weiß ich was zu tun ist ;)
Vollste Zustimmung. Das hat mich schon während meiner Zivizeit im Altenheim angekotzt.
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Nohmal einen anderen Aspekt:
Mohandas Karamchand Gandhi der durch Essensverweigerung, 1947 mit seinem entwickelten Konzept des gewaltfreien Widerstandes, das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien herbeiführte.
Als gewaltfreie Aktion (GA, englisch: nonviolent action) werden alle politischen oder sozialen Widerstands- und Auseinandersetzungsformen bezeichnet, die bewusst auf Gewalt gegen andere Menschen verzichten (Gewaltfreiheit). Gene Sharp hat die Methoden der GA in folgende Untergruppen klassifiziert:
* Gewaltfreier Protest und Überzeugung
* Soziale Nichtzusammenarbeit
* Boykottaktionen
* Streikaktionen
* Politische Nichtzusammenarbeit
* Gewaltfreie Intervention.
These hierzu: Protestiert der alte Mensch gegen etwas? Empfindet er sich in seiner Umgebung nicht wohl, vielleicht ja sogar genötigt?
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bezieht sich deine Fragestellung ausschließlich auf krankheitsbedingte Nahrungsaufnahme-Verweigerung?
Ja, aufgrund meines Studium und der Kragenweite werde ich nicht über junge Menschen schreiben, vielleicht werde ich dies bezüglich Kranheitsbilder, psychische Störungen darstellen, aber im Großen und Ganzen beschränkt es sich dann noch auf den Bereich der Pflege.
Wenn jemand mit Magersucht oder Untergewichtserfahrungen dabei ist, und diese mir anvertrauen mag, wäre ich dem auch verbunden. Hier werden die Daten auch vertraulich verwendet und die Anonymität gewahrt.
ich bezog mich auch nicht auf anorektische oder bulimische Menschen, die Fragestellung betraf ebenalls ältere Menschen..wollte halt wissen, ob es nur um Demenz Betroffene oder ähnliches geht, oder man eben auch über die bewusst absichtliche Nahrungsverweigerung reden kann.
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Ich möchte nur anmerken dass sie manchmal das Essen verweigern weil es ihnen schlicht und einfach überhaupt nicht schmeckt.
Den Fall hatten wir in unserer Familie mal. Oma sagte "Bäh! Das esse ich nicht! Das Essen ist hier unter aller Sau!"
Da sie zu dem Zeitpunkt schon etwas ruppiger war hielten wir es nur für eine Laune. Als sie dann aber tatsächlich das Essen mehrfach verweigerte, aßen wir dann einfach mal selbst etwas davon.
Und, was soll ich sagen? Es schmeckte wirklich fürchterlich.
Als wir sie daraufhin in ein anderes Altenpflegeheim verlegen ließen, aß sie auch wieder ganz normal.
So banal können manchmal Gründe für eine Nahrungsverweigerung sein.
Bei Leuten die sich (z.B. aufgrund eines Schlaganfalls) nicht mehr artikulieren können, fällt selbiges dann leider nicht mehr auf. Sie können es ja niemandem mehr mitteilen, dass ihre Essensverweigerung "nur" daran liegt.
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bezieht sich deine Fragestellung ausschließlich auf krankheitsbedingte Nahrungsaufnahme-Verweigerung?
Ja, aufgrund meines Studium und der Kragenweite werde ich nicht über junge Menschen schreiben, vielleicht werde ich dies bezüglich Kranheitsbilder, psychische Störungen darstellen, aber im Großen und Ganzen beschränkt es sich dann noch auf den Bereich der Pflege.
Wenn jemand mit Magersucht oder Untergewichtserfahrungen dabei ist, und diese mir anvertrauen mag, wäre ich dem auch verbunden. Hier werden die Daten auch vertraulich verwendet und die Anonymität gewahrt.
ich bezog mich auch nicht auf anorektische oder bulimische Menschen, die Fragestellung betraf ebenalls ältere Menschen..wollte halt wissen, ob es nur um Demenz Betroffene oder ähnliches geht, oder man eben auch über die bewusst absichtliche Nahrungsverweigerung reden kann.
Ich will es nicht nur über Mensche die eine Demenz haben sprechen. Dieses wird ein Punkt sein, den ich gegenüberstellen werde und vergleichen möchte. Aber danke der Nachfrage, dass ich dieses nochmal betonend erwähnen kann.
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Ich möchte nur anmerken dass sie manchmal das Essen verweigern weil es ihnen schlicht und einfach überhaupt nicht schmeckt.
Den Fall hatten wir in unserer Familie mal. Oma sagte "Bäh! Das esse ich nicht! Das Essen ist hier unter aller Sau!"
Danke für diesen Aspekt, die Qualität des Essens muss natürlich auch ermittelt werden und auf Grund der ISO:9000 analysiert werden.
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Nohmal einen anderen Aspekt:
Mohandas Karamchand Gandhi der durch Essensverweigerung, 1947 mit seinem entwickelten Konzept des gewaltfreien Widerstandes, das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien herbeiführte.
Als gewaltfreie Aktion (GA, englisch: nonviolent action) werden alle politischen oder sozialen Widerstands- und Auseinandersetzungsformen bezeichnet, die bewusst auf Gewalt gegen andere Menschen verzichten (Gewaltfreiheit). Gene Sharp hat die Methoden der GA in folgende Untergruppen klassifiziert:
* Gewaltfreier Protest und Überzeugung
* Soziale Nichtzusammenarbeit
* Boykottaktionen
* Streikaktionen
* Politische Nichtzusammenarbeit
* Gewaltfreie Intervention.
These hierzu: Protestiert der alte Mensch gegen etwas? Empfindet er sich in seiner Umgebung nicht wohl, vielleicht ja sogar genötigt?
Auf Wikipedia, auch wenn diese Quelle nicht unbedingt die zuverlässigste zum recherchieren für Diplomarbeiten ist, steht etwas darüber, dass alte Menschen, die ins Heim kommen, ergo ihrer vertrauten Umgebung entrissen werden, das Essen verweigern weil sie sich durchaus nicht wohlfühlen, oder gar nicht ins Heim wollen.
Ich kann es verstehen. Anders als früher gibt es speziell bei jungen Menschen ein extreme Fluktuation was den Begriff "zu hause" angeht.
Unsereins kann sich sehr schnell an ein neues zu hause gewöhnen, neue Städte, neue Leute, neue Umgebung. Ich bin in den letzten 5 Jahren bereits 4x umgezogen. In absehbaerer Zeit plane ich bereits meinen 5. Umzug. Selbst wenn man Eigentum erworben hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man dort bis an sein Lebensende wohnt, heutzutage dann doch eher gering.
Diese alten Menschen lebten seit Jahrzehnten in ihrem zu hause, jeder Winkel ist mit irgendwelchen Erinnerungen verbunden. Und dann reißen die Kinder oder Enkel sie aus diesem Nest heraus und stecken sie in ein Heim. Das ist für die allerwenigsten schön.
Hinzukommt, dass Demenzkranke durchaus merken, wie es mit ihrer mentalen Verfassung den Bach runter geht. Und das tut zusätzlich wahrscheinlich noch mit in den Zustand mit hineinspielen. Die neue Umgebung, Enttäuschung vllt. sogar über die Kinder, die ihnen das antun und das Erleben des eigenen geistigen Verfalls kann durchaus ein Grund sein, weshalb sie so protestieren. Das trifft dann aber wohl eher auf Demenzkranke/Pflegebedürftige in einem frühen Stadium zu.
Und wenn die Pfleger in den Heimen die Patienten wirklich wie Kleinkinder behandeln... Die sind ja schließlich nicht total dämlich. Sie merken das und wer will schon so behandelt werden?
Später kann sichlich auch Scham eine große Rolle spielen. Einfach weil sie schon merken, dass ihr Verhalten unnormal ist. Sie haben jedoch keine Kontrolle mehr darüber. Sie können nicht mehr richtig essen. Es ist ihnen peinlich und vielleicht weigern sie sich dann auch, in Gegenwart anderer Leute eben das zu tun, weil sie sich schämen?
Hier kann man aber nicht mehr über Gandhis Praktiken sprechen.
Das ist reine Psychologie. Und helfen können da nur die Leute, die den ganzen Tag um die Patienten herum sind. Verständnis, Geduld, Aufmunterung, statt Zwangsernährung, schlechte Behandlung oder ähnliches.
Hilfe anbieten statt aufzwingen
Statt zu sagen "Los, Sie müssen jetzt essen, Mund auf!" sagt man "Das Mittagessen ist fertig. Wenn Sie Hilfe brauchen dann klingeln Sie. Guten Appetit"
So kommt man wahrscheinlich eher zu den Menschen durch.
So gibt man den Menschen zumindest das Gefühl, nicht vollends hilflos zu sein und lässt ihnen ihre Würde.
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So gibt man den Menschen zumindest das Gefühl, nicht vollends hilflos zu sein und lässt ihnen ihre Würde
Das ist überhaupt wichtig, finde ich. Dieser Kontrollverlust, den vermutlich jeder pflegebedürftige Mensch verspürt, der nimmt einem ja schon das, was für uns alle enorm wichtig ist. ICh denke, jeder von uns kann nachvollziehen, wie hilflos, wie klein und wie "leer" man sich fühlt, wenn einem eine Situation aus den Fingern gleitet.
Ich kann mir vorstellen, dass ein Mensch, der älter ist, als der eventuelle Pfleger, der so viel mehr erlebt und erfahren hat, als die Person, die da vor einem sitzt, genau das auch unerträglich findet.
natürlich kommt es auch auf das individuelle Wesen des Menschen an, aber ich stelle es mir unertrglich vor, plötzlich von Leuten mein Leben diktiert zu bekommen, die nicht die mindeste Ahnung davon haben,w as ich alles gesehen habe im Leben.
Und dieser "sanfte Widerstand" ( --> Gandhi) ist eben auch eine Ausdrucksform von diesem Unbehagen. Und dem entgegen zu wirken, vllt. auch vorzubeugen, das liegt dann wirklich in der Hand der Umgebung, wie neurotic schon angeführt hat. Nicht nur in den Händen des Pflegepersonals, auch in denen der Familie, Freunde..sofern vorhanden.
Nochmal bezüglich des Kontrollverlustes:
Wenn dir dein gewohntes Leben aus den Händen gerissen wird, du kein Recht mehr hast selbst über deinen Tagesablauf zu bestimmen, dann verlierst du ja die Kontrolle über dein Leben.
Aus eigener Erfahrung kannich sagen, dass man in derartigen Ausnahmesituationen alles versucht, um eben wieder Normalitt/gewohnheit (=Kontrolle) herzustellen.
Essen bzw. Essverhalten können da als Werkzeug dienen.
Bei Anorexie, Bulimie oder anderen Essstörungen wird i.d.R. primär die Körperkontrolle gesehen (je nach Fall natürlich auch anvisiert) - aber im Ganzen gesehen erlangt man Kontrolle über seine ganze Umgebung (zumindest, wenn es nicht unbemerkt geschieht).
Man bekommt Aufmerksamkeit, die Umgebung sorgt sich...und je nach Beweggründen und Schwere der Erkrankung werden natürlich auch Zwangsmaßnahmen eingeleitet ( welche im Übrigen mehr als unwürdig sind und ganz klar nichts mit dem freien Willen oder Selbstbestimmung zu utn haben...ich würde das sogar mit Körperverletzung gleichsetzen im Zweifel.), auch eine Form von Aufmerksamkeit, die man bekommt.
Das ist ein unheimlich komplexes Thema - ich weiß gar nicht, wie ich schreiben soll, ohne mich zu verzetteln^^ Falls das undurchsichtig ist, tut es mir leid.
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ich weiss ja nicht...
meine oma war zwei jahre lang pflegebeduerftig und bettlaegrig und hat bei meinen eltern gelebt. meine mutter hat sich regelrecht ein bein fuer sie ausgerissen (will sagen: die pflege war mit einem altenheim nicht zu vergleichen)
ich jedenfalls fand es voellig selbstverstaendlich, dass meine mutter meine oma gezwungen hat, was zu essen, so wie man das mit kleinen kindern auch tut.
natuerlich war mir zumindest klar, dass das auch etwas mit lebensunlust zu tun hat. aber verhungern lassen will man jemanden dann auch nicht (ist das eigentlich dann fehlende hilfeleistung? sterbehilfe?)
naja, sie ist 86 geworden, nun ruht sie in frieden.
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Diese Menschen komplett zu entmündigen ist in der Praxis wahrscheinlich nicht möglich. Da spielen die Patienten einfach nicht mit.
Möööp, stimmt so nicht. Man kann einen Menschen, egal wie alt er ist, sobald es ersichtlich ist, dass er sich und seinen Körper bewusst schädigt (aus welchen Gründen auch immer, z.B. hungern, SSV, etc...) und sein Leben dadurch in Gefahr gerät, entmündigen lassen. Vor allem als Angehöriger.
Es ist aber shcon so, wie du sagst. Ältere Menschen verlieren im Alter das Gefühl für Hunger. Ein junger Mensch braucht, um seinen täglichen Energiebedarf zu decken 1200 Kilokalorien bis 2000 Kilokalorien. Abhängig von Geschlecht und Beruf, bzw Energiebedarf. Dieser Energiebedarf nimmt im Alter ab, da sich der komplette Kreislauf verlangsamt. Haare, Nägel etc wachsen nicht mehr so schnell, Substanzen wie Knochenmark wird nicht mehr so schnell regeneriert.
Deswegen ist es natürlich, das ältere Menschen nicht mehr so viel Hunger haben, ihr Körper meldet ihnen, dass er nicht mehr so viel Energie braucht.
Ob das Hungergefühl abhängig von der Hirnleistung ist, wurde bis jetzt noch nicht erforscht. Die Demenz/Alzheimerforschung ist sowieso gerade mal am Anfang und vieles ist über die Auswirkungen noch nicht bekannt. Ich kann aus meiner Erfahrung in der Geriatrie sagen, dass ich Demenzerkrankte gesehen habe, die immernoch zu regelmäßigen Tageszeiten Hunger geäußert haben. Und es gab auch die Fälle, die es schlicht und einfach "vergessen" zu essen.
Essensverweigerung tritt bei den älteren Menschen häufig in einem Stadium auf, in dem sie selbst mit dem Leben abgeschlossen haben und sich danach sehnen, endlich zu sterben. Und ich bin der Meinung, dass man ihnen diesen Willen lassen sollte.
Damit meine ich nicht aktive Sterbehilfe zu betreiben, aber den Wunsch zu respektieren, wenn jemand nicht mehr essen oder trinken möchte. Anbieten sollte man es dem Patienten, aber wenn nach dem dritten Mal ein Kopfschütteln kommt, dann sollte man ihn nicht zwingen, Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
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@_2b
Ich glaube, es ist ein Unterscheid wenn die eigene Tochter versucht sie zu "füttern" oder ein wildfremder Pfleger.
Stärkere Bindungen gibts kaum ,da lässt man sich das wahrscheinlich schon eher gefallen.
@CdN:
Natürlich kann man sie entmündigen. Vor dem Gesetz immer!
Das habe ich nice ausgeschlossen, aber lass die Oma mal rumbocken weils ihr nicht passt. Was soll man dagegen tun? Sie verklagen weil sie einen eigenen Willen hat, den das Gesetz ihr nicht zustehen mag?
Ich arbeite in einer Bank, als ich noch im Vertrieb war, kam das häufiger vor, dass Betreuer die Dinge für die Kunden regeln mussten. Keine Frage dass es nötig ist, obs dem entmündigten passt oder nicht steht auf einem völlig anderen Papier!
Essensverweigerung tritt bei den älteren Menschen häufig in einem Stadium auf, in dem sie selbst mit dem Leben abgeschlossen haben und sich danach sehnen, endlich zu sterben. Und ich bin der Meinung, dass man ihnen diesen Willen lassen sollte.
Damit meine ich nicht aktive Sterbehilfe zu betreiben, aber den Wunsch zu respektieren, wenn jemand nicht mehr essen oder trinken möchte. Anbieten sollte man es dem Patienten, aber wenn nach dem dritten Mal ein Kopfschütteln kommt, dann sollte man ihn nicht zwingen, Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
absolutes /sign
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ich weiss ja nicht...
ich jedenfalls fand es voellig selbstverstaendlich, dass meine mutter meine oma gezwungen hat, was zu essen, so wie man das mit kleinen kindern auch tut.
ja und nein...wenn mich jemand zwingt, etwas zu essen, dann fühle ich mich erniedrigt, und sicher nicht toll.
Und Lebensqualität sieht anders aus...
Ich kann dich bzw. deine ma verstehen - ihr wollt ja nur das Beste. Aber selbstverständlich und vor allem richtig und gut wirds für den anderen Menschen deswegen noch lange nicht.
Versteh das bitte nicht als Angriff - ich kenn ja die Umstände auch nicht. Aber ich krieg bei sowas immer Gändehaut.
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Versteh das bitte nicht als Angriff - ich kenn ja die Umstände auch nicht. Aber ich krieg bei sowas immer Gändehaut.
noe, ich wollte nur mal eine andere meinung posten als "ey, die armen alten leute werden alle bevormunded!" :)
und ich find meine unter diesen euch nicht bekannten umstaenden voellig in ordnung. aber eine jahrelange krankheitsgeschichte wollte ich hier jetzt auch nicht posten.
nachtrag: um das nochmal naeher zu erlaeutern, es handelte sich in diesem fall nicht um eine komplette essensverweigerung, sondern eher um tagesformabhaengiges "ich habe genug gegessen".
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Versteh das bitte nicht als Angriff - ich kenn ja die Umstände auch nicht. Aber ich krieg bei sowas immer Gändehaut.
noe, ich wollte nur mal eine andere meinung posten als "ey, die armen alten leute werden alle bevormunded!" :)
und ich find meine unter diesen euch nicht bekannten umstaenden voellig in ordnung. aber eine jahrelange krankheitsgeschichte wollte ich hier jetzt auch nicht posten.
nachtrag: um das nochmal naeher zu erlaeutern, es handelte sich in diesem fall nicht um eine komplette essensverweigerung, sondern eher um tagesformabhaengiges "ich habe genug gegessen".
aah, okay, das ist dann natürlich noch mal n anderes Paar Schuhe =)
Und situationsabhängie unterschiedliche anschauungsweise ist eh noral und richtig :)
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Essensverweigerung tritt bei den älteren Menschen häufig in einem Stadium auf, in dem sie selbst mit dem Leben abgeschlossen haben und sich danach sehnen, endlich zu sterben. Und ich bin der Meinung, dass man ihnen diesen Willen lassen sollte.
Genau so habe ich es auch bei meiner Oma erlebt. Sie verweigerte zum Schluss das Essen ganz aktiv, und starb dann auch noch bevor ihr die Magensonde eingesetzt wurde. Da sie noch bei vollem Bewusstsein war, behaupte ich bis heute, dass sie sich den Zeitpunkt des Todes, der da hieß "noch vor der Magensonde", mehr oder weniger selbst ausgesucht hat.
Das Problem ist, wenn sie sich nicht mehr äußern können. Dann weißt du nicht, woran es liegt. Es kann, wie gesagt, auch einfach nur sein dass ihnen das Essen in jenem Heim überhaupt nicht schmeckt und sie schon automatisch den Brechreiz kriegen, wenn sie es essen aufgrunddessen. Oder sie können denjenigen der sie füttern soll auf den Tod nicht ausstehen, wollen ihm/ihr damit das Leben schwermachen und essen wieder ganz normal, wenn jemand anders sie füttert. Oder sie haben eine ganz banale Magenverstimmung und können es nicht gut genug kommunizieren, dass ihnen der Magen weh tut. Oder oder oder ...
Wäre schön wenn man immer sicher wüsste dass sie nun "nur" das Essen verweigern weil sie beschlossen haben, nun zu sterben. Dann könnte man ihnen wirklich diesen Willen lassen und da bin ich auch der Meinung dass man dies dann auch tun sollte.
So einfach ist es aber in der Realität -leider- nicht.
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HEY!!!*staun* Was ich so hier lese ist alles echt voll klasse! Danke für die kontroverse Diskussion bisher. Hier werde ich echt einiges brauchbares rausziehen und unsetzen können, was den Ansprüchen einer Diplomarbeit entsprechen würde.
Danke an alle beteiligten!*Bierkästchen inne Runde stell*
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Ich schreibe mal, ohne eigene Erfahrung, nur was ich für mich aus meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin herausziehen konnte.
Für mich steht als Hauptproblem, dass die Gründe für die Nahrungsverweigerung wirklich vielfältig sein können und oftmals gar nicht mehr verbalisiert werden können.
Gut fand ich die erwähnten Kalorienangaben, die im Schnitt verbraucht werden müssen, aber als Gedankenanstoss möchte ich Krebserkrankungen und Spastiken einwerfen, die den Kalorienbedarf wieder immens steigern, Tumorzellen neigen ja zu einer exquisiten Selbsversorgung und eine permanente Muskelspannung erklärt sich von selbst.
Wenn man die Demenz alleine betrachtet, vergessen die Betroffenen einfach, ob sie was gegessen haben oder nicht, wobei mir das ganze mit dem Trinken bekannter vorkommt. Insofern würde ich als angehende Mustertherapeutin einen Klienten durchaus dazu ermutigen, etwas zu essen, aber nicht zwingen, dürfte ich auch gar nicht...
Übrigens sagte mein einer Dozent, dass die wenigsten Alzheimer (was nur die Demenz zwischen dem 40-60 Lebensjahr bezeichnet) und senile Demenzerkrankten ihren Verfall wirklich bemerken und ihn wenn doch oftmals wieder vergessen.
Natürlich setzen sich bei Altersleiden oft eine Depression dazu, ich glaube viele würden sagen, dass es ja ihre Entscheidung ist, ob sie sterben wollen oder nicht. Aus Sicht der Psychologie ist es eher ein Drama, weil kaum eine andere Erkrankung solche Erfolge in der Behandlung erzielt, wie eine Depression. Wenn jemand daraus eine Selbstötung begeht, ist sie eigentlich nicht freiwillig, sondern der Wunsch aus einer scheinbar nicht zu behebenden Situation zu entfliehen.
Was ich dabei interessant fand, junge Leute machen zwar etwa doppelt soviele Suizidversuche wie Alte, aber diese sind dreimal so "erfolgreich".
Am schwierigsten finde ich das Thema, wenn das Problem Schmerzen dazukommt, wenn die Verdauung Probleme macht oder ähnliches. Da wüsste ich nicht, wie ich mich entscheiden sollte.
Am schlimmsten fand ich die Beschreibung, was die liebevoll "Pürierten" genannten Menschen zu essen bekommen, nämlich jeden Tag denselben Matsch.
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Am schlimmsten fand ich die Beschreibung, was die liebevoll "Pürierten" genannten Menschen zu essen bekommen, nämlich jeden Tag denselben Matsch.
Ohja, da hast du recht, davon gibt es auch viel zu viele....und dann ist das oft auch überhaupt nicht appetittlich angerichtet, sondern nur hingeklatscht
Danke für deinen Beitrag!;)
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man sollte halt nicht den zeitaspekt ignorieren - ich glaub in so nem altenheim pfleger zu sein ist kein spaß... und ob man da noch für jeden das essen hübsch machen kann ist fraglich.
und da jeder seinen eigene innere uhr hat ist es nicht einfach, weil halt nicht jeder um 12 uhr mittag essen möchte. leider ist es zeittechnisch aufgrund unserem überragenden gesundheitssystem nicht anders möglich. ich hab ein heim in bremen kennengelernt (speziell für demenzkranke) bei denen jeder bewohner uafstehen und essen kann wann er will. die haben aber auch einen ganz anderen pflegeschlüssel.
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man sollte halt nicht den zeitaspekt ignorieren - ich glaub in so nem altenheim pfleger zu sein ist kein spaß... und ob man da noch für jeden das essen hübsch machen kann ist fraglich.
Das kansnt du aber auch auf den dort herrschenden katastrophalen Personalmangel schieben.
Das ist aber meines Erachtens nach ein Grund mehr sich anzustrengen. Wenn die Pfleger keinen Spaß an ihrem Job haben, sollen die sich gefälligst was anderes suchen. Die haben sich das ausgesucht, und die armen Leute können nunmal nichts dafür, dass die Rahmenbedingungen dank Vater Staat so mies sind.
Das aber rechtfertigt die z.T. miserable Behandlung da drin kein bisschen.
Man sollte dabei auch bedenken, was so ein Platz in einem Alten/Pflegeheim kostet. Oft genug zahlen sich die Kinder dafür dumm und dämlich. Die Schwiegermutter meines Onkels hat ihn 3000 EUR pro Monat gekostet - geht mit Sicherheit auch billiger, aber spaßig ist das sicher nicht. Und es kann nicht sein, dass man sich ein Luxus-Pflegeheim aussuchen muss, damit es den Menschen darin (halbwegs) gut geht.
Da kann man schon behaupten, dass die Senioren dort ein Recht auf einen halbwegs angenehmen Ruhestand haben.
Das was da aber in der Praxis abgeht rechtfertigt die horrenden Preise dort nie und nimmer.
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Hypotheische Frage dazu: Und daran ist die Pflege und Plegekräfte dran schuld?
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was heist hier schieben?! er ist so! ich habe mal zeitweise in einem heim gearbeitet und hatte keine zeit jedem der bewohner die ich zu betreuen hatte zu ausgesuchten zeiten sein essen hübsch zu machen, denn da hat man ja auchnoch anderes zu tun! was sollen sie sich denn bitte anderes suchen? schau mal in die zeitung, achja, zeitarbeit - juchee. mir ist es im endeffekt egal, weil ich jetzt im krankenhaus arbeite und die arbeitsbedingungen auf ner intensivstation wesentlich besser sind, das geht als altenpfleger aber nunmal nicht. natürlich gibt es immer leute die keine lust auf ihren job haben, die gibts aber überall.
zu deinem persönlichen verständnis: hospitier doch mal unter der woche nen frühdienst in nem heim... und überleg dann nochmal.
zu den kosten: die leute dich JETZT arbeiten zahlen den alten leuten die JETZT gepflegt werden quasi ihre pflegestufen, das geld das da zusätzlich gezahlt werden muss ist für essen, wohnen und extras, teilweise auch für die pflege, denn pflegestufen könne garnicht so ausgerichtet sein das alles abgedeckt wird - die leute die es erhalten haben nämlich nie was eingezahlt, das geld das wir jetzt einzahlen ist schon wieder weg wenn wir es brauchen, somit ist die pflegeversicherung maximal ne teilkasko... das system in deutschland diesbezüglich ist einfach mangelhaft und alle jammern das sie zahlen müssen, aber pflege ist so gesehen ne dienstleistung - somit auch zu zahlen, mir zahlt auch keiner den frisör. und ne 24 stundenbetreuung + essen + wohnen + putzfrau + wäsche waschen kostet nunmal. wenn man die kosten mit nem hotel + 24 stundenbetreuung vergleicht kommt man definitiv über den heimpreis.
ein recht auf eienen angenehmen ruhestand hat meiner meinung nach jeder, wenn man viel geld hat oder fit ist ist das sicherlich umsetzbar, anders schweirig. mich würde auch keiner freiwillig in nen heim bekommen, vorher häng ich mich auf.
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schieben bedeutet in dem Zusammen dass die Zustände, sowie die persönliche Betreuung bei einer gescheiten BEsetzung in den Altenheimen wesentlich besser wären und man sich auch die Zeit nehmen könnte, das essen ein wenig Appetitlicher zu gestalten.
Also zu Punkt 1: Lesen - und dann meckern. Du tust gerade so als würde ich meine Aussagen nur an den Haaren herbeiziehen.
2. Es ginge schon wenn man mal die Belegschaft aufstocken würde, aber man spart wo man kann. Dafür lässt man die alten Menschen richtig dicke Kohle abdrücken. Damit haben nichts die Pfleger zu tun, sonden die Betreiber der Heime. Wer leidet darunter?
- Die Bewohner - die ein scheiß leben haben, weil sie nicht die Betreuung erhalten die ihnen eigentlich zustehen müsste
- Die Pfleger weil sie total überarbeitet sind und mit dem Pensum nicht mehr klar kommen.
Die Pflegekasse zahlt nicht in der Regel nicht mal die Hälfte der Kosten für ein Pflege oder Altenheim. Und selbst im günstigsten Fall darf man mind. 1000 EUR drauf zahlen, wenn man nicht gerade selbst Hartz4 Empfänger ist. Bloß darüber will ich garnicht reden, wenn man sich das billigste vom billigsten aussuchen muss.
Ich weiß sehr wohl, wie sich die Pflegeheimkosten zusammen setzen. Das musst du mir nicht aufdröseln.
Wenn Menschen Altenpfleger werden, dann wissen sie auch, was auf sie zu kommt. Wenn die dann nicht mit vollem Herzen dabei sind, sollen die sich nen anderen Job suchen. Es kann nicht angehen, dass die Bewohner darunter leiden müssen, weil man da so ein paar Gestalten hat, die den Job nur machen, weil sie nichts anderen kriegen.
Diesbezüglich muss man auch unterscheiden zwischen Nebenjobbern, die keine entsprechende Ausbildung haben oder jenen, die voll ausgebildet sind und direkt die Bewohner betreuen. Unter dieser Einstellung leiden vor allem die alten Menschen. Und denen gehts beileibe schon beschissen genug, da muss man nicht auch noch so ein paar unmotivierte Idioten sitzen haben, die den Job nicht machen wollen. Sowas überlegt man sich vorher!
Übrigens: Ich bin selbst Zeitarbeitskraft. Und weißt du wieso?
Ich habe Bankkauffrau gelernt und werde das auch immer machen wollen, weils einfach richtig Spaß macht.
Und stell dir vor: Es gibt schlimmeres. Die Bezahlung ist im Verhältnis zur Festanstellung zwar mies, aber besser als Hartz4 ist es allemal zudem kann ich weiter den Job machen, der mir Spaß macht. Und meine Firma vermittelt nur in den Bankensekor. Also wenn ich die Wahl hab, irgendwas zu machen oder das hier - dann nehme ich das, was ich jetzt habe.
Ich sag dir eines: Es gibt Schlimmeres.
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ich kann mir schon vorstellen das zeitarbeit in banken ok ist - in der pflege bekommt man dann allerdings meistens die arbeit die übrigbleibt. zum beispiel 25 bewohner im nachtdienst von denen du keinen kennst - geschweige denn die örtlichkeit
ich verstehe allerdings immernochnicht woher man das geld für eine aufstockung der pflegekräfte bekommen soll *?* weils ja jetzt schon "so teuer" ist. außerdem bezweifel ich das es heutzutage noch besonders lokrativ ist ein pflegeheim zu betreiben, zumindest wenn mans ethisch vertretbar tut und das tuen die meisten noch - obwohl es außenstehenden nicht so erscheint.
zudem haben sich die arbeitsbedingungen im pflegebereich ziemlich krass verändert - also waren sie zu dem zeitpunkt der berufsentscheideng definitiv anders. und ich bin nicht davon überzeugt das jemand der altenpfleger wird vorher weis was auf ihn zukommt - woher denn?
viele heimleitungen erkannt das sie mit den unmotivierten idioten nicht weiterkommen und haben sich ausländische kräfte rangezogen - was noch toller ist - denn die verstehen die bewohner nichtmal (auchnomal ein interessanter aspekt für die ursprungsthematik)
ich glaube das es viele gibt denen der job viel spaß macht, nur unter den momentanen bedingungen ist es einfach nur frustig denke ich.
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NeuroticKitten:
Zu Deinem Vorschlag, daß die Pflegekräfte sich mehr Mühe geben:
Das tun sie jetzt schon zuviel! In keinem Beruf ist die Burn out-Quote so hoch wie bei Pflegekräften.
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NeuroticKitten:
Zu Deinem Vorschlag, daß die Pflegekräfte sich mehr Mühe geben:
Das tun sie jetzt schon zuviel! In keinem Beruf ist die Burn out-Quote so hoch wie bei Pflegekräften.
danke das es mal einer sagt^^
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NeuroticKitten:
Zu Deinem Vorschlag, daß die Pflegekräfte sich mehr Mühe geben:
Das tun sie jetzt schon zuviel! In keinem Beruf ist die Burn out-Quote so hoch wie bei Pflegekräften.
Danke das du ihr, meinen Berufsstamm so anerkennt.
Und nein, viele Pflegekräfte wissen nicht, was auf sie zu kommt. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich einen richtigen Schock hatte, als ich die ersten Tage auf einer Station gearbeitet habe. Vieles finde ich immer noch einfach nur unmenschlich und dieses liegt DEFINITIV nicht an den Pflegekräften. Viele Pflegekräfte gehen in den Beruf, und sind motiviert, werden aber durch die Leitungen und die Begebenheiten demotiviert. Man muss echt mal einen Ablauf auf einer Station erlebt haben, um dieses beurteilen zu kommen.
Als Pflegekraft fühlt man sich oft nur belächelt, als Fußabtreter und von allen geächtet. Da ist es auch kein Wunder wenn man ein Burn Out kriegt, und in der Pflege kriegen die meisten Leute es nach 5 Jahren....also sind sie alle nun, wie hier beschrieben wurde "Idioten"? Ich denke nicht, viel eher Menschen die für vieles zu sensibel sind.
Aber bei dem momentanen Stand der Diskussion kommt mir der Gedanke zum Aspekt: Gewaltenteilung!:D
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Ich habe mit keinem wort beschrieben dass alle IDoten seien. nur um das klar zu stellen.
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Was die Motivation der Pflegekräfte angeht, kann ich mir kein Urteil drüber erlauben.
Was mich persönlich aber sehr erschreckt hatte, war der hygienische Zustand der Pflegeheime, die ich im Großraum Stuttgart anlässlich der Unterbringung meiner Oma mitbesichtigt hatte.
Den Zeitfaktor betreffend kann ich mir gut vorstellen, dass viel zu wenige Pflegekräfte für viel zu viele alte Menschen zuständig sind. Wie sich das ändern lässt kann ich nun auch nicht sagen, da ist sicher die Politik gefordert, Mindeststandards gesetzlich zu verankern und die mit regelmäßigen unangemeldeten Kontrollen auch durchzusetzen.
Aber Pflegeheimen, die nicht einmal die Grundregeln der Hygiene einhalten (ich rede hier jetzt nicht von schmutzigen Tellern und so n Plünnkram, sondern von ekelig-schmutzigen Sanitäranlagen und Betten die schon anfangen zu stinken weil sie vor Dreck standen ...), gehören zugemacht und das Geld, das die Leute für dort abgedrückt wurde, definitiv wieder zurückgeklagt.
An einem Ort, an dem es fortwährend stinkt, würde ich auch nicht mehr lange leben wollen.
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Was die Motivation der Pflegekräfte angeht, kann ich mir kein Urteil drüber erlauben.
Was mich persönlich aber sehr erschreckt hatte, war der hygienische Zustand der Pflegeheime, die ich im Großraum Stuttgart anlässlich der Unterbringung meiner Oma mitbesichtigt hatte.
Den Zeitfaktor betreffend kann ich mir gut vorstellen, dass viel zu wenige Pflegekräfte für viel zu viele alte Menschen zuständig sind. Wie sich das ändern lässt kann ich nun auch nicht sagen, da ist sicher die Politik gefordert, Mindeststandards gesetzlich zu verankern und die mit regelmäßigen unangemeldeten Kontrollen auch durchzusetzen.
Aber Pflegeheimen, die nicht einmal die Grundregeln der Hygiene einhalten (ich rede hier jetzt nicht von schmutzigen Tellern und so n Plünnkram, sondern von ekelig-schmutzigen Sanitäranlagen und Betten die schon anfangen zu stinken weil sie vor Dreck standen ...), gehören zugemacht und das Geld, das die Leute für dort abgedrückt wurde, definitiv wieder zurückgeklagt.
An einem Ort, an dem es fortwährend stinkt, würde ich auch nicht mehr lange leben wollen.
Hygienevorschriften gibt es und es gibt soviele Vorgaben für Einrichtungen dass man echt vor der Flut von diesen Anordnungen nicht mehr retten kann.
Ich frage mich dabei auch immer, wo fangt es an, zu einem siffigem Loch zu werden und wo wirds dann zu einem übersterilen Sicherheitstrakt, wo das Leben nicht mehr als dieses zu definieren ist. Beide extreme machen krank!
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Hygienevorschriften gibt es und es gibt soviele Vorgaben für Einrichtungen dass man echt vor der Flut von diesen Anordnungen nicht mehr retten kann.
Dann frage ich mich wie es sein kann, wie solche hygienischen Vorfälle vorkommen können. Ich war wirklich schockiert. Und wäre sie nicht kurz darauf gestorben und hätte die Familie dann nicht ganz andere Sorgen deswegen gehabt, wäre zumindest gegenüber einem Heim auch mindestens eine Beschwerde, wenn nicht eine Anzeige gelaufen.
Ich wünsche keinem Verwandten, in Alterspflegeheimen Betten sehen zu müssen, in denen ihre Alten hineingelegt werden, bei denen noch Überreste von Exkrementen der Vorgängerin zu sehen sind.
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Hygienevorschriften gibt es und es gibt soviele Vorgaben für Einrichtungen dass man echt vor der Flut von diesen Anordnungen nicht mehr retten kann.
Dann frage ich mich wie es sein kann, wie solche hygienischen Vorfälle vorkommen können. Ich war wirklich schockiert. Und wäre sie nicht kurz darauf gestorben und hätte die Familie dann nicht ganz andere Sorgen deswegen gehabt, wäre zumindest gegenüber einem Heim auch mindestens eine Beschwerde, wenn nicht eine Anzeige gelaufen.
Ich wünsche keinem Verwandten, in Alterspflegeheimen Betten sehen zu müssen, in denen ihre Alten hineingelegt werden, bei denen noch Überreste von Exkrementen der Vorgängerin zu sehen sind.
Für sowas gibt es auch keinerlei Ausreden und sowas darf auch nicht vorkommen. Nur sollte man da mit Pauschalisierungen vorsichtig sein. Sowas ist nicht an der Tagesordnung. Ich kenne wie es in vielen Einrichtungen abläuft und da wird vieles auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen, welche schlicht und einfach am Ende immer alles abkriegen. Man ist schlicht und einfach immer Schuld egal was man tut...auch wenn man alles richtig macht.
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klingt für mich wie ein mimimi -
so ist das allgemein in der Wirtschaft. der kleine Angestellte badet die Fehler der Obrigen immer aus.
Nur frage ich mich; wenn sich alle so anstrengen, wieso liegen die Omas dann so häufig in ihrem eigenen Dreck?
Ich meine, wenn selbst so grundlegendes nicht geschafft wird frage ich mich, wo die Prioritäten gesetzt werden.
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klingt für mich wie ein mimimi
♥
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Wenn ich mir angucke, wie unterbesetzt Einrichtungen in der Jugendbetreuung sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass in der Altenpflege mehr Geld in Betreuungskräfte investiert wird.
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Wenn ich mir angucke, wie unterbesetzt Einrichtungen in der Jugendbetreuung sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass in der Altenpflege mehr Geld in Betreuungskräfte investiert wird.
Um mal wieder zum Thema zurück zukommen. Untergewicht von alten Menschen als Faktor von unterbesetzten Einrichtungen, zu wenig Personal...
Danke für den Aspekt.
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Nur frage ich mich; wenn sich alle so anstrengen, wieso liegen die Omas dann so häufig in ihrem eigenen Dreck?
Ich meine, wenn selbst so grundlegendes nicht geschafft wird frage ich mich, wo die Prioritäten gesetzt werden.
geld sparen.
denn wer würde denn bitte jetzt schon gerne mehr zahlen (pflegeversicherung, krankenversicherung, sozialversicherung) und noch der privat gezahlte anteil?!
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Ja scheiss Pflegesystem, da kann man ganz herrlich stundenlang drauf rumhacken. Bringt aber nichts.
Ich sehe die Situation in den Heimen aus zwei Seiten. Von der Seite der Pflegenden, da ich ja selbst einmal in einem Pflegeheim geschuftet habe (anders kann man es nicht nennen) und von der Seite des Systems....da ich ja ätzender Weise auch bald ein kleines Zahnrad in diesem Ausbeuteruhrwerk sein werde.
Fakten Fakten Fakten (zu beiden Seiten).....hier kommen sie:
Auf einer Station mit 40 Betten arbeiteten im Frühdienst 4 Pfleger (wenn die Besetzung gut war und keiner krank war). Auf der Station waren sämtliche Pflegestufen sowie Krankheitsbilder bunt gemischt. Von 4 Mitarbeitern waren 3 Pflegehelfer und nur einer eine examinierte Fachkraft. Alle vier hatten eine Gruppe von 10 Leuten zu versorgen....also...waschen, anziehen, Frühstück reichen oder in den Essbereich begleiten etc....jeh nach Pflegestufe eben. Der arme Wicht, der als examinierte Pflegekraft die Schichtleitung hatte, dürfte dann mal eben noch nebenher spritzen, Medis stellen, Medis verabreichen, Dokumentationen führen, Neuaufnahmen verwalten etc......
Persönliche Gespräche? No Zeit für psychosoziale Betreuung? Fehlanzeige........Trinken oder Essen? Ist nicht......7 Stunden rennen, rennen, rennen......10 Tage am Stück....zwei Tage frei....weiter gehts....
Es ist einfach ein Knochenjob und das einzige was ich dem Personal vorwerfen könnte, wären die Fälle bei denen grob fahrlässig und mit vollem Vorsatz gegen die Gesundheit des Bewohners gearbeitet wird.....aber solche Menschen habe ich zum Glück selten erlebt als Kollegen.
Für NeuroticKitten:
Pflegepersonal aufstocken? Schön wäre es....ich kenne einige Case-Manager und Pflegedienstleitungen, die nichts lieber tun würden,als das Personal so aufzustocken, so dass genug Zeit da wäre sich schön ausgiebig um die Bewohner zu kümmern. Aber es gibt so Institutionen wie die Pflegekasse und den MDK, die irgendwann mal einen sogenannten Pflegeschlüssel eingeführt haben. Und der besagt: 12 Bewohner der Pflegestufe II = 1 Pfleger, 8 Bewohner der Pflegestufe III = 1 Pfleger........mehr gibts nicht, weil: zu teuer. Und du weisst ja was so ein Pflegeplatz kostet ;)
Von denen werden übrigens auch die Zeiten eingeteilt, in denen man seine Pflegetätigkeiten auszuführen hat. Und weisst du wie übel die erst aussehen? Ganzkörperwaschung: 15 Minuten......Bewohner baden: 20 Minuten......Essen reichen: 10 Minuten......und jetzt erzähl mal deiner Oma, die 5 Stunden mit ihrem kaputten Gebiss (was sie nicht reparieren lassen kann, weil ist ja zu teuer für die schmale Rente) braucht um ein zähes Schnitzel zu kauen, dass du jetzt leider nur 10 Minuten hast , um ihr das Essen zu reichen....
So ist das eben......und glaubt mir, wenn wir erstmal so weit sind wirds noch schlimmer.....
Ach so, mein Lieblingsanprangerpunkt zu unserem abgefahren wahnwitzigem Gesundheitssystem:
Ein Arzt, der einen Kassensitz beantragt, um in einer Praxis oder einem Krankenhaus eigenständig praktizieren zu können, zahlt für dieses einen Spottpreis von 250.000 Euro an die Kassenärztliche Vereinigung........Spesenkasse sage ich nur.
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Ich versuche mal wieder ein Kurve zum eigentlichen Thema zuschlagen. Also könnte untergewicht bei den alten Menschen wegen der missglückten Einstufung der jeweiligen Leistung herrühren?
Es hab ja vor Jahren schon eine Neuerhebung der Pflegezeiten, wobei auch rauskam, so sagen insider, dass die Pflegezeiten zu eng bemessen sind, und diese Studie dann in der Schublade des Ministerium verschwunden ist...
Ist das nun dann der ausschlaggebende Faktor, oder doch eher nur eine Randnotiz und das eigentliche Problem liegt wo anders?
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das problem generell ist ja die mangelnde zeit - ob man das jetzt auf die einstufung zurückführen will oder nicht ist ja buggi^^ und die einstufung bezeiht sich ja sowieso auf den gesamten pflegebedarf und nicht nur auf die nahrungsproblematik. zudem ist das mit den zeiten mittlerweile nicht mehr so festgefahren wie zuvor, durfte in meiner ausbildung vier wochen beim mdk hospitieren und wenn es menschen mit starken einschränkungen gibt und nachweislich mehr zeit benötigt wird (zb. bei der nahrungsaufnahme) wird diese zeit auch berechnet.
die frage ist denke ich mal bei mangelnder leistung welche leistung man als ausreichend voraussetzt... *?*
ich kenne aus der praxis zb auch einen starken einbezug von angehörigen oder ehrenamtlichen, gerade wenn es an das anreichen von nahrung geht. dahingehend ist aber eine gute absprache und ein engagement der angehörigen nötig, gibts es keine kenne ich es mit dem einbezug der ehrenamtlichen. oft haben ehrenamtliche/angehörige/zivis auch einen besseren zugang zu den alten leutchen, weil sie auch wissen das diese in diesem moment nur für sie da sind und sich die zeit nehmen. diesen aspekt sollte man nicht unterschätzen, ich habe schon oft den satz gehört: "lassen sie mal schwester, sie haben ja eh keine zeit". ich war darüber immer ziemlich schockiert, aber es ist ja klar das es an den leuten nicht spurlos vorbeizieht was allgemein los ist. leider ist es häufig so, das angehörige sich denken das sich das "kümmern um den liebsten" *ehrm* mit der monatlichen zahlung erledigt hat. und klar: wir haben ja alle so wenig zeit^^
ich denke die unruhe und der stress der pflegekräfte überträgt sich auf die alten leutchen, wenn sie sowieso schon einen geringen appetit haben ist dies nicht förderlich - alternative lösungen habe ich ja bereits genannt.
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Danke @CdN endlich mal ein paar Fakten.
Ok, also wenns bei meiner Oma oder meinem Opa mal so weit kommen sollte suche ich mir einen Pflegedienst der das direkt zu hause macht...
Solche Zustände würde ich den beiden niemals zumuten wollen... Und wenn es ein kleines Vermögen kostet und ich meine Family dazu nötigen muss >.<
Ich stelle mir gerade die Frage, ob die Zustände in rein Privat geführten Pflegeheimen ähnlich sind. Da hat der Staat seine Wichs-Griffel nicht im Spiel. Die sind vielleicht teurer aber u.U. besser? Möglich.
@viking:
Ob die Pflegeeinstufung missglückt ist oder Peng.
Du zielst gerade zu sehr auf ein in Deutschland eingeführtes System von irgendwelchen Normen. Und eigentlich sollte uns inzwischen klar sein, dass der Mensch als Individuum sich in keine Norm stecken lässt, ob Vater Staat das nun passt oder nicht.
Vielleicht solltest du dich auch nicht zu sehr auf das Thema Essstörungen bei alten Menschen fixieren sondern mehr Ursachenforschung betreiben und etwas über das Thema hinausschießen (Wobei die Richtung mit der Kritik am System durchaus ein Punkt sein kann:
Esstörungen als Folge von - formulieren wirs drastisch - Vernachlässigung --> Mangel an Pflegepersonal --> System.
Wenn das System darauf auszielt, dass man je nach Pflegestufe so und so viel Zeitaufwand benötigt damit es dem menschen gut geht: Ganz dickes NEIN! Das kann es nicht sein. Denn hier wird pauschalisiert und das kann grundsätzlich nicht stimmen. Manche dieser Leute bräuchten sicherlich jemanden, der permanent für sie auf Abruf ist. Andere begnügen sich vielleicht damit, dass man ihnen beim Waschen, Essen hilft.
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pflegestufen richten sich nach dem individuellen hilfebedarf - aber egal
aufgrund eines grippalen infektes habe ich viel lange weile und interessante sachen zur ursprungsthematik gefunden:
- http://www.mangelernaehrung.info/willkommen.php
- http://www.dsl-mangelernaehrung.de/html/mangelernaehrung.html
bei dem zweiten link gab es folgendes zu lesen:
"Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) - für alle gesunden Menschen, ganz gleich welcher Altersgruppe
1. Vielseitige Kost, d. h. angemessene Kombination aus nährstoffreichen und energiearmen Lebensmitteln
2. Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln
3. Viel frisches Gemüse und Obst
4. Täglich Milch und Milchprodukte, ein bis zwei Mal in der Woche Fisch, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
6. Zucker und Salz in Maßen
7. Reichlich Flüssigkeitszufuhr
8. Essen schmackhaft und schonend zubereiten
9. Nehmen Sie sich Zeit, genießen Sie Ihr Essen
10. Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung"
daraufhin habe ich mal mein persönliches essverhalten hinterfragt, nunja, ich denke sich optimla zu ernähren ist so ne sache, denn mangelernährung kann ja nur eintreten wenn man das optimum nicht erreicht. die dge hat sich da ja was nettes ausgedacht, aber es gibt kaum ernährungsempfehlungen die belegt sind. was also ist das optimum?!man könnte da jetzt mit dem bmi anfangen - meiner meinung nach auch nur so ne grobe richtung - sonst auch schwachsinn...
in amerika gab es mal eine studie bei frauen gleichen alters: eine gruppe hat sich hauptsächglich von obst und gemüse ernährt - die andere durfte alles essen was spaß macht. nach 5 und 10 jahren wurden sie von ärzten komplett durchgecheckt. die frauen, die essen in normalen mengen zu sich genommen hatten waren auch gleichermaßen "gesund" egal aus welcher gruppe sie kamen. schon lustig...
es ist klar das menschen mangelernährt sind, wenn sie zu wenig essen, die frage dich sich aber ja weiterhin stellt ist, was sollen sie denn nun essen?? denn gerade die leute im alter mit wenig appetit haben häufig "außergewöhnliche gelüste" - ich denke das angebot des erwünschten geschmacks spielt noch ne rolle - quasi: mehr appetit durch mehr nahrungsangebot. auch unter dem aspekt unterschiedlicher "esskulturen"
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Danke @CdN endlich mal ein paar Fakten.
Ok, also wenns bei meiner Oma oder meinem Opa mal so weit kommen sollte suche ich mir einen Pflegedienst der das direkt zu hause macht...
Solche Zustände würde ich den beiden niemals zumuten wollen... Und wenn es ein kleines Vermögen kostet und ich meine Family dazu nötigen muss >.<
Ich stelle mir gerade die Frage, ob die Zustände in rein Privat geführten Pflegeheimen ähnlich sind. Da hat der Staat seine Wichs-Griffel nicht im Spiel. Die sind vielleicht teurer aber u.U. besser? Möglich.
@viking:
Ob die Pflegeeinstufung missglückt ist oder Peng.
Du zielst gerade zu sehr auf ein in Deutschland eingeführtes System von irgendwelchen Normen. Und eigentlich sollte uns inzwischen klar sein, dass der Mensch als Individuum sich in keine Norm stecken lässt, ob Vater Staat das nun passt oder nicht.
Vielleicht solltest du dich auch nicht zu sehr auf das Thema Essstörungen bei alten Menschen fixieren sondern mehr Ursachenforschung betreiben und etwas über das Thema hinausschießen (Wobei die Richtung mit der Kritik am System durchaus ein Punkt sein kann:
Esstörungen als Folge von - formulieren wirs drastisch - Vernachlässigung --> Mangel an Pflegepersonal --> System.
Wenn das System darauf auszielt, dass man je nach Pflegestufe so und so viel Zeitaufwand benötigt damit es dem menschen gut geht: Ganz dickes NEIN! Das kann es nicht sein. Denn hier wird pauschalisiert und das kann grundsätzlich nicht stimmen. Manche dieser Leute bräuchten sicherlich jemanden, der permanent für sie auf Abruf ist. Andere begnügen sich vielleicht damit, dass man ihnen beim Waschen, Essen hilft.
Tztztztz...greif mir doch nicht für meine Doktorarbeit vor!!! Ich werde schon noch eine ganz größe Sache schreiben, aber erstmal muss ich kleine Brötchen backen und mich erstmal um ein kleines Thema kümmern. Und das Ergebnis dieses Themas dann in meiner Masterarbeit mit einem anderen Land vergleichen (bei mir wird das Norwegen sein) und dann wird daraus ein großes Ding....eine ganz große Arbeit, meine Doktorarbeit mit ausgearbeitem Konzept und Lösungsansätzen.
Danke popup für die Links
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Essensverweigerung einmal in einem anderen Kontext:
Ein Hanfbauer in der Schweiz befindet sich in Haft im Hungerstreik und darf auf Grund einer Patientenverfügung bzgl. künstlicher Ernährung nicht Zwangsernährt werden.
http://www.swissinfo.ch/ger/gesellschaft/Staat_darf_Bernard_Rappaz_sterben_lassen.html?cid=17980612&rss=true
Staat und Ärzte müssen den Willen des Walliser Hanfbauers, der sich aus Protest gegen seine Gefängnisstrafe notfalls zu Tode hungern will, respektieren, sagt Ruth Baumann-Hölzle von der Nationalen Ethikkommission.
Sei eine Person urteilsfähig und gehe von ihr keine Gefahr für Dritte aus, sei deren Recht auf Abwehr von Zwangsmassnahmen höher zu gewichten als die Fürsorgepflicht des Staates
[...]
Bei Herrn Rappaz ist es so, dass ihm nicht lebenserhaltende Mittel vorenthalten werden, sondern er lehnt diese ab. Die Gesellschaft hat die Verpflichtung, ihm immer wieder Lebensmittel anzubieten. Aber wenn er diese im urteilsfähigen Zustand ablehnt, ist seine Ablehnung zu akzeptieren.