Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft
Bundestagswahl 2021 - und jetzt?
Jack_N:
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Jack_N am 28 September 2021, 10:09:39 ---Beispiel: Fleischindustrie. Die immer größer werdenden, pervers anmutenden Schlachthöfe, die uns die billigen XXL-Schnitzel und gemischtes Hack für 1,50€/Pfund bescheren, stehen vor Problemen. Die Abnahme sinkt, sie versuchen mit Dumpingpreisen gegenzusteuern. Das betrifft dann aber vor allem die anliefernden Bauern, die sich auf eine schnelle Aufzucht von Tieren spezialisiert haben, weil das für sie das lukrativste Geschäftsmodell war. Jetzt aber wird langsam genauer auf die Zustände der Tiere geschaut, die Bauern bekommen weniger oder die Schlachthöfe nehmen die Tiere gar nicht erst ab - die Aufzucht für die nächsten Monate/Jahre ist aber unverändert in vollem Gange.
Umstellen auf Bio ist auch nicht so einfach, spätestens seit Aldi angekündigt hat, ab einem gewissen Punkt nur noch Tiere aus Freilandhaltung zu Fleisch zu verarbeiten (Tierwohl-Klasse 4), und damit einen Großteil der jetzigen Lieferanten auszuschließen, gehen die Alarmglocken bei den bisherigen Viehhaltern los. Zudem: Wenn sie alle auf Freilandhaltung umstellen würden (was viele mangels Ländereien gar nicht in der Größe können), dann wären sie wieder in Konkurrenz und könnten durch das Überangebot erneut ihre Preise nicht reinholen, die sie für die artgerechte Versorgung der Tiere benötigen.
--- Ende Zitat ---
In solchen Momenten sehe ich immer die Gründe dafür, dass ich fest daran glaube, die Marktwirtschaft sei immer noch das beste System, das wir haben und kennen. Hier regelt der Markt, und das was Aldi hier tut, ist verdammt nochmal gut und richtig.
Aber dein Punkt ist mir nicht ganz klar: Meinst du, durch frühere Rahmenbedingungen für Bio- und Freilandproduktion hätte man Fleischerzeugern eine zerstörte Existenz und Tieren eine sinnlose Schlachtung zur Vernichtung ersparen können, oder wie meinst du das?
--- Ende Zitat ---
Japp, in die Richtung ging mein Kommentar.
Ich habe sehr oft in diversen Industrien ein "das hat doch niemand kommen sehen" gehört, wo sich auf immer gleich bleibenden Produktionszyklen ausgeruht wurde, Produkte die gut im Markt ankamen nicht mehr verbessert wurden, umgekehrt aber auch kein Geld in Forschung und Weiterentwicklung gesteckt wurde, weil man ja grad so schön Gewinne abschöpfen konnte. Was bei der Belegschaft natürlich nicht in dem Rahmen ankam.
Und dort, wo es bei der Belegschaft ankam, war die natürlich auch nicht dran interessiert, dass ihre Sonderzahlungen gekürzt werden, damit sich die Firma besser auf die Zukunft vorbereiten kann. "Warum denn sowas, läuft doch alles?" - schrien die am lautesten, die das komplette Gehalt inklusive der Sonderzahlungen einberechnet hatten um ihren überzogenen Immobilienkredit abzusichern.
Die Weitsicht fehlt halt allenortes sowohl bei den einfachen Arbeitern, als auch bei der Geschäftsführung, ebenso bei den Selbständigen. Auch dort hab ich, wenn gewisse Dienstleistungen nicht mehr so gefragt sind, oft nur ein "und was soll ich dann machen?" gehört - anstatt dass die Leute sich zeitig, sobald die Umsätze zurückgehen, um andere Geschäftsfelder, Weiterbildungen etc... bemüht hätten.
Ein Kumpel von mir hat als Drucker/Setzer gelernt, hat danach in diversen Firmen gearbeitet, sich die Grundlagen des Grafikdesigns selbst beigebracht, eine Ich-AG gegründet und damit Werbe-Prototypen-Erstellung betrieben, inklusive Prototypendesign für neue Produkte, wurde da von Lidl verarscht - wie viele andere vor ihm auch wie er dann rausfand (immer dieselbe Masche: Erst viele kleine Aufträge, die alle pünktlich bezahlt werden, dann ein großer, für den nie gezahlt wird - und die Leute die auf ihr Geld warten sind immer kleine Selbständige, die für eine Klage keine Kohle haben, weil sie Monate in den Großauftrag gesteckt haben, der für andere Kunden keine Zeit ließ). Hat sich wieder aufgerappelt, und noch mehr im Druckstufen-Vorbereich Know-How angesammelt und wurde dann auch beratend tätig für andere Firmen um Prozesse im Druck zu verschlanken.
Diese Flexibilität und Durchhaltevermögen sind aber an vielen Orten selten. Da gibt es gute Lackierer, die aber aus ihrem Heimatort (30 Einwohner) nicht wegziehen wollen weil da ja das Elternhaus steht, dessen Unterhalt sie sich aber mangels Arbeit nicht leisten können. Fähige Maurer, die aber ebenso vor ihrer Haustür keine Arbeit finden - während in anderen Städten händeringend nach ihnen gesucht wird.
Diese Leute erwarten, dass "die Regierung" ihnen die Arbeit zuschiebt und dafür sorgt dass sich "bei uns was tut" während sie mit der Bierflasche vor der Tür sitzen.
Und all die jüngeren aus ihrer Region? Die sind weg. Die haben selbst was getan, sind teilweise über 500km weggezogen nur für einen Ausbildungsplatz, und haben sich ein eigenes Leben aufgebaut.
Ich fürchte halt, dass gewisse Regionen einfach entgegen ihrer Überzeugung doch geimpft wurden. Und zwar geimpft gegen Wandel und Veränderung. Und die Impffolge in diesem Fall tatsächlich der langsame Tod auf Raten sein wird, verbunden mit Wahnvorstellungen, übermäßigem Aggressionspotential und Machtphantasien.
Ujigami:
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Ujigami am 28 September 2021, 09:31:14 ---Also mit Politik ist es ja so eine Sache.
Ich habe gelernt, dass das Diskutieren politischer Standpunkt im öffentlichen Raum so seine Herausforderungen hat.
--- Ende Zitat ---
Ich wollte schon fragen, ob ich mal wieder zu provokativ geschrieben habe.
Mir geht es um ein Verständnis dafür, warum das mit R2G so schlimm sein soll.
--- Ende Zitat ---
Auf keinen Fall finde ich Deinen Beitrag / Deine Beiträge zu provokativ!
Wenn ich das so schreibe wie ich das oben gemacht habe, dann lädt das natürlich im Grunde zu Rückfragen ein, und in dieser zivilisierten, modernen Welt sollte man doch eigentlich über alles reden können. Leider bin ich ganz persönlich, und das nicht als Redewendung gemeint, sondern wirklich durch persönliche Erfahrungen auf Facebook aber auch im Rahmen physischer Diskussionen und Veranstaltungen, nicht mehr motiviert, Politik in meinem Bekanntenkreis zu diskutieren.
Ich habe natürlich auch eine Meinung dazu, eine aus meiner Sicht relativ durchdachte sogar, und an einem... hm. Kneipentresen? Bar-Tisch? ... irgendwo würde ich die auch diskutieren, aber leider führt eine schriftliche Diskussion dazu, dass Dinge ein Eskalationspotential besitzen, das ihnen nicht zusteht. Ich habe mir einen solchen Hass zugezogen auf Facebook, teils auch einen schwer reparablen Reputationsschaden, weil ich übersehen hatte, dass Menschen wie Du und ich zwar diskutieren können und wollen, aber andere Menschen glauben, sie befänden sich im Krieg, und sich entsprechend benehmen. Wenn man seinen gesamten Bekanntenkreis mit einem Debattierclub verwechselt, dann geht es nicht gut aus. Daher: Das ist hier nicht der richtige Kontext.
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---Wofür ich Verständnis habe: Unsere Diskussionskultur in den letzten 2 Jahren lädt nicht gerade dazu ein, eine sachliche Unterhaltung über Politik zu führen, die niemandem emotional nahe geht. Das haben wir verbockt, und ich sehe ein, dass du da auch nicht mitmachen willst. Und sollte mir eigentlich ein Beispiel an dir nehmen. Aber scheißenochmal, da ist ja noch mein Sendungsbewusstsein... ^^
--- Ende Zitat ---
Ich glaube, ich tauge nicht als Beispiel, an dem man sich orientieren sollte. Eigentlich wäre es erstrebenswert, dem hehren Ideal des Austausches zu folgen und durchzuhalten. Aber mir ist es die Tiefe des Konfliktes nicht wert, die aus Freunden teils hasserfüllte Feinde hat werden lassen. Es betrifft ja auch nicht nur mich: Ich konnte auf Facebook so oft sehen, wie sich aufgrund politischer Ansichten Leute miteinander gezofft haben, dann gestritten, dann angehasst, dann entfreundet und dann konnte es nie wieder heilen. Mein ganzer Bekanntenkreis, der früher theoretisch hätte zusammen abhängen können und sich irgendwie verstanden hätte, ist in kleine Bubbles zerfallen. Früher war es wichtig, ob eine Person reflektiert war. Nett. Angenehm. Freundlich. Lustig. Früher war es nicht wichtig, ob eine Person eher links oder eher rechts war. Welche Sexualität sie hatte. Wie sie ihr Geschlecht definierte. Ob sie eher viel oder eher wenig Geld verdiente. Ob sie in Deutschland sozialisiert wurde oder irgendwo anders. Welche Hautfarbe sie hatte.
Heute ist im öffentlichen Raum fast nur noch wichtig, was früher unwichtig war. Ich hätte es gerne wieder andersherum, so wie früher, aber diese Zeiten sind vorbei. Und damit leider auch die Diskussion.
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Jack_N am 28 September 2021, 10:09:39 ---[Aldi und das Biofleisch]
--- Ende Zitat ---
In solchen Momenten sehe ich immer die Gründe dafür, dass ich fest daran glaube, die Marktwirtschaft sei immer noch das beste System, das wir haben und kennen. Hier regelt der Markt, und das was Aldi hier tut, ist verdammt nochmal gut und richtig.
--- Ende Zitat ---
Der Markt tut keine bösen Dinge. Wir agieren auf dem Markt, und wir tun Dinge. Ob die schlecht oder gut sind, entscheiden eben wir...
BaerndME:
--- Zitat von: Ujigami am 28 September 2021, 15:47:17 ---
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Jack_N am 28 September 2021, 10:09:39 ---[Aldi und das Biofleisch]
--- Ende Zitat ---
In solchen Momenten sehe ich immer die Gründe dafür, dass ich fest daran glaube, die Marktwirtschaft sei immer noch das beste System, das wir haben und kennen. Hier regelt der Markt, und das was Aldi hier tut, ist verdammt nochmal gut und richtig.
--- Ende Zitat ---
Der Markt tut keine bösen Dinge. Wir agieren auf dem Markt, und wir tun Dinge. Ob die schlecht oder gut sind, entscheiden eben wir...
--- Ende Zitat ---
Hö?
Meinte ich doch auch.
"Der Markt regelt" und "Aldi agiert" und "Aldi entscheidet gut".
Ujigami:
--- Zitat von: BaerndME am 29 September 2021, 14:15:48 ---
--- Zitat von: Ujigami am 28 September 2021, 15:47:17 ---
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Jack_N am 28 September 2021, 10:09:39 ---[Aldi und das Biofleisch]
--- Ende Zitat ---
In solchen Momenten sehe ich immer die Gründe dafür, dass ich fest daran glaube, die Marktwirtschaft sei immer noch das beste System, das wir haben und kennen. Hier regelt der Markt, und das was Aldi hier tut, ist verdammt nochmal gut und richtig.
--- Ende Zitat ---
Der Markt tut keine bösen Dinge. Wir agieren auf dem Markt, und wir tun Dinge. Ob die schlecht oder gut sind, entscheiden eben wir...
--- Ende Zitat ---
Hö?
Meinte ich doch auch.
"Der Markt regelt" und "Aldi agiert" und "Aldi entscheidet gut".
--- Ende Zitat ---
Ich, äh, wollte Dir im Wesentlichen zustimmen. :)
BaerndME:
--- Zitat von: Ujigami am 29 September 2021, 16:07:35 ---
--- Zitat von: BaerndME am 29 September 2021, 14:15:48 ---
--- Zitat von: Ujigami am 28 September 2021, 15:47:17 ---
--- Zitat von: BaerndME am 28 September 2021, 13:04:57 ---
--- Zitat von: Jack_N am 28 September 2021, 10:09:39 ---[Aldi und das Biofleisch]
--- Ende Zitat ---
In solchen Momenten sehe ich immer die Gründe dafür, dass ich fest daran glaube, die Marktwirtschaft sei immer noch das beste System, das wir haben und kennen. Hier regelt der Markt, und das was Aldi hier tut, ist verdammt nochmal gut und richtig.
--- Ende Zitat ---
Der Markt tut keine bösen Dinge. Wir agieren auf dem Markt, und wir tun Dinge. Ob die schlecht oder gut sind, entscheiden eben wir...
--- Ende Zitat ---
Hö?
Meinte ich doch auch.
"Der Markt regelt" und "Aldi agiert" und "Aldi entscheidet gut".
--- Ende Zitat ---
Ich, äh, wollte Dir im Wesentlichen zustimmen. :)
--- Ende Zitat ---
Achso. :)
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln