Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft
Neue Dimension der Gewalt in Deutschland
nightnurse:
--- Zitat von: Black Russian am 21 Dezember 2016, 08:23:48 ---Bei so einem hochnäsigen und provokanten Art der Diskussion ist es tatsächlich kein Wunder, dass Deutschnationale Zulauf gewinnen.
--- Ende Zitat ---
Sowas lese ich in den letzten Monaten unheimlich häufig und, äh, ich hätt da mal ne Frage.
Es wird ja gemeinhin angenommen, daß wir alle mündige und erwachsene Bürger sind. Denjenigen mündigen Bürgern, die ihre politischen Entscheidungen zugunsten des rechten Teils des politischen Spektrums fällen, unterstellt man irgendwie gerne, sie würden diese Entscheidung aus kindischen beleidigte-Leberwurst-Gründen fällen.
Wenn man sich also in einem Gespräch über Politik von (in diesem Fall) colourize voll arrogant angekackt fühlt, dann wählt man eben AfD! Und wenn einen jemand schnöselig benazikeult, na, dann kann man ja auch gleich rechtsaußen wählen!! ßo!!!1
-??
Also, nicht, daß ich anzweifle, daß es Leute geben kann, die das tun, ich traue Menschen so einiges zu.
Aber von denen, die es täten, wäre es schon ne seltsame Logik.
Und von denen, die voraussagen, daß andere das in Mengen tun, ein seltsames Menschenbild.
Oder nicht?
--- Zitat von: Black Russian am 21 Dezember 2016, 08:23:48 ---Es ist nämlich so, dass etwas, was von der Tür passiert, einen mehr beunruhigt, als etwas was 1000 KM weiter passiert.
--- Ende Zitat ---
Ich denke, das ist normal, das geht vielen so.
Als ich Teenager war, ist gefühlt 1x pro Woche in den Nachrichten irgendwas explodiert, Stichworte ETA und IRA. Das war aber meistens im Ausland, was einem ein bei Licht besehen naives Sicherheitsgefühl (weil weit weg) vermitteln konnte.
Deutschland hat bisher ziemlich Glück (oder gute Polizeiarbeit oder beides) gehabt. Es gab keinen Grund, anzunehmen, daß das für immer so bleiben würde. Aber man erschreckt sich dann doch.
schwarze Katze:
--- Zitat von: nightnurse am 21 Dezember 2016, 19:21:20 ---
--- Zitat von: Black Russian am 21 Dezember 2016, 08:23:48 ---Bei so einem hochnäsigen und provokanten Art der Diskussion ist es tatsächlich kein Wunder, dass Deutschnationale Zulauf gewinnen.
--- Ende Zitat ---
Sowas lese ich in den letzten Monaten unheimlich häufig und, äh, ich hätt da mal ne Frage.
Es wird ja gemeinhin angenommen, daß wir alle mündige und erwachsene Bürger sind. Denjenigen mündigen Bürgern, die ihre politischen Entscheidungen zugunsten des rechten Teils des politischen Spektrums fällen, unterstellt man irgendwie gerne, sie würden diese Entscheidung aus kindischen beleidigte-Leberwurst-Gründen fällen.
Wenn man sich also in einem Gespräch über Politik von (in diesem Fall) colourize voll arrogant angekackt fühlt, dann wählt man eben AfD! Und wenn einen jemand schnöselig benazikeult, na, dann kann man ja auch gleich rechtsaußen wählen!! ßo!!!1
-??
--- Ende Zitat ---
Nun ja, wegen einem schnöseligen Antwort wird keiner AFD wählen.
Aber: es ist leider so, dass solche Antworten ziehmlich oft vorkommen und ja, die Befürchtungen und Ängst von einfachen Menschen, also diejenige die nicht in gutbürgerlichen Gegenden wohnen und nicht mit Auto, sondern mit Öffis zu Arbeit fahren, ins lächerliche gezogen werden.
Ich werde deswegen nicht die AFD wählen, aber Lieschen Müller wird es eventuell tun.
Sie lebt vielleicht in einer unsicheren Gegend, und das Kind muss auf eine sogenannte Problemschule u.s.w.
Sicherheit gehört zu einem der wichtigsten Bedürfnissen (nach Maslow), wichtiger sind nur rein physiologische Sachen wie essen und trinken. Und wenn die Menschen andauernd verunsichert sind und dazu noch merken, dass ihre Verunsicherung und Angst nicht ernst genommen und ins lächerliche gezogen werden, dann ist vieles möglich, was der sogenannte Bildungsbürger für unmöglich gehalten hat.
Wer hat wohl von einem halben Jahr gedacht, dass ein gewisser Mr. Trump zu Präsidenten gewählt wird?
Bin auch auf den Wahl in Holland und Frankreich gespannt und befürchte, dass auch dort es zu sehr unangenehmen Überraschungen kommen könnte.
P.S.
Ich habe übrigens ziehmlich oft Menschen erlebt (auch in meinem Freunden- und Familenkreis, die solange für Multikulti waren, bis ihr Kind eingeschult werden musste. Dann zogen sie in eine bessere Gegend um oder meldeten das Kind in eine kirchliche/walddorf/montessori oder welche auch immer gute Schule an.
Seltsam, nicht wahr?
nightnurse:
Ja, klar. Den Teil mit dem Sicherheitsbedürfnis verstehe ich schon, das muss sich ja nichtmal auf die Wohnumgebung beziehen, auch Ängste vor einer in vielfacher Hinsicht ungewissen Zukunft und "denen da oben die machen was sie wollen und nehmen uns nicht ernst". DAS kann ich mir als Motivation für politische Entscheidungen schon vorstellen.
Aber es kommt halt immer wieder so rüber, als solle man mit Karl und Lieschen Müller umgehen wie mit meinen (intellektuell stark eingeschränkten) Klienten: Einfache Sprache, bloß nicht hochnäsig wirken, auf keinen Fall Sarkasmus verwenden, denn wenn die sich verarscht fühlen, werfen sie mit Möbeln wählen sie rechtsaußen. Dabei gibt es, wie Du schon sagst, durchaus andere Denkpfade, die da hinführen können als "Müllers sind halt bissi einfach und impulsiv".
(Des weiteren bin ich nicht ganz zufrieden damit, die Verantwortung für Müllers Wahlentscheidung auf andere Leute als Müllers selbst umzulegen. )
Hm.
Solche Eltern kenne ich auch ::)
schwarze Katze:
--- Zitat von: nightnurse am 21 Dezember 2016, 22:17:48 ---Aber es kommt halt immer wieder so rüber, als solle man mit Karl und Lieschen Müller umgehen wie mit meinen (intellektuell stark eingeschränkten) Klienten: Einfache Sprache, bloß nicht hochnäsig wirken, auf keinen Fall Sarkasmus verwenden, denn wenn die sich verarscht fühlen, werfen sie mit Möbeln wählen sie rechtsaußen. Dabei gibt es, wie Du schon sagst, durchaus andere Denkpfade, die da hinführen können als "Müllers sind halt bissi einfach und impulsiv".
(Des weiteren bin ich nicht ganz zufrieden damit, die Verantwortung für Müllers Wahlentscheidung auf andere Leute als Müllers selbst umzulegen. )
--- Ende Zitat ---
Du wirs sich wundern, aber einfachere Sprache bewirkt manchmal auch sehr viel (muss ja nicht so einfach sein, wie bei geistig behinderten aber eben auch nicht so kopflästig, wie man es von seiner direkter Umgebung gewonnt ist).
Einer der Grunde, warum die Boschewiken in Russland gewonnen haben, war ihre einfache Sprache. (nicht der einzige Grund, aber immernoch)
Und ehrlich gesagt, halte ich Sarkasmus für nicht so geeignet für eine Diskussion (vorausgesetzt, ich will einen Konsens erreichen und nicht einfach nur provozieren und meinen Gesprächspartner aus der Reserve locken) Sarkasmus ist, meiner Erachtens nach, Gift für jeder Diskussion.
Und das Wichtigste: die Menschen brauchen das Gefühl, dass man ihre Ängste ernst nimmt.
Und nicht eben "ist eben so, in Frankreich und sonstwo ist es auch schon passiert"
P.S.
ehrlich gesagt, wird mit bei Beobachtung der jetzigen gesellschaftlicher Entwickung Angst und Bange und ich hätte mich am liebsten mithilfe von Cola/Bacardi und etlichen Joints abgeschossen, wid aber nix bringen: Wir haben wahrscheinlich noch mehrere heftige Jahre von uns und soviel Stoff kann ich nicht vertragen.
nightnurse:
Das sind alles gute Tips für ne Diskussion.
Aber sind wir da nicht schon wieder an dem Punkt, wo man sagt "wenn man mit Müllers unangemessen redet, wählen sie rechtsaußen"? Und zwar auch, wenn das Diskussionsgegenüber kein Politiker ist, sondern irgendein Typ im Internet?
(Ich BIN übrigens dafür, mit Menschen einen angemessenen Umgangston zu pflegen und sie auf ihrem Sprachniveau abzuholen.)
(Ich habe da 2 Probleme. Das eine ist, daß mir missfällt, wenn man Menschen als so schlicht hinstellt, daß sie aus persönlichem Affekt Wahlentscheidungen treffen. Das andere ist, daß ich davon ausgehen muss, daß es solche Leute wirklich gibt. Zwickmühle ^^)
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