Schwarzes Hamburg > Schwarze Szene

Wie seid ihr in diese "Szene" gestolpert?

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Ansichtssache:
Gelte ich überhaupt noch als jung?

Ich glaube den Grundstein gelegt hat meine erste Begegnung mit Gruftis, als ich mit 12 mit meiner Mutter durch einen blöden Zufall in eine Bar gestolpert bin, in der gerade eine Gothic-Tanznacht stattfand. Ich war fasziniert von den bizarren Gestalten und dachte „das will ich auch“.
In der Dorfjugend bei uns hatte ich mich nie wohl gefühlt, mich immer als „anders als die anderen“ wahrgenommen, so dass ich gewissermaßen eine Lösung für dieses Problem suchte, was ich vorerst in der Abgrenzung fand.
Die Band Placebo war meine Einstiegsdroge, bin dann regelmäßig ins Amadeus in Oldenburg gegangen (kennt das noch jemand außer Seinschi?), da gab es ca. von 22-23 Uhr die „Gruftistunde“. Mensch, das waren noch Zeiten.. Punkt 22 Uhr standen wir da vor der Tür. :D
Ich fand Gleichgesinnte, die Musik wurde immer düsterer bis hin zu Lacrimosa und Konsorten, die Klamotten immer schlimmer, die Fahrten weiter. Bremen, Hamburg, Bielefeld, mit dem letzten Zug hin, mit dem ersten zurück, juhu.
Mittlerweile bin ich aus der Farbe schwarz ein bisschen rausgewachsen und ein bisschen  erwachsener geworden, mein Musikgeschmack hat sich verändert, spezifiziert, aber gleichzeitig auch verbreitert. Ich glaube jedoch, ganz von der Szene loskommen werde ich nie. Will ich auch nicht. Punkt. :D

messie:

--- Zitat von: Ansichtssache ---Gelte ich überhaupt noch als jung?
--- Ende Zitat ---

Das ist ... *auf deinen Nick schiel* ... Ansichtssache.  ;D

Na, mal ehrlich, was ist jung, was alt? Ich fühle mich auch noch jung und noch laaange nicht wie Ü40, das kannst du aber wissen  ;D - dennoch gehe ich für viele wohl schon unter "aaaaalt, aaaaalt, alt" durch (tssss ... ). ;)
16jährige würden dich wohl auch nicht mehr als "jung" einstufen. Insofern: Shit happens. ;)


--- Zitat von: Ansichtssache ---Mittlerweile bin ich aus der Farbe schwarz ein bisschen rausgewachsen und ein bisschen  erwachsener geworden, mein Musikgeschmack hat sich verändert, spezifiziert, aber gleichzeitig auch verbreitert.
--- Ende Zitat ---

Oh, der Satz hätte auch von mir sein können. "Nu-Schwarz" gibt's auch bei mir nicht mehr, auch der Musikgeschmack ist deuutlich breiter als noch zu meinen besonders "schwarzen" Zeiten.
Ich mag aber immer noch sowohl die Musik als auch so einige Parties als auch eine ordentliche Portion jener Menschen, die diese "Szene" ausmachen. Sonst wäre ich schon längst nicht mehr hier.

So anders diese "Szene" heute auch ist: Ich finde doch immer noch einiges in ihr wieder, das mich damals hier hineinrutschen ließ. Es geht einfach anders zu als woanders. Genau sagen, was genau, kann ich gar nicht.
Ich weiß nur, dass ich mich auch heute noch oft (nicht mehr immer, das gebe ich auch zu) unter dem "Schwarzvolk" sehr wohl fühle. :)

Kaffeebohne:

--- Zitat von: messie am 15 September 2012, 23:40:36 ---Oh, der Satz hätte auch von mir sein können. "Nu-Schwarz" gibt's auch bei mir nicht mehr, auch der Musikgeschmack ist deuutlich breiter als noch zu meinen besonders "schwarzen" Zeiten.
Ich mag aber immer noch sowohl die Musik als auch so einige Parties als auch eine ordentliche Portion jener Menschen, die diese "Szene" ausmachen. Sonst wäre ich schon längst nicht mehr hier.

So anders diese "Szene" heute auch ist: Ich finde doch immer noch einiges in ihr wieder, das mich damals hier hineinrutschen ließ. Es geht einfach anders zu als woanders. Genau sagen, was genau, kann ich gar nicht.
Ich weiß nur, dass ich mich auch heute noch oft (nicht mehr immer, das gebe ich auch zu) unter dem "Schwarzvolk" sehr wohl fühle. :)

--- Ende Zitat ---
Das ist ganz treffend, das unterschreib ich mal. Ich steh allerdings eher auf die "Alte-Säcke-Schiene" mit Wave und Gitarren (auch wenn ich mal ne Elektro-Phase hatte), zerbeulten Coybowhüten, abgeranzten Ledermänteln, Weizenmehl und Cooooolness (ich vermisse die personifizierte Coolness übrigens hier!). Neon, Flauschkram und Fickentechno ist nicht meins...

colourize:

--- Zitat von: Kaffeebohne am 16 September 2012, 08:20:19 ---Das ist ganz treffend, das unterschreib ich mal. Ich steh allerdings eher auf die "Alte-Säcke-Schiene" mit Wave und Gitarren (auch wenn ich mal ne Elektro-Phase hatte), zerbeulten Coybowhüten, abgeranzten Ledermänteln, Weizenmehl und Cooooolness (ich vermisse die personifizierte Coolness übrigens hier!). Neon, Flauschkram und Fickentechno ist nicht meins...

--- Ende Zitat ---
Vom Style her stimme ich rundum zu.

Leider aber sind die Konzerte der Fields auch nicht viel spannender anzuschauen als die Playbackshows von Electrobands. :-\

snakepit:
Sehr interessant hier!!!!

Will meine Geschichte auch erzählen:

Muss so ´88 oder so gewesen sein, da gabs bei uns (ich komme aus ner 80.000-Einwohner-Kleinstadt) ne Großraumdisko, da war Sonntags von 15-20h Teeny-Disco. Ich war erst 14, aber da durfte ich hin...

Und da waren sie, die 2-3 Grufties der Stadt, die zu A Forest *drei Schritte vor, einmal den Boden mit der Hand wischen, drei Schritte zurück* tanzten....Und ich war total geflasht. Die auftoupierten Haare, die schwarzen Flatterklamotten, Pikes, die Schminke..und DIESER SONG!!!!! Man, fand ich das alles cooool!!!

Dann kam die Disintegration raus und ich sah das Lullaby Video. Was für ein krasser Scheiss! Ich musste unbedingt mehr Cure haben. Meine Cousine, 7 Jahre älter als ich, hatte nen coolen Freund, der hörte Front 242 und sowas und hatte auch 3 Cure-Alben : Disintegration, Kiss me, Kiss me, Kiss me und Standing on a Beach, die er mir auf Tape überspielte... Ich hab nichts anderes mehr gehört fortan... und ich war megaverknallt in A. K., einen Jungen aus unserer Stadt, der sich stylte wie Robert S. <3

Ich hab mir die ersten Martens (100 DM!) vom harterarbeiteten Zeitung-Austragen-Geld zusammengespart und bei RED MOON, dem angesagtesten (und zugleich einzigen) Szeneladen der Stadt gekauft. Allein damit war man ja seinerzeit schon der Hit!
Ausschnitte ausm BOY LONDON Katalog zierten meine Wände,  Depeche Mode und andere Elektronische Acts und typische 80er-Synth-Sachen fand ich natürlich auch toll.... Der spätere Mann meiner anderen Cousine war Waver, mit wasserstoffblondem auftoupiertem Haar, Pikes...und er brachte mich noch zusätzlich auf XYMOX. Hach...
Dank Mutti konnt ich mich aber nicht so kleiden, wie ich wollte und hatte ne ätzende Dauerwelle *grusel*
Immerhin hatte ich die Martens, ne Domestos-Jeans und ne Harrington-Jacke :-)



Erst 1992, als ich auszog, konnte ich ein wenig "Szene" schnuppern. Allerdings wars dann eher die Punk-Szene. Die einzige Subkultur, die es zumindest im kleinen Rahmen, in der Heimatstadt gab. Kaum ausgezogen gabs nen Undercut und das erste Mal aufgestellte Haare UND: das erste Cure-Konzert. Wish-Tour in Bremen! WOW!!!
Die Haare wechselten ständig die Farbe, Mutti rastete jedes Mal wieder aus! :-D

Und in der Szene-Kneipe liefen zumindest mal so Sachen wie "hate is just a 4 letter word", "souls", "gottes tod" , was von den sisters, cure, ... aber hauptsachlich Metal und Punk, auch OK...
dann starb diese Szene bei uns zunehmend aus :-(

Lange Zeit war ich dann hauptsächlich in Stino-Kreisen unterwegs, einfach, weils nichts anderes gab... Aber zuhause, da hörte ich Cure, DM, Sisters, Siouxsie, 80er-Kram, Manson, Metal, .... und war damit ziemlich alleine... Mein Freundeskreis konnte mit derartiger Musik und auch mit dem Style nichts anfangen.... Also war ich lange "Bunt" nach außen, "Schwarz" innen"...Ich  fühlte ich mich immer fehl am Platz, nie so richtig "dazugehörig"..irgendwie anders als die Anderen.

...bis, ja bis ich nach Hamburg kam..... da gab es plötzlich Szene-Parties, Konzerte, und ich verdiente etwas mehr Geld und konnte mir Festivals, etc. leisten! Und ich fasste Fuß und lernte Gleichgesinnte kennen! ENDLICH! Endlich kann ich leben, was ich bin und wie ich bin und was ich will. Ich geniesse das sehr und weiss das als ehemalige Kleinstadt-Pomeranze sehr zu schätzen!!!



Danke Hamburch :-)


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