Ich will Eure sozialromantische Kuschelecke ja nicht aufmischen, aber der Text ist größtenteils totaler Unfug und hält keinem Reality Check stand.
Inverted, ich bin auf dieser theoretischen Ebene wirklich nicht sehr tief im Thema und kannte den Begriff des "Keynesianismus" bis jetzt auch noch nicht.
@ InvertedMein Eindruck ist eher, dass sich der Herr Doktor lieber im echten Leben ein bisschen umgeschaut hat und seine eigenen Eindrücke verarbeitet und aufgeschrieben hat, anstelle sich mit Wirtschaftstheorien zu beschäftigen (was er selbst auch zugegeben hat, o Prinz des Durchblicks), die eben genau das sind: Theorien. Manche Leute bilden sich eben ihre Meinung aufgrund ihrer eigenen Erfahrung, statt vorgefertigte Theorien wiederzukäuen - von denen sich viele sowieso inzwischen als obsolet bis falsch erwiesen haben, ja: "tot" sind. Genau deswegen finde ich den Text bemerkenswert: weil ihn nicht ein bezahlter und erfahrener Schreiberling verfasst hat, sondern ein "Normalmensch". Wenn man das dem Text anmerkt: um so besser. Die simple Schreibweise ändert jedoch nichts am Wahrheitsgehalt. Wenn du dem nur mit toten Theorien begegnen kannst: nur zu. Stell dir dann aber auch die Frage, wer hier eigentlich der Romantiker ohne Realitätssinn ist.(Egal... mit dem Herrn Durchblicker zu diskutieren hat in etwa so viel Sinn, wie in einen alten Sportschuh hinein zu sprechen; Argumentationszugänglichkeit und Kognition dürften sich auf ähnlichem Level befinden, und zurück kommt doch nur heiße, stinkige Luft.)
Zum Fertiglesen konnte mich der Text nicht animieren, da ich gleich über etliche Punkte gestolpert bin. Da lässt sich ein frustrierter Arzt über das System aus - und wirft nur so mit Begriffen um sich, die er offenbar selbst nicht versteht.
Beleidigt, weil ich mich dem Mitspielen beim linken Ringelpiez mit Anfassen verweigere?
Gestolpert bin ich über z. B. über folgende Formulierung: "Alle Gesundheitsreformen der letzten Jahre hatten nur ein Ziel, nämlich die gesamten Leistungserbringer derart in finanzielle Misslage zu bringen, dass man sich förmlich nach einem Heilsbringer in Form eines professionellen Großbetriebes sehnt, der einem die Last der stetigen Existenzbedrohung von den Schultern nimmt. Durch die Reformen wurde sicherlich auch Geld für die Krankenkassen gespart, aber das war nur der nachrangige Sinn, in Wahrheit wurde hier die komplette Privatisierung der gesamten Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung vorbereitet." Das halte ich für ziemlichen Humbug, zumal die Privaten Krankenkassen immer weiter absterben und sich wieder mehr Menschen freiwillig gesetzlich versichern.
Außerdem habe ich mich gerade länger mit Gruner + Jahr und deshalb auch mit Bertelsmann (und am Rande mit Springer) befasst. Man muss wirklich kein Bertelsmann- oder Springer-Fan sein, um das, was der Autor da äußert, als Schmähkritik zu erkennen.
Sicher ist an einigen Punkten etwas Wahres dran, aber das Ganze ist so überzogen formuliert und mit Halbwahrheiten gespickt (BILD-Niveau!), dass ich es nicht ernst nehmen kann.
Dass sie schon längst nicht mehr regiert sondern die Lobbyisten machen lässt die die Gesetze zu ihren Gunsten schreiben und sie dann nur abnicken lassen, das halten viele für eine krude Verschwörungstheorie. Ich hingegen glaube genau das.
Ich habe durchaus gelesen, dass es zuerst um die Privatisierung der Krankenhäuser geht. Aber der Autor zieht daraus den Schluss, dass die "komplette Privatisierung der gesamten Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung" anstehe. Die Verallgemeinerung stammt also keineswegs von mir, sondern vom Autor selbst.
Aber Bertelsmann ist nun wirklich nicht der einzige Konzern, der politische Macht hat.
Und davon hat er längst nicht so viel, wie der Autor uns glauben lassen möchte - und auch nicht so viel, wie die Mohns vielleicht gern hätten.
Außerdem äußert heutzutage jeder Unternehmer, dass er etwas für die Gesellschaft tun wolle, und fast jeder Konzern investiert in Stiftungen. Das ist eben medienwirksam, aber noch lang keine "verlockende Heilsbotschaft". Deshalb ist ein Vergleich mit den "Ideen von Scientology" doch etwas überzogen.
Der Autor vermischt immer wieder Themen miteinander, die eigentlich nichts miteinander gemein haben (wie zum Beispiel die Privatisierung der Kliniken, die dann im nächsten Satz zur Privatisierung des gesamten Systems führt).
So schreibt er etwa: „Nahezu alle Zeitschriften mit bundesweiten Auflagen befinden sich in den Händen ganz weniger Menschen (Bertelsmann, Springer, Burda, Holzbrinck, Bauer).“ Im Satz davor greift er noch den SPIEGEL als „ein vermeintlich kritisches Blatt“ an. Ausgerechnet der SPIEGEL hat aber einen eigenen Verlag. Gruner + Jahr hält lediglich 25,5 Prozent der Anteile. Der normale Leser muss nun aber denken, dass die Zeitschrift zu den in der Klammer aufgelisteten Großkonzernen gehört.
Man merkt ihm zu sehr an, dass der Autor schlecht recherchiert hat. Oder dass dieser absichtlich Dinge voneinander ableitet, die gar keinen Bezug zueinander haben. Und damit stellte sich mir von Anfang an die Frage nach der Glaubwürdigkeit - die ich leider negativ beantworten muss.
Deshalb werde ich mich nun wichtigeren Dingen zuwenden.