Schwarzes Hamburg > Schwarze Szene -Archiv-
Lieber schwarz oder schwarzbunt oder was?
Candide:
--- Zitat von: "Silver" ---Schwarz sein ist eine Lebenseinstellung [...]
--- Ende Zitat ---
Was genau ist das Sinnvolle an einer Einstellung, die mich auf genau einen von unendlich vielen möglichen Zuständen reduziert?
(ich kann's net lassen... :twisted: :lol: )
Darkchris:
hi...
also wenn man mich fragen würde wäre ich absolut schwarz...also schwarze keidung, schwarze einstellung, wo bei ich leicht farbspiele wie ein dunkles "blut"-rot oder darkgrün, dunkles lila auch noch passt... alledings wenn ich mir diese girlieoutfits mit neonpink,grün,gelb etc. anschaue finde ich das es nix mehr mit schwarz zutun hat, eher gehört das zur ...ähm wie hies die gleich? doofparade oder so.
wichtig zu erwähnen... da ich auch schon des längeren "schwarz" bin und nicht nur klamottentechnisch glaube ich das die jüngeren auch überhaupt nicht wissen warum sie dies alles mitmachen. DarkAmbient hat es ja schon kurz erklärt, die damaligen punks trugen schwarz!!! weil sie aus der "normalen" masse herfor treten wollten, sie symbolisierten damit was. mittlerweile ist eine neue zeit und neue zeiten brauchen neue zeichen... aber warum in diese doofparade richtung??? die klassische stielrichtung der symbolisierung schwarz ist doch ok. musikalisch driften vmanche bands auch ins "normal" sein und verlieren dadurch den szeneblick, schade.
so... ach noch was... ich komme auch aus der wave szene, kenne auch bunte leute und toleriere auch andere musik, hoere auch gerne mal was anderes wenn es mir gefällt (denkt mal an the chemical brothers "hey boy hey girl, das ist keine schwarze musik aber wurde in edlichen schwarzen dissen gespielt !!!)
das die schwarze szene intollerante leute hat kann ich bis jetzt noch nicht bestätigen, ich kenne bisher nur leute die sehr tollerant waren.
na das wars erstmal von mir! :)
Candide:
--- Zitat von: "Darkchris" ---da ich auch schon des längeren "schwarz" bin und nicht nur klamottentechnisch glaube ich das die jüngeren auch überhaupt nicht wissen warum sie dies alles mitmachen. DarkAmbient hat es ja schon kurz erklärt, die damaligen punks trugen schwarz!!! weil sie aus der "normalen" masse herfor treten wollten, sie symbolisierten damit was. [...] musikalisch driften vmanche bands auch ins "normal" sein und verlieren dadurch den szeneblick
--- Ende Zitat ---
Das verstehe ich immer nicht so ganz - wenn es bei einer Subkultur darum geht, eine "nicht-normale Szene" zu bilden, aber die Individualität höchster Wert sein soll, so wird als Gegenkultur zum (normalen) Kollektiv ein neues (nicht-normales!?!?) Kollektiv erbaut.
Wie ist die Differenz zwischen einer Hip-Hop Szene, den Grufties, und den "Normalos"? Die einzige Differenz (abgesehen von Musikstilen und Farben) besteht in ebenjener Zuschreibung, subkulturell, das heißt nicht Mainstream, zu sein. Und diese Zuschreibung ist meist eine Selbstzuschreibung. ("Alle sind Individueen, nur ich bin anders!" :wink: )
Szenen sind Teilzeitvergemeinschaftungen als hochflexibles Role-Model des Kulturbetriebs. Die Deutsche Bank in Berlin lud zu einem Kultur-Abend unter dem Titel "Wir sind alle Subkultur"ein? Klar, albern und durchschaubar, aber die Aktion zeigt, daß in den Chefetagen und Management-Seminaren längst klar ist, wie wichtig Verszenung, "Networking" und Community-Building als zentrale Produktivkraft geworden sind.
Ziel ist - egal ob man T-Shirts mit gruftigen Bandlogos, Lackhosen, oder die Mercedes A-Klasse zur A-Motion-Tour verkaufen will - Produktion eines Wir-Gefühls unter den Teilnehmern, welches die Möglichkeit bietet, sich vom Ihr abzuheben. Szenen sind spätestens seid Ende der 70er für die meisten nur noch Markenwelten und Produkt-Images.
Ich persönlich halte daher nach 12 Jahren "Gothic" jede Form der Szenebildung zum Zwecke des Anders-Seins für einen Widerspruch in sich, aber vielleicht verstehe ich auch einfach nur was falsch.
Nix desto trotz: wenn Spaß bringt, ist's doch ok. :wink:
(vgl: Gelder, K.; Thornton, S. (Hg.): The Subcultures Reader; London 1997; Thornton, S.: Club Cultures: Music, Media and Subcultural Capital; Cambridge 1995)
Darkchris:
ich denke gerade an "zugehörigkeits gefühl", also in einer gruppe dazugehöhren, egal ob hip-hop szene oder schraze szene die jenigen die es mögen mit gleich gesinnten zusammen zusein passen sich, mal mehr mal weniger, an. so entsteht nicht nur an ihm sondern auch einwenig (oder auch mehr) in ihm ein gruppengefühl welches derjenige dann auslebt. einige sind mitläufer die anderen (der harte kern) lebt es intensiv und somit meint man dazuzugehöhren. das merke ich zumindest bei vielen jüngeren die nur schwarz cool finden. in meiner damaligen lieblings kneipe dem "graveyard", ja es war ne schwarze szene kneipe... aber nicht hier im norden, gab es ab und an mal welche die total entäuscht waren dort nicht aufzufallen (niemand schaute die mädels an und regestrierte sie kaum) und gingen lieber in normal dissen um halt aufzufallen, sie meckerten und pöbelten nur rum, aber keiner reagiert... naja WE schwarze (ohne jetzt arrogant oder sonst was zu wirken) sind doch wohl auch in der szene fehl am platz.
also wenn schwarz dann, wie ich finde, richtig...(bitte nicht falsch verstehen)
Candide:
--- Zitat von: "Darkchris" ---[...]sind mitläufer [...]
also wenn schwarz dann, wie ich finde, richtig...(bitte nicht falsch verstehen)
--- Ende Zitat ---
Ich hoffe ich drücke das jetzt richtig aus, denn ich kenne Dich nicht und möchte Dir auf keinen Fall das Gefühl geben, ich will Dich angreifen - aber genau diese Aussagen hören ich seit ich ~1991 in die Szene kam immer wieder - irgendwelche Cliquen werfen irgendwelchen anderen Cliquen vor, Mitläufer zu sein. Damals hieß es halt "die Harburger" (inkl. "Gott Gunnar", falls den noch wer kennt) gegen "die Hamburger", Kaiserkeller gegen Molotov, Kir-Leute gegen Living Dead-Fans, dann EBM gegen Mittelalter gegen Techno, dann Batcave gegen Lack&Leder...
Tatsächlich, und das muss man mal klar so sagen dürfen, sind alle, die sich einer Szene exlusiv anschließen, in diesem Augenblick Mitläufer - und das ist soweit doch auch noch nichts schlimmes. Schlimm wird es, wenn ein Mitläufer einem anderem vorwirft, er sei Mitläufer (oder "Pseudo", wie man so schön sagt), aber sich selbst als "richtig" und "Old School" (oder sonstwas) empfindet - das hat einen leicht faschistoiden Ansatz, denn um Individualität leben zu können, ist es Grundvorrausetzung, auch die Individualität des anderen zu respektieren, auch wenn er nach eigenm Gusto "nicht richtig schwarz" ist.
Bitte nicht falsch verstehen - ich liebe die Szene, sonst würde ich wohl kaum so lange mit den Jungs & Mädels verkehren, hätte nich 2 Jahre im Zillo/ Tonwerk aufgelegt, jahrlelang nen Iro getragen, etc.; ich vermisse nur immer mehr eine reflektierte Selbstkritik und Eigenironie, gerade bei den sog. "Älteren" der Szene. Und ja, wer mich kennt: ich hab' das alles selbst auch mal viel radikaler gesehen, aber man wird ja nicht jünger - und das ist auch gut so. :wink:
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