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Siechenland?

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colourize:
@Eisbär: Zustimmung zum Thema Schuldenschnitt meinerseits. Ohne den wird garnichts gehen. Was die Reformen betrifft: Das geht nicht von heute auf morgen. Dem Land fehlen Arbeitsplätze und ein Sozialversicherungssystem. Derzeit leben dort ganze Großfamilien von Opas schmaler Rente. Daher ist das Gerede hinsichtlich Rentenkürzungen auch absurd. Ein Sozialversicherungssystem nach deutschem Vorbild wäre viel viel teurer als die bestehende (zugegeben: miese) Struktur.

@Schattenwurf: Von welchen Ölfeldern ist die Rede? - siehe hier. Selbst im allergünstigsten Fall wäre das ja ein (Öl-)Tropfen auf den heißen Stein.

@CC & Black Russian: ACK

Eisbär:

--- Zitat von: colourize am 14 Juli 2015, 22:26:02 ---@Eisbär: Zustimmung zum Thema Schuldenschnitt meinerseits. Ohne den wird garnichts gehen. Was die Reformen betrifft: Das geht nicht von heute auf morgen. Dem Land fehlen Arbeitsplätze und ein Sozialversicherungssystem.
--- Ende Zitat ---
Ja... aber noch dringender fehlt ein funktionierendes Finanzamt. tatsächlich läuft es momentan durch alle Bevölkerungsschichten so, dass man eben die Steuern bezahlt, auf die man Lust hat. Gerade so viel, dass keiner auf die Idee kommt, mal genauer nachzuschauen.

colourize:

--- Zitat von: Eisbär am 14 Juli 2015, 22:41:31 ---
--- Zitat von: colourize am 14 Juli 2015, 22:26:02 ---@Eisbär: Zustimmung zum Thema Schuldenschnitt meinerseits. Ohne den wird garnichts gehen. Was die Reformen betrifft: Das geht nicht von heute auf morgen. Dem Land fehlen Arbeitsplätze und ein Sozialversicherungssystem.
--- Ende Zitat ---
Ja... aber noch dringender fehlt ein funktionierendes Finanzamt. tatsächlich läuft es momentan durch alle Bevölkerungsschichten so, dass man eben die Steuern bezahlt, auf die man Lust hat. Gerade so viel, dass keiner auf die Idee kommt, mal genauer nachzuschauen.

--- Ende Zitat ---
Mag ja sein, aber auch das ist nicht von heute auf morgen lösbar. Schlüsselstelle ist nämlich die Steuermoral. Aus Deutschland wissen wir, dass nur die Arbeitnehmer Steuer zahlen *müssen*. Ob die Selbstständigen und diejenigen, die von Kapitalerträgen leben (Rentenkapitalisten), Steuern zahlen - bzw. wie viel - das hängt maßgeblich von deren Bereitschaft ab, die Steuern nicht zu hinterziehen. In einem Bananenstaat wie Griechenland ist das noch viel heftiger.
Jedenfalls kann ich nur lachen, wenn ich Meldungen wie sie heute verlautbar wurden lese: "So soll die Mehrwertsteuer für Gastronomiebetriebe von derzeit 13 auf 23 Prozent angehoben werden." (Quelle) Ich war etliche male im Urlaub in Griechenland, und zwar in sehr verschiedenen Teilen des Landes. Ich war oft in Tavernen und Restaurants dort. Und ich kann mich nicht erinnern, *jemals* einen Rechnungs-Bon bzw. eine Quittung in einem Gastro-Betrieb erhalten zu haben. Da kommt der Wirt mit nem Schreibblock an Deinen Tisch, wenn Du zahlen willst. Sprich: Keine Registrierkasse = alles schwarz. Was der bei der Steuer angibt, das ist ganz allein sein Ding.

Ujigami:
Ich bin noch am überlegen, was ich eigentlich davon halte.

Ich glaube, es läuft aus so etwas ein Demokratieversagen und ein Versagen der Institutionen hinaus.

Meine Analyse der wirtschaftlichen Folgen ist noch nicht ganz zu Ende gedacht, sobald sie das aber ist, teile ich sie gern. Der Zwischenstand sieht so aus:

- Griechenland ist weiter auf dem Weg in eine nicht endende Abwärtsspirale. Das Sozialprodukt wird auf absehbare Zeit weiter sinken, möglicherweise bis zum Zusammenbruche der Versorgung und der Disfunktionalität nahezu aller staatlichen Institutionen.

- Deutschland und andere Staaten profitieren mittelfristig, solange der Zugewinn an Sozialprodukt durch künstlich niedrige Wechselkurse Euro zu Dollar die Hilfszahlungen übersteigt (die kann man ja auch durch höhere Steuern auf Einkommen an die Arbeitnehmer abwälzen)

- Langfristig entsteht durch das dauerhafte Niedrigzinsumfeld eine deutliche Überkapazität im produzierenden Sektor und eine Blasenbildung in "Real Assets", also Immobilien, Aktien usw.

- Langfristig verlieren die Institutionend er Europäischen Union ihre Legitimation, nachdem Demokratie dort jetzt schon klein geschrieben wird.

Mit etwas Pech platzt die Preisblase in dem Moment, in der die Europäische Union institutionell nicht mehr handlungsfähig ist, während wegen der Nullzinspolitik die Geldpolitik ihre Wirkung verliert und wegen der hohen Staatsverschuldung die Fiskalpolitik ebenfalls nicht mehr wirksam ist. Damit steuern wir letztlich auf eine Lage wie zu Beginn der großen Depression zu. Die Folgen eines Zusammenbruchs internationaler Institutionen mit Wirtschaftskrise, kombiniert mit zunehmenden nationalistischen Ressentiments, kennen wir nur allzu gut hier in Europa. Werden wir irgendwann einmal gegen Griechenland Krieg führen? Ich glaube, das ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Meine einzige Hoffnung ist, dass der technische Fortschritt sich beschleunigt und durch Effizienzgewinne die "Produktionsmöglichkeitskurve" verschoben wird und wir durch den dadurch steigenden Wohlstand nicht ganz so hart auf die Nase fallen wie ohne. Einen Teil dieses Effektes kann man auch bereits beobachten, da zum einen zwar die Inhaber des Produktionskapitals im Vergleich zu Arbeitern überproportional von der Automatisierung profitieren, andererseits wir jedoch alle an der "Automatisiertungsdividende" durch niedrigere Preise bzw. das Ausbleiben von Inflation partizipieren.

Diese Gedanken gibt es auch noch irgendwann einmal "sortiert" zu lesen, aber das Sortieren kostet noch etwas Zeit.

Schattenwurf:

--- Zitat von: colourize am 14 Juli 2015, 22:26:02 ---@Schattenwurf: Von welchen Ölfeldern ist die Rede? - siehe hier. Selbst im allergünstigsten Fall wäre das ja ein (Öl-)Tropfen auf den heißen Stein.
--- Ende Zitat ---
Wie gross die sind werden wir erst wissen,
wenn man reingepickt hat und der letzte Tropfen aus dem Hahn läuft. isthaltso *schulterzuck*
Aber Kaffeesatzlesen macht auch spass ... hier bitte

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