Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft

Nieder mit den Gewerkschaften?!

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CubistVowel:
Kann man heute bei den Fernsehberichten über den geplanten Streik direkt in Tränen des Mitleids für die Bahn ausbrechen, ist hier doch auch ein Artikel erschienen, der sich eindeutig (und leicht überzogen) auf die Seite der Streikenden stellt:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-11/lokfuehrer-streik-gdl-kommentar

CommanderChaos:
Stimmt, die Zeit ist relativ freundlich geworden. Ansonsten hab ich hier mal ein bisschen geraget:

https://strikeslipvault.flnet.org/wordpress/?p=58 (Selbstsigniertes SSL-Zertifikat, nicht erschrecken.)

Ujigami:
Ich weiss ja nicht. Ich bekomme bei Kartellen oft den Eindruck, dass es sich da einige wenige auf Kosten vieler anderer gut gehen lassen - also sollte ich einem Arbeits-Angebots-Kartell wie einer Gewerkschaft wohl kritisch gegenüberstehen.

Andererseits, so lange es Arbeitgeberverbände gibt (auch ein Kartell) wäre es dumm, auf ein eigenes zu verzichten. Zumal es sich um eines handelt, das auch per geschickter politischer Lobbyarbeit (ich weiss nicht, ob der Begriff "Korruption" zu weit führen würde) auch noch auf die Mithilfe einer staatlichen Unterdrückungsmaschinerie wie des Hartz IV-Systems zurückgreifen kann.

Was passiert, wenn Kartelle agieren, kann man allerdings in jedem Handbuch der Wirtschaftswissenschaften, das sich der Mikroökonomie widmet, nachlesen - ein Preis oberhalb des Gleichgewichts und eine geringere umgesetzte Menge. Übersetzt in die wirkliche Welt tragen Gewerkschaften (und Arbeitsgeberverbände) also zur Arbeitslosigkeit und zur steigenden Ungleichheit in der Bevölkerung bei. Dazu kommt noch die "Insider-Outsider"-Problematik, da es keine Gewerkschaft der Arbeitslosen gibt und die bestehenden Gewerkschaften nur im Interesse der jeweils organisierten Beschäftigten handeln...

Inverted:

--- Zitat von: CommanderChaos am 04 November 2014, 08:26:59 ---
--- Zitat von: Black Ronin am 03 November 2014, 15:15:31 ---Was hat ein Lokführer eigentlich für einen durchschnittlichen Stundenlohn ( ohne Zuschläge)
Bei welcher Wochenarbeitszeit?

--- Ende Zitat ---
Ohne Zuschläge? 8-9€ bei 40-45h. Mit Zuschlägen so 10-11. Im Vertrag stehen übrigens nur 39 Stunden, das passiert aber nie.

--- Ende Zitat ---
Lohnsteuerklasse 6 ohne Zuschläge?

Meines Wissens verdienen Lokführer um die 3000,- € brutto plus mehrere Hundert Euro Zulagen (teilweise bzw. größtenteils steierfrei?).

Dazu kommt, dass der Beruf keine allzu hohen Einstiegsvoraussetzungen hat und die Tätigkeit eigentlich ziemlich chillig ist. Insbesondere im Vergleich mit dem klar stressigeren und schlechter bezahlten Job als S-/U-Bahnführer. Und eine noch härtere Tätigkeit haben die Busfahrer, dren Lohn noch weiter unten auf der Skala liegt.

CommanderChaos:

--- Zitat von: Inverted am 11 November 2014, 23:52:49 ---
--- Zitat von: CommanderChaos am 04 November 2014, 08:26:59 ---Ohne Zuschläge? 8-9€ bei 40-45h. Mit Zuschlägen so 10-11. Im Vertrag stehen übrigens nur 39 Stunden, das passiert aber nie.

--- Ende Zitat ---
Lohnsteuerklasse 6 ohne Zuschläge?

Meines Wissens verdienen Lokführer um die 3000,- € brutto plus mehrere Hundert Euro Zulagen (teilweise bzw. größtenteils steierfrei?).

Dazu kommt, dass der Beruf keine allzu hohen Einstiegsvoraussetzungen hat und die Tätigkeit eigentlich ziemlich chillig ist. Insbesondere im Vergleich mit dem klar stressigeren und schlechter bezahlten Job als S-/U-Bahnführer. Und eine noch härtere Tätigkeit haben die Busfahrer, dren Lohn noch weiter unten auf der Skala liegt.

--- Ende Zitat ---

Steuerklasse 1.
Das was du sagst, stimmt vielleicht für Beamte. Ich habe in Vollzeit 1800€ Netto bekommen inkl. Zulagen. Durch ständige unausgeglichene Überstunden kommen da dann etwas weniger als 10€/Stunde raus. Inzwischen arbeite ich nur noch 13,5h/Woche und bekomme nun etwa 15€/h, das finde ich fair, aber das geht halt nur mit dem reduzierten Steuersatz dank niedriger Einkünfte.
Mit den Einstiegsvoraussetzungen hast du zwar Recht, die Ausbildung kann man auch mit Hauptschulabschluss anfangen, aber die Ausbildung erfordert, sehr viele Richtlinien auswendig zu lernen und auch im Beruf jederzeit wörtlich zu kennen. Ich hab da so einige Azubis scheitern sehen.

Immer diese Leute, die sagen, Lokführer sei doch total easy.. noch besser ist nur "ihr drückt doch sowieso nur auf Knöpfe". Im Normalfall ist der Job oberflächlich betrachtet chillig, im Störungsfall hat man aber sehr schnell alle Hände voll zu tun. Und chillig heißt nicht unbedingt entspannt: zwar muss man nicht viel denken, aber man ist die ganze Schicht (also durchschnittlich 9, im Extremfall bis zu 13 Stunden) mit Ausnahme der Pause voll konzentriert. Das ist in Kombination mit der relativ monotonen Tätigkeit extrem anstrengend. Es ist eintönig genug, um ständig mit den Gedanken woanders sein zu wollen, aber nur für wenige Sekunden unaufmerksam zu sein kann einem ziemlich den Tag verderben (Haltestelle verpasst, Signal überfahren etc.). Das zusammenzubringen erfordert zumindest für mich relativ viel Kraft und am Ende des Tages gibts eigentlich nur noch Essen und Bett, Freizeit fällt aus (wenn überhaupt mal die Schichten so kurz und so günstig gelegen sind, dass etwas vom Tag übrig bleibt). Dazu noch hohe körperliche Belastung, ob nun im Personenverkehr durch die Sitzhaltung oder im Rangierbetrieb durch körperliche Arbeit - Rückenschäden sind Berufskrankheit, verfrühte Berufsunfähigkeit ist keine Seltenheit. Ich bin auch gerade dabei mir eine Physiotherapie zu organisieren.

Bitte auseinanderhalten: S-Bahn = Eisenbahn gemäß EBO -> Lokführer, U-Bahn = Straßenbahn auf getrennter Trasse gemäß BOStrab -> Fachkraft im Fahrbetrieb. Ich fahre übrigens bei der S-Bahn Hamburg.
U-Bahn- und Busfahrer werden schlechter bezahlt, das ist richtig. "Beschwer dich nicht, anderen geht es noch schlechter" ist aber kein Argument. Die sollen sich ruhig auch mal zu einer vernünftigen Gewerkschaft zusammentun.

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