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Flohmärkte - Kulturelles Gut oder nur Ramschläden?
messie:
Kürzlich hatte ich mit meinen Eltern, als ich erwähnte dass ich mittlerweile (nicht immer schon, aber irgendwann wurde ich ja doch angesteckt ;D ) gerne Flohmärkte besuche, eine interessante Diskussion: Sie waren und sind der Meinung, dass das ja nur Ramschläden wären, auf denen man ja nur irgendwelches Zeug kaufen könne, das es eh nicht wert wäre zu kaufen, weil es ja gebraucht ist und gar nix Ordentliches sein kann. Dass ich dort gerne hinginge begründeten sie damit dass ich wohl halt nicht genug Geld hätte, um mir "was Ordentliches" zu kaufen, und das ja allen so ginge, die dort hingingen.
Ich habe das natürlich völlig anders gesehen. ;D
Meine Meinung ist, dass dies zum Teil sicher stimmt: Wer wenig Geld zur Verfügung hat, findet auf Flohmärkten Dinge die er sich so sonst nicht hätte leisten können, z.B. Bücher, Klamotten, etc. pp.
Ich denke aber dass es nicht nur darum geht, sondern noch um einiges mehr.
Worin dieses "mehr" (in meinen Augen) besteht, möchte ich erst einmal im Wesentlichen zurückhalten, um nicht sofort alle Argumente und Gegenargumente selbst genannt zu haben ;D
Lediglich eins vorweg: Ich denke, es ist auch die Lust daran, mal etwas anderes zu entdecken als lediglich das, was man in Einkaufsläden und Supermärkten der heutigen Zeit erhält. Dinge wie uralte Spiele aus der eigenen Kinderzeit, alte Schreibmaschinen und ähnliches Zeug erhält man nun einmal heutzutage nicht mehr irgendwo neu.
Wie steht ihr zu Flohmärkten? Eher im Sinne meiner Eltern oder eher in Richtung meiner Einstellung - oder noch ganz anders dazu? Eure Positiv- und Negativliste zu Flohmärkten?
Vielleicht gibt es ja bestimmte die ihr mögt und andere die ihr weniger mögt? Wenn ja, weswegen?
Bin gespannt. Ich bin vom Flohmarktvirus jedenfalls inzwischen infiziert worden. :)
voll pöse:
Ich gehe gerne auf Flohmärkte, zum einen mag ich die meisten "Ikea" Möbel nicht, artverwandte Möbel vom Dänischen Bettenlager usw. sind meistens noch schlimmer. Etwas vom Flohmarkt ist meistens günstiger, hochwertiger und wenn man nicht ganz ungeschickt ist- mit ein bisschen Arbeit (fast) wie neu. Sogar richtige Antiquitäten habe ich dort schon gefunden...
Da ich aber auch Kuriositäten, seltene Bücher usw. Sammele habe ich dort auch schon richtige Schätze für schmales Geld entdeckt. Sei es ein original "Rubik Magic", von Mattel, für 50cent- oder eine halblederne Ausgabe von "Die Memoiren des Satan" von Willhelm Hauff, aus dem Jahre 1925, für 1,50€...
Es macht auch einfach Spaß zu stöbern und zu schauen was es so gibt... und eigentlich kommen (fast) immer ein paar Sachen mit bei denen man sich zuhause selber fragt:"Warum zur Hölle habe ich das eigentlich gekauft?!?!?" Aber auch das ist schon eine eigene Tradition.
CubistVowel:
Da mein Budget sehr beschränkt ist und ich fast alles, was über Essen, Katzenfutter, Unterwäsche und Körperpflege hinaus geht, auf dem Flohmarkt kaufen muss, reihe ich mich natürlich ein bei dem Befürwortern. Ohne Flohmärkte wäre ich ganz schön aufgeschmissen, ehrlich gesagt. Oder die wachsende Anzahl der Sozialkaufhäuser. (Wobei diese in meinen Augen oft noch ramschiger sind als ein normaler Flohmarkt - jedenfalls habe ich trotz regelmäßiger Besuche dort relativ selten etws gefunden.)
Nicht nur, dass ich Flohmärkte brauche - ich habe sie von klein auf geliebt. :) Wahrscheinlich auch, weil es quasi mein Shoppingersatz ist.^^ Dem Shoppen in der Stadt sind bei mir sehr enge finanzielle Grenzen gesetzt (immer nur den Anderen beim Kaufen zuzugucken frustriert auf Dauer ziemlich), aber auf so einem Markt rücken viele Dinge in erschwingliche Nähe. Natürlich kostet es manche Leute etwas Überwindung, die gebrauchten Klamotten oder sogar Schuhe anderer Menschen selbst zu tragen - zum Glück habe ich damit kein Problem. Inzwischen besteht der Großteil meiner Kleidung, Schuhe, Bücher, Haushaltsgeräte etc. aus gebrauchten Sachen. Außer Unterwäsche und Socken.
Ich liebe auch die Atmosphäre auf Flohmärkten; das Klönen, Schwätzen, Feilschen muss man natürlich mögen und beherrschen... ;) Und mir geht es wie Voll pöse, viele alte Gegenstände sind einfach schöner und handwerklich/qualitativ hochwertiger, haben "Flair" und tragen eine Menge Potential in sich (je nach Kreativität des Betrachters.) Außerdem finde ich es super, dass all den Dingen, die andere Leute nicht mehr brauchen, sozusagen eine "neue Chance" gegeben wird, dass sie also nicht gleich im Müll landen - für mich ein wertvoller Beitrag und ein bewusstes (oder unbewusstes^^) Statement gegen die Konsum- und Wegwerfgesellschaft.
Was ich nicht gerne sehe: die professionellen Händler mit ihrem sonnengebleichten Billigmist. Glücklicherweise sind die auf vielen meiner Lieblingsflohmärkte nicht oder nur sehr begrenzt zugelassen.
Kaffeebohne:
So richtig schöne Flohmärkte mag ich! Ich mag gern alte Dinge. Über z. B. eine russische Taschenuhr von Anno Dazumals für wenig Geld würde ich mich riesig freuen. Ich mag auch die Stimmung, das Stöbern, die Hoffnung auf eine Überraschung... Was ich allerdings überhaupt nicht mag sind Stände mit Rasierklingen, Batterien und Handyoberschalen. Und die haben eine ganze Zeit die Flohmärkte sehr dominiert, was mir den Spaß daran sehr verdorben hat.
Aktuell gehe ich sehr selten auf Flohmärkte, da sie meistens während meiner Arbeitszeit stattfinden.
SilentBob01:
in diesem Zusammenhang seien auch mal Garagenflohmärkte erwähnenswert - die kommen dann doch meist OHNE Handyschnickschanck aus. Bei solchen Flohmärkten - oftmals schliessen sich ja mehrere Anwohner zusammen - kann man dann wirklich auch mal schöne Sachen finden...
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