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Peak Oil und die Folgen

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Ujigami:
Hallo,

ich finde diese ganze Peak Oil Debatte wirklich interessant. Insbesondere stellt sich mir die Frage, wieviel von unserem Wohlstand erhalten bliebe, wenn das Öl wirklich morgen alle wäre und warum die Politik sich so wenig darum zu kümmern scheint.

Mal ganz konkret. Stellt Euch vor, in 30 Jahren haben wir kein Öl mehr, und schon in 10 bis 15 Jahren wird es als Treibstoff unerschwinglich. Dann fragt man sich doch, warum

- überhaupt noch Milliarden in den Ausbau von Autobahnen gesteckt werden
- überhaupt noch große Flughäfen wie in Berlin gebaut werden
- niemand sich darüber Gedanken zu machen scheint, wie Atomausstieg, das Ende fossiler Brennstoffe und die Massenpleiten in der deutschen Solarindustrie zu vereinbaren sind.

Auch das Verhalten der üblicherweise scharf kalkulierenden Unternehmen stellt mich dann vor ein Rätsel. Ich verstehe dann nämlich nicht, warum überhaupt noch nur langfristig rentable, auf Erdöl angewiesene Investitionen getätigt werden, beispielsweise

- der Bau von Kreuzfahrtschiffen
- der Bau von Verkehrsflugzeugen und die aufwendige Konstruktion neuer Flugzeugtypen wie des A380
- die Entwicklung neuer Autos mit konventionellem Antrieb

Völlig unverständlich ist für mich, warum nicht fast 100% der F&E-Aktivitäten mancher Branchen auf den Ersatz von Erdöl gerichtet sind.

Geht das Öl also vielleicht gar nicht so schnell alle?

In der Regel kann man sich ja bei der Beantwortung solcher Fragen ganz gut an der kollektiven und agrregierten Markterwartung orientieren, wie es bei Fuballspielen beispielsweise an den Wettquoten zu beobachten ist. Tauchen wir also mal ab in die Analyse dieser Erwartungen.

Zu diesem Zweck würde ich gerne ein kleines Modell bemühen, um die Frage zu beantworten, ob der Markt wirklich eine mittelfristig anstehende deutliche Verknappung und Verteuerung von Erdöl erwartet.

Sei

r : der sichere Zinssatz (beispielsweise der Zinssatz auf Anleihen der Bundesrepublik Deutschland)
T : der Zeitraum bis zu einer deutlichen und drastischen Verteuerung von Erdöl in Jahren
g : Die Verteuerung von Erdöl nach T Jahren in Prozent
l : die Lagerhaltungskosten von Erdöl pro Jahr, beispielsweise die Kosten für das Unterhalten von Öltanks
V : Ein Betrag, den man investieren möchte
W : Der Betrag, den ich nach T Jahren habe
e : die Risikoprämie für die Investition in einen breiten Marktindex von Aktien, beispielsweise des DAX

Von Transaktionskosten etc. sei abstrahiert, wir unterstellen einen vollkommenen Kapitalmarkt.

Also!

Wenn ich V in Anleihen investiere, habe ich nach T Jahren:

W(Anleihe)=V(1+r)^T

Wenn ich V in Aktien investiere, habe ich nach T Jahren:

W(Aktien)=V(1+r+e)^T

Wenn ich V dafür verwende, Erdöl zu kaufen und zu lagern, erhalte ich nach T Jahren:

W(Erdöl)=V(1+r-l)^t*g

Es lohnt, in das Kaufen und Lagern von Erdöl zu investieren, wenn gilt:

W(Erdöl)>W(Aktien), also

V(1+r-l)^T*g > V(1+r+e)^T

Das lässt sich umformen zu:

g > (1+r+e)^T/(1+r-l)^T

Setzen wir mal ein paar Werte ein!

Versuchen wir es mal mit r=1%, e=7%, l=3% (das 3$ pro Barrel und Jahr) und T=10.

Dann muss g ungefähr > 2.642 sein, sich der Ölpreis also nur etwas mehr als verdoppeln in den nächsten 10 Jahren, und zwar inklusive Inflationseffekten, damit es vorteilhaft ist, sich Öltanks vor's Haus zu stellen und statt in Aktien in Öl-Lagerung zu investieren. Etwas von der Shoutbox der letzten Tage geprägt, entfährt mir da doch ein "Wuza!". Offensichtlich wird ja Öl nicht massenhaft gekauft und physisch gelagert. Da würde ich doch mal vermuten, daß der Markt annimmt, dass der Ölpreis sich in den nächsten 10 Jahren nicht verdoppeln wird.

Kaufe ich mir jetzt doch diesen alten Riesenschlitten, der 15 Liter säuft?

CubistVowel:

--- Zitat von: Ujigami am 16 Juni 2012, 10:52:41 ---und warum die Politik sich so wenig darum zu kümmern scheint.

--- Ende Zitat ---

Ist ja nicht so, als ob sich "die Politik" gar nicht drum kümmern würde. Meines Erachtens sorgt sie sogar sehr gut vor, dass es in Zukunft möglichst wenig Aufstände und Demonstrationen geben wird:

- Demokratieabbau, euphemistisch "mehr Europa" genannt
- Abbau der Grundrechte (z. B. Versammlungsrecht)
- Zensur durch die Hintertür (z. B. Leistungsschutzrecht)
- immer bessere Überwachungstechnik, z. B. INDECT
- Gleichschaltung der Medien, die zum Beispiel dafür sorgen sollen, dass sich die breite Mittelschicht mit den reichen 1 % solidarisch fühlt und nicht etwa mit dem "Rest" (Hetze gegen Hartz-4-Empfänger oder Griechen)

Und das ist nur das, was mir spontan einfällt. In den USA kann das Militär seit einigen Monaten jeden Menschen aufgrund an den Haaren herbeigezogener Vorwürfe ("Terrorgefahr") einfach so verschwinden lassen. Legal. Ich bin kein Fan von Verschwörungstheorien, aber vor dem von Colourize beschriebenen Hintergrund einer drohenden Energiekrise, evtl. bevorstehender Verteilungskämpfe und zunehmender Spaltung der Gesellschaft sieht das alles irgendwie, hm, zweckdienlich aus. ;)

colourize:
Ujigami, Danke Dir für Dein Posting. Genau das sind die Gedanken die mich umgetrieben haben, aber Du hast es besser und vor allem konkreter auf den Punkt gebracht.

Ujigami:


--- Zitat von: CubistVowel am 16 Juni 2012, 11:31:07 ---
--- Zitat von: Ujigami am 16 Juni 2012, 10:52:41 ---und warum die Politik sich so wenig darum zu kümmern scheint.

--- Ende Zitat ---

Ist ja nicht so, als ob sich "die Politik" gar nicht drum kümmern würde. Meines Erachtens sorgt sie sogar sehr gut vor, dass es in Zukunft möglichst wenig Aufstände und Demonstrationen geben wird:

[wirklich schlimme Dinge]

Und das ist nur das, was mir spontan einfällt. In den USA kann das Militär seit einigen Monaten jeden Menschen aufgrund an den Haaren herbeigezogener Vorwürfe ("Terrorgefahr") einfach so verschwinden lassen. Legal. Ich bin kein Fan von Verschwörungstheorien, aber vor dem von Colourize beschriebenen Hintergrund einer drohenden Energiekrise, evtl. bevorstehender Verteilungskämpfe und zunehmender Spaltung der Gesellschaft sieht das alles irgendwie, hm, zweckdienlich aus. ;)

--- Ende Zitat ---

Aber welchem Zweck dient es?

Wenn kein Öl mehr da ist, die Panzer zu betanken und die Bomber zu befüllen, was macht man denn dann als frischgebackener Diktator?

Lass ich mir von den Massen huldigen? Die sind ggf. gar nicht mehr da, weil es keinen Dünger mehr gibt und man keine Traktoren verwenden kann. Da bekommt man halt weniger Leute satt.

Häufe ich Reichtümer an? ... was denn für welche? Einen Rolls Royce, den ich nicht fahren kann? Einen Privatjet, den ich nicht fliegen kann?

So viel würde einem ja nicht bleiben als Diktator, vielleicht kann man die verbliebenen Klein-Massen mit Mistgabeln ausrüsten (so Simpsons-Style) und mal das Nachbarland überfallen? Da könnte man dann marschieren über die leeren Autobahnen. Aber wenigstens schießt niemand mehr auf einen, denn Munition würde man kaum noch industriell herstellen können.

Was ich damit sagen will: Selbst wenn sich eine unheilvolle Allianz aus skrupellosen Konzernen und Antidemokraten auf den Weg an die Macht begibt - vielleicht wäre es auch für sie eine kluge Idee, mal über die Endlichkeit mancher Ressourcen nachzudenken.

Kallisti:
Raoul

... durchaus interessante Gedanken/Fragen - mal von der mathematischen Herleitung/Funktion/Gleichung ( ähhh ??  ;) ) abgesehen (der ich natürlich weder zu folgen bereit noch in der Lage war/bin  ;D ).


Tja, warum kümmert sich "die Politik" nicht darum? - Mein spontaner Gedanke ist, dass es sich so verhält wie fast immer bisher - egal ob es Asbest/Eternit war oder (Regen-)Waldrodung oder Atomenergie  oder aktuell Gentechnik (vor allem gentechnisches "Saatgut" ...) und Nanotechnologie:

man setzt ein, was und wie lange es geht, einfach:

1. weil es grade (schon/immerhin/noch) geht

2. weil es gebraucht und/oder gewollt und verlangt wird

3. weil man keine Alternative zu haben/kennen meint

4. weil es bequem (relativ leicht verfügbar, erreichbar, abbaubar und/oder auch günstig) ist

5. weil man damit gut Geld machen kann (nuja, einige Wenige halt, aber beteiligt sind dann ja doch immer eine Menge Leute mehr ...)


Man geht also davon aus, es wird schon nicht so schlimm kommen - wie man so ja mit globalen Problemen - Hunger, Klimawandel, (Plastik-)Müll, Finanzwirtschaft und ihre katastrophalen perversen Auswüchse und Folgen, Flüchtlingsströmen, Natur"katastrophen" und deren Folgen ... immer "umzugehen" pflegt.


Man geht offensichtlich auch davon aus, irgendwer wird sich beizeiten dann schon darum kümmern oder inzwischen passende Lösung(en) gefunden haben.

Also: man verschließt die Augen und lässt die Katastrophe - wie immer - einfach auf sich zukommen. Und erst DANN wird man nach wirklichen (wenn noch möglichen) "Lösungen" bzw. Scheinlösungen zu suchen anfangen: wenn es schon deutlich wehtut!
Genau: wie kleine Kinder.

Anderes "aktuelles" lol Beispiel hierfür ist auch die Problematik mit resistenten Keimen in sehr vielen europäischen Kliniken - wie man also auch so nachlässig noch immer mit Antibiotika umgeht - vor allem in Frankreich und Spanien, so weit ich weiß und ganz anders aber in den Niederlanden (wenn ich mich recht erinnere) - wo man tatsächlich Konsequenzen gezogen hat, die deutlich positive Wirkung zeigen!

Aber bei "uns" glaubt man immer noch an das Märchen der "chronischen Borreliose" (trotz negativer Antikörper!!) und gibt den Leuten MONATELANG: ANTIBIOTIKA - wovon sie noch kranker werden als sie zuvor ohnehin waren oder sich fühlten (aber aus anderen Gründen als "Borreliose").


So ist das Tier im Mensch. Es mag gerne faule Kompromisse, schnelle angenehme "Gefühle"/Situationen und das zu möglichst maximaler Bequemlichkeit und minimaler Anstrengung und vor allem: sofort - ohne "Aufschub".


Von Weitsicht, Umsicht, Vernunft bzw.: Besonnenheit - nicht die Spur.


Düster.

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