Schwarzes Hamburg

Schwarzes Hamburg => Archiv => Politik & Gesellschaft -Archiv- => Thema gestartet von: Designer am 06 Juli 2011, 23:48:37

Titel: Demokratie
Beitrag von: Designer am 06 Juli 2011, 23:48:37
Ich frage mich wo die Demokratie an ihre Grenzen stößt.
Kann z.B. Demokratie ein schleichender Weg in eine Diktatur sein, wenn diese um sich zu schützen Freiheiten abschafft oder stark einschränkt? Oder kann sie gar nicht anders im Angesicht ihrer Gegner?
Gibt es das, den totalitären Demokraten?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Simia am 07 Juli 2011, 00:08:15
Es treibt Dich um, nicht wahr? ;)  Nach dem Aufstehen wohl mehr von mir, ich muss noch einen Job beenden.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Eisbär am 07 Juli 2011, 00:31:36
Demokratie ist immer nur so stark und so sicher, wie der Wunsch der Bevölkerung nach selbiger.

Eine gefestigte Demokratie ist sicher vor Bedrohungen von innen und außen, weil das Volk eben diese bekämpft.



Wir haben das Glück, in einer Zeit und Region der Welt zu leben, in der unsere Demokratie noch nicht ernstlich auf die Probe gestellt wurde. Der Kalte Krieg blieb kalt, die RAF war nie mehr als ein kleines Häufchen von (zugegeben gefährlichen) Spinnern. Wir mußten unsere demokratischen Freiheiten nie wirklich verteidigen. Nur ein Teil der Bevölkerung weiß noch, wie man sich diese erkämpft (1989) und auch diese hatten das Glück, daß die Situation damals nicht eskalierte.

Heute versuchen viele Politiker eine Bedrohung zu eliminieren, bevor es dazu kommt, daß das Volk unter dieser Bedrohung leidet und dagegen aufstehen muß. Die Frage ist, wie real ist die Bedrohung und sind die Maßnahmen im einzelenen und in ihrem Umfang gerechtfertigt.
Wenn wir anderer Meinung sind, haben wir als das Volk die Möglichkeit, jemand anderen zu wählen. Wir können uns auch selbst aufstellen lassen.

Und solange die Regierung im Amt bestätigt wird, scheint das Volk einverstanden zu sein...
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Designer am 07 Juli 2011, 00:43:59
Hört sich alles vernünftig an!
Ich bin mit unser Demokratie als Staatsform und auch mit dem Großteil der Gesetzgebung relativ zufrieden. Es ist wie du gesagt hast: Wir haben die Wahl.
Aber Demokratie ist für mich auch ein gesellschaftlicher Faktor, der sich der staatlichen Fürsorge und auch der Wahl entzieht. Dazu gehören z.B. gesellschaftlich verankerte Dogmen und Tabus, welche eben die Freiheit der Wahl auf anderen Gebieten (ausserhalb der Politik) einschränken. Es gibt sozusagen ungeschriebene Gesetze, die nicht liberalisiert werden können, weil sie sich der staatlichen Gesetzgebung entziehen.
Oder werde ich jetzt paranoid?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 07 Juli 2011, 02:39:27
Zitat
Dazu gehören z.B. gesellschaftlich verankerte Dogmen und Tabus, welche eben die Freiheit der Wahl auf anderen Gebieten (ausserhalb der Politik) einschränken. Es gibt sozusagen ungeschriebene Gesetze, die nicht liberalisiert werden können, weil sie sich der staatlichen Gesetzgebung entziehen.
(Designer)

Das ist aber nicht kennzeichnend für Demokratie - das gibt es auch außerhalb von Demokratie.

Wieder meine Frage: Was meinst du genau - welche "ungeschriebenen Gesezte, die nicht liberalisiert werden können (...)" ?

Es kann niemals  absolute "Freiheit" geben - wobei ich mich auch frage, was du unter "Freiheit" eigentlich verstehst?!? ?? - Ich bin mir ganz sicher, dass es zu diesem Thema auch schon mindestens einen (älteren) thread gibt!   :)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Designer am 07 Juli 2011, 02:47:36
Grenzenlose Freiheit kann es natürlich nie geben, da Freiheit durch ihre Grenzen definiert wird.
Das bedingt sich gegenseitig. Viele meinen mit absoluter Freiheit eigentlich konsequenzloses Handeln, was ja schon dem Aktion-Reaktion-Prinzip widersprechen würde. Ist mir schon klar, dass das nicht möglich ist.
Das will ich auch gar nicht. Ich wollte mehr darauf hinweisen, dass Demokratie (als Idee der Freiheit) niemals absolut sein kann, sondern nur als politisches Programm funktioniert. Aber damit bin ich schon völlig zufrieden.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Svendra am 07 Juli 2011, 10:46:31
Magst du das mit den Dogmen und ungeschriebenen Gesetzen mal näher ausführen und ein paar Beispiele geben?

Für mich liest es sich so, als ob du meinst, die Demokratie würde der Gesellschaft Regeln "aufzwingen", derer sie sich mit einer anderen Staatsform (oder eher: Gesellschaftsform) entledigen könnte?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Designer am 07 Juli 2011, 11:42:45
Für mich liest es sich so, als ob du meinst, die Demokratie würde der Gesellschaft Regeln "aufzwingen", derer sie sich mit einer anderen Staatsform (oder eher: Gesellschaftsform) entledigen könnte?
Ich glaub nicht dass das ginge. Ich kann mir im Moment keine bessere Staatsform vorstellen.
Was die "aufgezwungenen" Regeln angeht, meine ich, dass die Demokratie gar nicht anders kann als Regeln für das gemeinsame Zusammenleben zu geben. Das muss sie sogar, wenn sie funktionieren will.
Z.B. ist in der Verfassung das Recht auf freien Meinungsäusserung garantiert, dieses Recht gilt aber nur eingeschränkt, unter der Vorraussetzung dass die Menschenwürde gewahrt wird. Das wäre so ein Beispiel.
Ob diese Einschränkung nun richtig oder falsch ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber es ist eine Regel mit der ich leben kann.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Simia am 07 Juli 2011, 12:30:21
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie unterschiedlich Demokratie in Theorie als auch in Praxis sein kann. In den USA ist die Schmerzgrenze von der Meinungsfreiheit zur Missachtung der Menschenwürde eine ganz andere als in Deutschland. Es gibt nicht die Demokratie™. Deine Frage zielte sicher auf alle Formen der Demokratie ab, aber ich halte die Unterschiede schon für wichtig, weil sie zeigen, dass Demokratie je nachdem an unterschiedliche Grenzen stößt und auch völlig unterschiedlich aufgefasst werden kann (direkte Demokratie, parlamentarische Demokratie, attische Demokratie, historische/kulturelle Besonderheiten etc.).

Der totalitäre Demokrat ... Hm. Könnte das etwa die US-Streitkräfte meinen, die ihren Begriff der Demokratie in die entferntesten Winkel der Erde und irgendwann auch des Weltraums tragen? ;)

Ich denke gerade über den Begriff Demokratur nach, den vor Jahren mal eine Bekannte aufwarf. Immerhin ist es tatsächlich so, dass die legitimierten Volksvertreter ihren Auftrag unterschiedlich interpretieren, was die Gewährleistung und den Schutz der Freiheiten für den Bürger angeht, die ja auch miteinander nicht immer in Einklang stehen (Wie Du es in Deiner Signatur zitierst: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden). Damit wollen dann sogar einige im Schmitt'schen (http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt) Sinne Lauschangriffe etc. rechtfertigen.

Zitat von: Designer
Ich glaub nicht dass das ginge. Ich kann mir im Moment keine bessere Staatsform vorstellen.

Ja, die Demokratie ist nicht die "ideale Regierungsform", aber die beste bzw. "gangbarste" die es gibt. Und das liegt im Menschen, weil sie diejenigen "vereint", die Anleitung brauchen und jene, die proaktiv mitgestalten wollen (dass das "in echt" nicht perfekt läuft, ist wohl allen klar).

Davon abgesehen halte ich oller Klugscheißer Demokratie nicht in erster Linie für eine Idee der Freiheit. Demokratie soll natürlich per definitionem die Freiheit gewähren, aber dazu s.o. In ihrer Geschichte standen sich die Idee des Liberalismus als Hinwendung zum Einzelnen (und etablierter Bruder des Bastards "Anarchismus") und der Demokratie ("Die Mehrheit hat recht", let's face it) oft gegenüber und wurden erst in der jüngeren Vergangenheit zusammengelegt und liberale Ansätze sind je nach Koalitionspartei etc. ein größerer oder kleinerer Faktor in der demokratischen Praxis (dies wurde möglich, weil Liberalismus keine konkurrierende Regierungsform ist, sondern eine philosophische Ausrichtung, aber in beider Grundlagen gab/gibt es durchaus konkurrierende Ansätze).

Aber das wird jetzt zu theoretisch. Ich genehmige mir jetzt mal noch ein Käffchen, damit meine Lebensgeister wieder mehr Blut in meine Schreibe bringen. ;)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Designer am 07 Juli 2011, 12:56:14
Mir reicht´s! Ich glaube ab sofort an gar nichts mehr!
Ich trete dem Staat der NSK bei.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: l3xi am 08 Juli 2011, 09:18:33
Mir reicht´s! Ich glaube ab sofort an gar nichts mehr!
Ich trete dem Staat der NSK bei.
Trotzreaktionen sind in den meisten Fällen eher kontraproduktiv. ;)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Designer am 08 Juli 2011, 09:35:20
Ach was, es gibt ja gar nichts gegen das man noch trotzen könnte. Jedenfalls kaum was.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: nightnurse am 10 Juli 2011, 19:30:16
Mir reicht´s! Ich glaube ab sofort an gar nichts mehr!
Ich trete dem Staat der NSK bei.

Hast Du Dir auch wirklich durchgelesen, was NSK darüber sagt, was NSK ist? ;D
Aber zum Glück wird man da zu nix verpflichtet.

Ach was, es gibt ja gar nichts gegen das man noch trotzen könnte. Jedenfalls kaum was.

Ist das womöglich Dein Problem? Wenn ja, warum?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 11 Juli 2011, 12:22:45
Zitat
Quote from: Designer on 08 Juli 2011, 08:35:20

    Ach was, es gibt ja gar nichts gegen das man noch trotzen könnte. Jedenfalls kaum was.


Ist das womöglich Dein Problem? Wenn ja, warum?


nightnurse

... diesbezüglich ging mein Verdacht, meine Vermutung ja in Richtung Alter/Entwicklungs-/Lebensphase (seine). - Also: "Jungmännchentum", das sich mit der Zeit auswachsen wird. ;)


Sorry, Designer, wenn das ein bisschen dumpf herablassend klingt, aber ich denke wirklich, dass "der Rebell", der "Revoluzzer" in dir zwar nicht völlig verschwinden, sich aber doch noch merklich abkühlen wird.  ;)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: nightnurse am 11 Juli 2011, 13:09:21
Wie Kallisti und ich aber aus der Sesamstraße wissen: Wer nicht fragt, bleibt dumm, und Fragen stellt der Designer ja viele, das ist doch ok.
Manche davon verlieren mit dem Älterwerden womöglich an Dringlichkeit oder werden gar beantwortet oder man hält andere Antworten für richtig oder glaubt keiner mehr...äh, wo war ich...

Ob das Fragenstellen sich aber mit dem Alter auswächst, ouh, guck dir bloooß mal Kallisti an  8)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 11 Juli 2011, 22:44:30
 :D 


Jedenfalls gibt es jetzt jemanden, der in noch kürzeren Abständen als ich ziemlich viele neue threads gestartet hat.   :P
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: K-Ninchen am 12 Juli 2011, 01:49:56
Ja die gute Demokratie (http://www.youtube.com/watch?v=RQKlel-CUIs)...
Ist ja Fluch und Segen zugleich. Fluch, wenn reflexhaft, von den Medien getriggert und unüberlegt gewählt wird.
Segen, weil man ab und zu mal das Gefühl haben kann, bei irgendwas irgendwie mit 0.000000003752% mitreden zu dürfen. oder auch mal 0,007%.
Was ist eigentlich besser, eine Diktatur, die die Menschenrechte befolgt und auf das Wohl seiner Bürger ausgerichtet ist oder eine Demokratie, in der zufällig die "Arschlöcher" mal in der Mehrheit waren und andere "Arschlöcher" in die Regierung gewählt haben?
Aber ich fang da jetzt gar nicht mit an, ist alles schon ziemlich komplex, relativ und sowieso.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Simia am 12 Juli 2011, 10:47:13
... diesbezüglich ging mein Verdacht, meine Vermutung ja in Richtung Alter/Entwicklungs-/Lebensphase (seine). - Also: "Jungmännchentum", das sich mit der Zeit auswachsen wird. ;)

Ja, da ist was dran. Aber (ich steig jetzt mal ernst drauf ein) was ist mit den Revoluzzerinnen, den erwachsenen Gören und verkappten Roten Zoras weit jenseits der 30? Die von überkochenden Hormonen begleitete Suche nach einem Platz in der Welt inkl. Kleinkrieg mit ihr ist keine Frage des Geschlechts (auch wenn, wie Du ja im Gewalt-Thread richtig sagst, offensive Aggressionen typischerweise eher von "Jungmännchen" ausgehen). Fasst man dann "trotzen" noch weiter, im Sinne von "nicht zufrieden sein", ist das erst recht keine Geschlechtsfrage und geht zu Recht auch ältere Jahrgänge was an.
 
Zitat von: Kallisti
Jedenfalls gibt es jetzt jemanden, der in noch kürzeren Abständen als ich ziemlich viele neue threads gestartet hat.   

;D


Zitat von: K-Ninchen
Aber ich fang da jetzt gar nicht mit an, ist alles schon ziemlich komplex, relativ und sowieso.

Hey, doch, wieso nicht? Wenn nicht hier, wo dann?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: K-Ninchen am 12 Juli 2011, 11:53:30
Hey, doch, wieso nicht? Wenn nicht hier, wo dann?
Aber dann kommen immer sofort welche die mich dann VOLL anmachen, weil ich es nicht 100%ig auf den Punkt formuliert hatte oder einen kleinen Denkfehler eingebaut habe... das macht dann auch voll keinen Spaß mehr... glaub ich zumindest. Ich sag mal so: Ich habe es nicht intensiv und oft genug studiert (eigentlich: gar nicht), um im späteren Verlauf mithalten zu können. Und wenn es dann erst mal Vorwürfe usw. hagelt, fehlen mir die Argumente ;)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 12 Juli 2011, 12:12:52
Schön, dass das mal jemand so offen und direkt ausgesprochen hat. :)

Ich glaube, es geht den meisten genau so. Bloß, dass sich nicht jeder traut, dass mal so deutlich und "öffentlich" zuzugeben.  ;)

Es gibt natürlich auch die völlig Abgeklärten, von sich Überzeugten, Herablassenden, an denen jegliche Kritik (und/oder Anmache) abprallt, abperlt - vlt. tun die aber auch nur so als ob (is meine stille Hoffnung) - wenn nicht, dann gute Nacht - denn: mit solchen Leuten will ich sowieso besser keinen (näheren, umfangreicheren) Kontakt. 
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: PlumBum am 12 Juli 2011, 12:25:28
Es gibt natürlich auch die völlig Abgeklärten, von sich Überzeugten, Herablassenden, an denen jegliche Kritik (und/oder Anmache) abprallt, abperlt - vlt. tun die aber auch nur so als ob (is meine stille Hoffnung) - wenn nicht, dann gute Nacht - denn: mit solchen Leuten will ich sowieso besser keinen (näheren, umfangreicheren) Kontakt.
Und wie sieht das genau aus? Kündigst du dir selbst die Freundschaft?
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 12 Juli 2011, 12:28:50
Ach Gottchen Plum Bum - das war ja wieder klar, dass irgendein super witziger, ultra humorgesegneter Geistreicher eine solche Bemerkung machen muss. - Da hätte man sonst was drauf wetten können.   ;D
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: K-Ninchen am 12 Juli 2011, 12:55:47
Aber es ist ja auch so:

Die Präzision und Genauigkeit, die dann bei diesem Thema an den Tag gelegt wird, geht ja auch an der Realität völlig vorbei!
Klar, es gibt jede Menge Regeln und Vorschriften, wer wen wann wie wählt, ganz tolle und komplexe Systeme, wie die Stimmen nun ausgewertet werden, Überhangmandate, panaschieren (nennt es doch einfach "stimmen mischen", dann versteht es wenigstens auch der Wähler), Mehrheitswahlrecht, etc.
Soweit, so schön in der Theorie. Und es ist ja auch gut, dass es dieses Systeme gibt, mal agesehen davon, dass die meisten Bürger da entweder nicht durchsteigen oder es ihnen schlichtweg egal ist, weil sie denen ihre Stimme geben, die ihnen sympathisch sind oder was ganz tolles versprochen haben, was sie unbedingt umgesetzt sehen wollen.
Und wenn man dann ankommt und rumstänkert "Du hast ja von Demokratie keine Ahnung, du Noob!", weil man irgend einen Paragraphen-Absatz im Wahlrecht nicht kennt oder mal doch nicht weiß, wer wann wie wo was oder wen wo hinein oder raus wählt, müsste man vielleicht auch die restlichen 90% (ich glaube, es sind noch mehr) der Bevölkerung anstänkern, denn auch wenn es der stänkernde als "oberste Bürgerpflicht" sieht, dass man sich ein oder zwei dicke Gesetzbücher durchliest, nur um am Ende festzustellen, dass die eigene Stimme genau so wichtig oder unwichtig ist, wie man vorher auch angenommen hat, ändert es nicht viel am meist ernüchterndem Endergebnis.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Shadow Preacher am 12 Juli 2011, 13:46:15
Aber es ist ja auch so:

Die Präzision und Genauigkeit, die dann bei diesem Thema an den Tag gelegt wird, geht ja auch an der Realität völlig vorbei!
Klar, es gibt jede Menge Regeln und Vorschriften, wer wen wann wie wählt, ganz tolle und komplexe Systeme, wie die Stimmen nun ausgewertet werden, Überhangmandate, panaschieren (nennt es doch einfach "stimmen mischen", dann versteht es wenigstens auch der Wähler), Mehrheitswahlrecht, etc.
Soweit, so schön in der Theorie. Und es ist ja auch gut, dass es dieses Systeme gibt, mal agesehen davon, dass die meisten Bürger da entweder nicht durchsteigen oder es ihnen schlichtweg egal ist, weil sie denen ihre Stimme geben, die ihnen sympathisch sind oder was ganz tolles versprochen haben, was sie unbedingt umgesetzt sehen wollen.


Da hast du "leider" recht. Die Wahlen werden aufgrund von Sympathie entschieden... der Wähler setzt sich nicht mehr mit dem Programm/ Wahlversprechen der jeweiligen Kandidaten auseinander. Und es werden auch keine parteien mehr gewählt, sondern deren Kandiaten (auch wenn es offiziell keine Personenwahl ist).

Aber all dies ist der Vorteil dieser Demokratie, in der wir aufgewachsen sind und leben können. Unser Grundgesetz ist 1948 entstanden und beruht auf den Erfahrungen, die in der Weimarer Republik und die Demontierung der darmaligen demokratischen Verfassungs- und Staatsorgane durch die NSDAP und deren Schergen gemacht wurden.

Im heutigen Deutschland gibt es eine Gewaltenteilung des Staates. Deine Aufgabe als Wähler ist es, durch die Wahl einer Partei/eines Kandidaten an der Demokratie teilzunehmen. Aber wer kennt schon seinen Vertreter in Bezirksversammlung/Bürgerschaft/Bundestag? Wer setzt sich mit dem Programm fachlich auseinander?  Ich meine eher, das da die Möglichkeit aktiv an der Demokratie teilzunehmen, verpaßt wird. Stattdessen haben Randgruppen regen Zulauf und profitieren von dem Nichtstun anderer.

Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: K-Ninchen am 12 Juli 2011, 17:42:32
Das Problem dabei ist ja:

Selbst wenn man sich mit dem Parteiprogramm auseinandersetzt, und z.B. auch den Wahlomaten zur Hilfe nimmt und versucht, sich so gut wie möglich zu informieren, wird am Ende dann doch wieder enttäuscht, weil nur sehr wenige der Wahlversprechen überhaupt eingehalten werden.
Wenn das der Fall wäre, würde es tatsächlich viel mehr Sinn ergeben, aber die Erfahrung zeigt eben, dass man nur eine ganz ganz grobe Richtung vorgeben kann. Da kann man sich dann zumindest überlegen, welcher Character einer Partei einem am ehesten zusagt. Das klingt natürlich jetzt nicht sehr informiert, aber etwas anderes bleibt einem nicht mehr übrig, da das was die Parteien nach der Wahl tatsächlich umsetzen oder beschließen oft ziemlich von den Wahlversprechen & Wahlprogramm abweicht. Wenn man das dann oft genug beobachtet und erlebt hat, bleibt am Ende das Gefühl, dass es - bis auf extremistische Parteien - kaum einen Unterschied macht, wen man wählt. Und hier steckt dann auch die Gefahr: Bei einer extremistischen Partei hätte man wenigstens noch das Gefühl, dass hinterher tatsächlich irgend etwas anders laufen könnte.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: nightnurse am 12 Juli 2011, 19:42:26

Da hast du "leider" recht. Die Wahlen werden aufgrund von Sympathie entschieden... der Wähler setzt sich nicht mehr mit dem Programm/ Wahlversprechen der jeweiligen Kandidaten auseinander. Und es werden auch keine parteien mehr gewählt, sondern deren Kandiaten (auch wenn es offiziell keine Personenwahl ist).
...

Deine Aufgabe als Wähler ist es, durch die Wahl einer Partei/eines Kandidaten an der Demokratie teilzunehmen. Aber wer kennt schon seinen Vertreter in Bezirksversammlung/Bürgerschaft/Bundestag? Wer setzt sich mit dem Programm fachlich auseinander?  Ich meine eher, das da die Möglichkeit aktiv an der Demokratie teilzunehmen, verpaßt wird. Stattdessen haben Randgruppen regen Zulauf und profitieren von dem Nichtstun anderer.


Ja, wer setzt sich mit dem Programm "fachlich" auseinander??
Da wüsste ich gerne, wie soll das gehen, wenn so ein Parteiprogramm x Fachgebiete umfasst, in denen kaum ein Wähler auch nur über angemessenes Halbwissen verfügt?
Ich für meinen Teil muss da viel über´n Daumen peilen ("hmm...klingt plausibel/ wünschenswert...soweit ich das überhaupt beurteilen kann"), wenn ich ganz ehrlich wäre, dürfte ich gar nicht zur Wahl gehen, weil ich selbst jedes Mal das Gefühl habe, nicht 100%ig informiert zu sein.

Und um auf die Kandidaten zurückzukommen...bei der letzten Bürgerschaftswahl, wieviele Kandidaten waren das nochmal? Wer hat allen Ernstes die Zeit und die Möglichkeit, sich umfassend über jeden Einzelnen zu informieren? (Beispiel, meine Nachbarin bekam die Musterunterlagen am Montag vor der Wahl und hat kein Internet - wie soll die zu ner informierten Entscheidung über 100+ Kandidaten kommen?)
Da lese ich lieber Parteiprogramme quer und wähle nach Partei.
Zumal auf die Einzelkandidaten das gleiche zutrifft, was K-Ninchen an den Parteien bemängelt: Vorher könnse viel erzählen...
(Aber im Laufe meines Lebens habe ich durchaus schon Wahlversprechen Wirklichkeit werden sehen, ganz desillusioniert bin ich da nicht  :) )

Es wird die Demokratie für viele Menschen auch nicht gerade einfach gemacht, wollte ich damit sagen.
Den kompetenten, interessierten und informierten mündigen Bürger, den gibt es bestimmt.
Aber ich kann schon verstehen, dass viele sich irgendwie...abgehängt oder überfordert fühlen.
(Und ja, es ist bedauerlich, wenn Menschen sich von unserer Demokratie überfordert fühlen, aber das Wahlvolk entspricht nun mal nicht zur Gänze den Idealvorstellungen)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Shadow Preacher am 13 Juli 2011, 08:45:05
Das Problem dabei ist ja:

Selbst wenn man sich mit dem Parteiprogramm auseinandersetzt, und z.B. auch den Wahlomaten zur Hilfe nimmt und versucht, sich so gut wie möglich zu informieren, wird am Ende dann doch wieder enttäuscht, weil nur sehr wenige der Wahlversprechen überhaupt eingehalten werden.
Wenn das der Fall wäre, würde es tatsächlich viel mehr Sinn ergeben, aber die Erfahrung zeigt eben, dass man nur eine ganz ganz grobe Richtung vorgeben kann. Da kann man sich dann zumindest überlegen, welcher Character einer Partei einem am ehesten zusagt. Das klingt natürlich jetzt nicht sehr informiert, aber etwas anderes bleibt einem nicht mehr übrig, da das was die Parteien nach der Wahl tatsächlich umsetzen oder beschließen oft ziemlich von den Wahlversprechen & Wahlprogramm abweicht.

Wenn in dem Wahlprogramm die Punkte drinstehen und behandelt werden, die Dich am meisten interessieren, sollte der Kandidat doch Deine Wahlstimme treffen und vielleicht bekommen. Ob es natürlich zu der Umsetzung des Wahlversprechen kommt, hängt natürlich von vielen Faktoren ab.

Die Entwicklung in der deutschen Atompolitik wäre da ein gutes Beispiel, wie sich eine Lobby und dazu eine Gegenlobby aufstellt. Nach meiner persönlichen Meinung ist es jedoch so, das die Lobby, die am meisten Geld spendet, auch den meisten Einfluß auf die Politik hat.

Der Wähler macht jedoch am Ende der Legislaturperiode seine Rechnung auf und schaut: Hat sich etwas geändert? Wurden die Versprechen eingehalten?
So ist die Theorie, die Praxis leider die Wahlverdrossenheit, so das keiner mehr wählen geht.

Wenn man das dann oft genug beobachtet und erlebt hat, bleibt am Ende das Gefühl, dass es - bis auf extremistische Parteien - kaum einen Unterschied macht, wen man wählt. Und hier steckt dann auch die Gefahr: Bei einer extremistischen Partei hätte man wenigstens noch das Gefühl, dass hinterher tatsächlich irgend etwas anders laufen könnte.

Dies ist keine Lösung und ob nun ganz links oder rechts, auch die müssen ihre Wahlversprechen finanzieren und schon daran wird es scheitern.

Und um auf die Kandidaten zurückzukommen...bei der letzten Bürgerschaftswahl, wieviele Kandidaten waren das nochmal? Wer hat allen Ernstes die Zeit und die Möglichkeit, sich umfassend über jeden Einzelnen zu informieren? (Beispiel, meine Nachbarin bekam die Musterunterlagen am Montag vor der Wahl und hat kein Internet - wie soll die zu ner informierten Entscheidung über 100+ Kandidaten kommen?)
Da lese ich lieber Parteiprogramme quer und wähle nach Partei.
Zumal auf die Einzelkandidaten das gleiche zutrifft, was K-Ninchen an den Parteien bemängelt: Vorher könnse viel erzählen...
(Aber im Laufe meines Lebens habe ich durchaus schon Wahlversprechen Wirklichkeit werden sehen, ganz desillusioniert bin ich da nicht  :) )


Ich stimme Dir zu, es waren zuviele und der Aufbau mit den vielen Wahlmöglichkeiten auch zu kompliziert, halt eine kombinierte Listen- und Personenwahl.

Aber ist Demokratie nicht eine ständige Weiterentwicklung von der Gesellschaft, mit der Gesellschaft. Unser Staat muß sich mit vielen techn. Neuerungen und Errungenschaften auseinandersetzen um Regeln auszustellen, die dem Allgemeinwohl dienen und es fördern.
Beispiel Google Streetview: Es würden Möglichkeiten geschaffen, damit sich der Einzelne dagegen wehren und Widerspruch einlegen kann.
Beispiel Facebook: Die Diskussion und Forderungen nach einer Schadensregulierung /Kostenübernahme auf den Veranstalter solcher Party`s, wie in Bramfeld, ist doch recht spannend. Nur hatten wir das gleiche schon für Fußballspiele.

Auch ein Politiker muß sich ständig neuorientieren und wieder neu abwägen. Möglicherweise können dadurch Wahlversprechen nicht eingehalten werden, nur wird dies meist nicht verständlich rübergebracht.

Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Enneleyn am 13 Juli 2011, 10:39:12
mal kurz was einwerf: also ich bin ja noch neu hier, aber ich find das ganz toll dass es hier ein thema über politik gibt! in vielen andren foren od  chats wirste gebannt wende auch nur das wort erwähnst  ::)

... so weiter im thema ^^
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: K-Ninchen am 13 Juli 2011, 10:55:29
Ich muss auch noch mal was off-topic anmerken:
Ich finde es gerade sehr angenehm, Dank an alle bisher Beteiligten, dass wir bis hierhin größtenteils ohne fiese Unterstellungen und "Gepöbel" gekommen sind. Das muss hier auch einfach mal positiv hervorgehoben werden, gerade bei einem Thema mit Bedeutung, das auch für manche emotional behaftet ist.
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: nightnurse am 13 Juli 2011, 12:33:05
Shadow Preacher: Ja, ich denke schon, dass eine demokratische Gesellschaft sich auch weiterentwickeln können sollte.

Aber wie wir gerade an den Beispielen "Atomkraft" oder auch "PID" sehen konnten: Wenn Politiker (aus welchem Grund auch immer) mal neu über eine Sache nachdenken und dann eine andere Meinung entwickeln als die bisher vertretene - dann heisst es, sie seien wankelmütig und unzuverlässig.
Und zwar von Freunden wie Gegnern, Politikern wie Wählern.

Dabei fand ich es ja mal eine positive Überraschung, das sowas überhaupt passiert, egal, ob die Ergebnisse mir dann gefallen oder nicht. Menschen, die umdenken können, die bräuchten wir...auch unter den Wählern.  :)
Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Shadow Preacher am 13 Juli 2011, 13:52:34
Ich muss auch noch mal was off-topic anmerken:
Ich finde es gerade sehr angenehm, Dank an alle bisher Beteiligten, dass wir bis hierhin größtenteils ohne fiese Unterstellungen und "Gepöbel" gekommen sind. Das muss hier auch einfach mal positiv hervorgehoben werden, gerade bei einem Thema mit Bedeutung, das auch für manche emotional behaftet ist.

Eine sachliche und fachliche Auseinandersetzung mit Randgruppen bedeutet über den Tellerrand zu blicken. Leider ist aber nicht immer auf beiden Seiten möglich.


Titel: Re: Demokratie
Beitrag von: Kallisti am 14 Juli 2011, 12:15:56
Zitat
Ja, da ist was dran. Aber (ich steig jetzt mal ernst drauf ein) was ist mit den Revoluzzerinnen, den erwachsenen Gören und verkappten Roten Zoras weit jenseits der 30? Die von überkochenden Hormonen begleitete Suche nach einem Platz in der Welt inkl. Kleinkrieg mit ihr ist keine Frage des Geschlechts (auch wenn, wie Du ja im Gewalt-Thread richtig sagst, offensive Aggressionen typischerweise eher von "Jungmännchen" ausgehen). Fasst man dann "trotzen" noch weiter, im Sinne von "nicht zufrieden sein", ist das erst recht keine Geschlechtsfrage und geht zu Recht auch ältere Jahrgänge was an.
(Simia)


Ja, natürlich kann man sich auch als erwachsener, "gereifter" lol Mensch durchaus noch und mitunter sehr empören ...! Und das sollte man auch - die Frage ist tatsächlich aber, wie man das macht.
Und: warum, was man sich dadurch erhofft bzw. was man damit erreichen will, zu erreichen glaubt usw.

Klar gibt es doch auch jede Menge "groß gewordene" Menschen, die nicht erwachsen (geworden) sind (und das oft auch gar nicht wollen - vielleicht, weil sie "Erwachsensein" missverstehen, fehlinterpretieren oder es ihnen einfach zu anstrengend ist - sich entsprechend zu entwickeln, anzustrengen, zu disziplinieren ...). - Das ist aber ein anderes Thema.  ;)

Bei vielen Jungmännchen ist es meiner Beobachtung nach aber so, dass sie oft einfach nur "rebellieren" wollen - oft auch lautstark und gewalttätig - und das gar nicht mal selten: ohne wirklichen Grund/Begründung bzw. nur aus dem Impuls, Affekt heraus - nicht mal nur, weil es eine diffuse Unzufriedenheit gibt, sondern einfach, weil die Hormone in bestimmtem Alter bei Männchen so überkochen und sich da ein (falsches) Ventil suchen - ich denke da bspw. an sowas wie "Chaostage" - wo es vielen oft nur um "die Gaudi" ging (-> sich mit anderen "zu prügeln", etwas zu zerstören ...).

Kräfte messen und Grenzen austesten (eigene!) und Extreme erleben kann man(n) aber auch auf ganz andere Weise (z.B. beim Sport und in der Natur ...).

Sowas sollte es für Jugendliche auch viel mehr geben: solche Möglichkeiten, an eigene (körperliche) Grenzen gehen zu können, sich "austoben" zu können, den Energieüberschuss loszuwerden, sich bei "Grenzerfahrungen" selbst besser kennenzulernen und dabei auch im Kontakt mit anderen besser zu lernen, als Gemeinschaft zu agieren - zu ERLEBEN, dass es Situationen gibt, in denen man sich auf die anderen verlassen können muss und sie sich auf einen selbst - also alles das, das so mit sogen. schwererziehbaren Kindern manchmal gemacht wird.

Es ist einfach auch blöd, dass grade in er Pubertät Kinder/Jugendliche in den Schulen fast nur sitzen und mit Theorie "belästigt" werden - es müsste da ca. zwei Jahre "Auszeit" von der Schule geben, in der die Jugendlichen überwiegend praktische Erfahrungen machen können und erst danach wieder in die Schule "zum Theorie Lernen" gehen.

Wobei das "aggressive Jungmännchentum" sich ja teils bzw. oft noch bis Mitte/Ende 20 hinzieht. ;)