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Selektiver Glaube oder "Beten in der Not"

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Laetitia:
So, in Bezug zum thread "Tränen am Ground-Zero" mache ich hier mal einen neuen thread auf, der zur Klärung der Frage dienen soll, warum ein Atheist oder Nicht-Christ angesichts eines "schrecklichen Ereignisses" anfängt zu beten. Ich zitiere folgendes aus dem oben genannten thread:

Drachenkind: "ich glaub ich hab gebetet, obwohl ich Atheist bin."

KainsRache: "Und ja - auch ich als Nicht-Christ habe gebetet."

Die Frage richtet sich natürlich an die hier zitierten, doch auch weitere Meinungen zur Klärung dieses Paradoxums würde ich gerne hören.

KainsRache:
Nun, meinerseits ist diese Aussage sehr schnell erklärt: Es soll - neben dem Christen- oder Judentum - noch andere Religionen geben, in denen gebetet wird.
Ich fühle mich nicht zwingend einer genau definierten Religion zugehörig; Wenn überhaupt, dann einigen alten Naturreligionen. In diesen wurde gebetet, sei es weil der Wunsch an die Götter weitergetragen wurde, eine Seele ins Jenseits aufzunehmen (oder wie auch immer das damals in diesen Reilgionen ablief), oder sei es eine Bitte um Beistand und Schutz. Das ist schon ein wesentlich älterer Brauch als das Beten des Christentums, dementsprechend kann ich mich mit dem "selektiven Glauben", den Du ansprachst, auch nicht identifizieren.

Bombe:
Ich bin auch Atheist, aber manchmal kann ich es nicht verhindern, dass ich mir "Oh Herr, lass Hirn vom Himmel fallen, und vergiss nicht wieder Person und Person"… (die genannten Personen sind rein exemplarische). Zählt das auch als Beten? :)

Jinx:
@Laetitia: ich bete nie und habe es zu dem Zeitpunkt auch nicht angefangen. Gute Frage, allerdings.

Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas passiert, wenn Menschen sich einer bisher unvorstellbaren Situation gegenübersehen. So denke ich, dass das Beten nicht angefangen hat, als zunächst über den Aufprall des ersten Flugzeugs berichtet wurde, der ja zunächst als Unglücksfall galt, sondern erst, als klar wurde, dass es sich um einen Anschlag handelte. Da wurden ja nicht nur ein paar Tausend Menschen vernichtet, sondern auch ein Symbol, sozusagen im Zentrum der (westlichen) Macht.
Diese Reaktion geht wohl mit dem Gefühl einher, dass alles, was man für sicher hielt, den Bach runtergeht, eine Erschütterung der Fundamente sozusagen, bei der die bisher gültigen Auffassungen (Atheismus in diesem Fall) mit in Frage gestellt werden.

sober:
ich frage mich an wen man sein gebet richtet wenn man nicht an gott glaubt.

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