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Was gibt Halt, Sicherheit, Stabilität?

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RaoulDuke:

Es ist nicht leicht, zu einem Posting wie diesem etwas zu sagen. Zu groß erscheint die Gefahr, anmaßend zu wirken.

Doch weder will noch kann ich hier schweigen.


--- Zitat von: sapphia am 22 August 2012, 17:44:08 ---jahrzehntelang habe ich gelitten.
bis es nicht mehr beherrschbar war, sich selbst zu verleugnen.
kurz: es kam zu meinem coming-out.

--- Ende Zitat ---

Diesen Schritt zu gehen, vermutlich nicht vollständig ahnungslos in Bezug auf mögliche Konsequenzen, verdient den größten Respekt und ich habe eine große Achtung davor. Sich für seine eigene Identität zu entscheiden, egal welche Folgen dies hat, ist nicht nur eine Entscheidung mit großen Rückgrat, sie ist, und das glaube ich aus Deinem Satz lesen zu können, letztlich alternativlos.


--- Zitat von: sapphia am 22 August 2012, 17:44:08 ---
was umgehend folgte, war ausgrenzung.
von der eigenen familie.
von den nachbarn.
von allen freuden.
von arbeitskollegen.
vom berufsleben.
vollständig.


--- Ende Zitat ---

Dass Familie, Freunde, Nachbarn oder Kollegen Dich ausgrenzen, nachdem Du diese Entscheidung getroffen hast, ist sehr sehr traurig. Aber eines ist an Deiner Aufzählung mit Sicherheit falsch: Das Wort "vollständig". Was Du getan hast, und damit meine ich nicht nur Dein Coming Out, sondern auch, was man so liest an diversen Stellen hier im Forum, wie beispielsweise in Bezug auf den Eingriff auf den Du so lange gewartet hast, übersteigt wahrscheinlich die Möglichkeit zur Toleranz vieler Mitmenschen. Aber nicht aller. Es gibt und es wird Menschen geben, die verstehen, was Du getan hast, und wenn sie das wirklich tun, es auch respektieren.

Vielleicht klingt es platt nach Deinen Erlebnissen: Gehe wieder auf Menschen zu. Vielleicht gerade auf exotische, wie es hier manche sind. Es werden auch Menschen auf Dich zugehen.


--- Zitat von: sapphia am 22 August 2012, 17:44:08 ---
ich habe jedes vertrauen verloren.
das recht auf gefühle wird aberkannt.
man wird reduziert auf unkosten.

ich bin rechtlos.
das ist fakt.


--- Ende Zitat ---

Glücklicherweise ist das kein Fakt, es kommt Dir nur so vor. Vermutlich kennst Du Dich besser aus als ich, was die Grundsicherung nach SGB XII angeht, aber danach steht Dir ein Regelsatz zu, der einklagbar ist. Du hast Rechte, und Du kannst darauf pochen. Wenn man sie Dir nicht zugestehen will, setze sie durch, lasse Dich beispielsweise informieren durch die Öffentliche Rechtsauskunft.


--- Zitat von: sapphia am 22 August 2012, 17:44:08 ---
am besten vergisst du meinen beitrag.
ich hab ja sowieso keinen wert.


--- Ende Zitat ---

Ich verwende solche barschen Worte wirklich ungern, aber hier erscheint es mir angebracht: DAS IST TOTALER QUATSCH.

Ja, die Situation ist mies. Aber warum pfeifst Du nicht auf Materielles, pfeifst auf Dein altes Umfeld, pfeifst auf die Gesellschaft, die dich überhaupt erst dazu gebracht zu haben scheint, zu versuchen, Dich selbst zu verleugnen und begreifst Deinen Schritt als das, was er mir zu sein scheint: Endlich Freiheit erreicht zu haben? Sei lieber stolz auf Dich, nimm die Fäuste hoch und kämpfe.

Kaffeebohne:

--- Zitat von: RaoulDuke am 22 August 2012, 21:04:45 ---Es ist nicht leicht, zu einem Posting wie diesem etwas zu sagen. Zu groß erscheint die Gefahr, anmaßend zu wirken.

--- Ende Zitat ---
Geht auch mir so. Aber auch ich möchte ein paar Wore sagen:

ich finde es traurig, daß ein Mensch solch einen Leidensweg ertragen muß, nur um er/sie selbst sein zu können (bzw. zu "dürfen").

sapphia, Du kannst stolz auf Dich sein, Deinen Weg gegangen zu sein und Dir selbst treu zu sein. Ich habe großen Respekt vor dem Weg, den Du gegangen zu sein scheinst.  :)

sapphia:
danke für eure worte, zeugen sie doch von empathie!

ach, ich würde mich so sehr freuen, auf die beschrieben exoten zu treffen.
sprich mich an!
ich bin ja so introvertiert-depressiv-borderlined *seufz*

ich kämpfe ja. sonst gäbe es mich ja mehr ;)
ich höre oft, ich sei eine amazone, vorbild für andere, dass frau es doch schaffen kann.
das ist fast schon eine verpflichtung zum überleben.
aber ich finde mich nicht ab, wie unzählige unserer mitmenschen, sondern prangere an, kritisiere.

aber in diesem thread geht es ja um den "halt", sofern ich die eröffnung verstanden habe.
ich habe deshalb meine perspektive dargelegt.

noch eine anmerkung, adressiert an die raum-zeit-krümmungs-jünger(innen):
in mir gibt es noch einen fundamentalen halt:
ich weiß, dass es mindestens eine intelligenz in diesem universum gibt.  ;D
deshalb muss ich weiter leben!

p.s.: war das jetzt blasphemie?

p.p.s.: halt gibt die hoffnung auf eine lebenswerte zukunft.

Black Ronin:
Ja genau. Wie Raoul schon sagte. Gehe auf Menschen zu, dann werden sie auch auf dich zugehen.
Du hattest dein Coming-out ? Als was?
Schätze du bist Transsexuell oder?
Was Transen angeht: Find ich sympatisch !
Jedenfalls die, die mir bisher über den Weg gelaufen sind.
Sicher gibt es hier einige die genauso denken.
Da bin ich mir sogar recht sicher :)

Julya:

--- Zitat von: sapphia am 23 August 2012, 10:57:24 ---p.p.s.: halt gibt die hoffnung auf eine lebenswerte zukunft.

--- Ende Zitat ---

Und genau damit hast Du doch einen ziemlich guten Leitsatz, liebe Sapphia.
Das Schwerste hast Du bereits geschafft. Du hast Dein Ich erkannt, eine Entscheidung getroffen, diese Entscheidung auch nach außen getragen und das alles, obwohl Du wusstest, daß das Leben, das nach Deinem Coming-Out kommen würde, nichts mehr mit dem Leben zu tun haben würde, das Du bisher kanntest. Das zeugt von enormer Stärke und großem Mut.
Würdest Du heute etwas anders machen, wenn Du vorher gewusst hättest, was auf Dich zu kommt? Ich wette, das würdest Du nicht. Zumindest nicht den größten und wichtigsten Schritt, nämlich Du selbst zu sein.
Durch meine Arbeit bin ich schon öfter in Kontakt mit Transsexuellen, Crossdressern und anderen "exotischen" Menschen gekommen. Mir wurden Herzen ausgeschüttet und ich habe eine leise Ahnung bekommen, wie groß das Leid und der Druck ist, der hinter solch einem Schritt steht.

Du schriebst weiter oben "die meisten von Euch Hamburgern würden mich öffentlich steinigen". Mich störte dabei die Bezeichnung 'Euch', denn ich zähle mich da ganz klar nicht hinzu und wie Du anhand der Reaktionen hier siehst, gibt es noch mehr Menschen, die Dich akzeptieren, respektieren, oder zumindest tolerieren.
Wie RaoulDuke schon schrieb: Geh auf die Menschen zu, Du wirst erstaunt sein, wieviel Rückhalt und Bestätigung Du finden wirst, wenn Du ihnen eine Chance gibst.
Und ich gehe fest davon aus, daß ich für viele hier spreche, wenn ich sage: Komm zum nächsten Stammtisch, zum nächsten Grillen, zum Lagerfeuer am See, knüpfe neue Kontakte, auch wenn Du von alten enttäuschst wurdest. Du -als Mensch- bist willkommen, völlig unabhängig von sämtlichen Hintergründen!


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