Schwarzes Hamburg > Gedankenaustausch -Archiv-
"Kalte" Trennung - was tun?
Kenaz:
Okay, der eine oder andere hat ja vielleicht eh schon am Rande bemerkt, dass meine Stimmung in letzter Zeit nicht die beste ist, und weil ich mittlerweile einigermaßen ratlos bin, geh' ich damit jetzt einfach mal an die "Öffentlichkeit", nicht zuletzt dafür ist so ein Forum ja da. Wem die Geschichte übrigens zu lang ist, der sei hiermit herzlich aufgefordert, sich einem anderen Thema zuzuwenden. Also, die Sache ist diese:
Vor gut anderthalb Jahren ging meine letzte lange Beziehung in die Brüche und zwar von heute auf morgen. Ich habe entsetzlich unter der Trennung gelitten, um nicht zu sagen: rückblickend betrachtet hat mich diese ganze Nummer in die Krise meines bisherigen Lebens gestürzt. So richtig intensiv hatte ich daran bis Herbst letzten Jahres zu knabbern, irgendwann wurde es etwas besser und als ich gerade das Gefühl hatte, mich so laaangsam zu erholen, knallte da eine neue Frau in mein Leben - und zwar so richtig mit "Wumms!", ich war hin & weg und enstprechend enthusiastisch, denn da lachte sie endlich wieder, die Sonne, die ich so lange entbehrt hatte.
Es handelte sich um eine Fernbeziehung (wobei wir uns eigentlich fast jedes WE gesehen haben, zwischendurch hab' ich auch extra Urlaub genommen, um ein verlängertes WE bzw. 'ne ganze Woche bei ihr zu sein) und die Details will ich hier gar nicht ausbreiten, nur so viel: Der Umgang miteinander gestaltete sich mit der Zeit schwieriger, trotzdem kam die Trennung für mich ebenso abrupt wie die ganze Geschichte anfing. Ende des ersten Februarwochenendes verabschiedete ich mich nach einer leidenschaftlichen Nacht von ihr, um zurück nach Hamburg zu gondeln, es war noch ein großes "Rumgehase", in der Küche fielen Sätze wie "Ach, die Wurst hält sich ja noch, die kannst Du ja essen, wenn Du wieder da bist" - m.a.W.: rein gar nichts deutete darauf hin, dass das die letzte Gelegenheit sein sollte, zu der ich sie noch mal zu Gesicht bekam. Zurück zuhause begannen einige Tage untypischen Schweigens und auf meine Nachfrage hin wurde mir ziemlich zügig mitgeteilt, dass man sich - bemerkenswerterweise schon 3-4 Wochen vorher - "entliebt" habe und unsere "Beziehung" deshalb eine gewesene sei.
Nun ist es keineswegs so, dass alles rund gelaufen wäre - es gab durchaus Probleme im Umgang miteinander, mehrfache Versuche meinerseits, mal in Ruhe darüber zu sprechen, wurden jedoch jedesmal abgeblockt. Da kamen dann Statements wie: "Ach hör' auf, wir wollen's uns doch jetzt hübsch kuschelig machen" etc. Am letzten WE haben wir uns dann in der Tat mehrfach ziemlich heftig gestritten, ich wollte sogar wiederholt vorzeitig nach Hause fahren, wurde jedoch jedesmal per Handy wieder von ihr "zurückgepfiffen". Nun war es ja nicht so, dass ich gehen wollte, weil ich keinen Bock mehr auf sie gehabt hätte - ich hab' einfach die verfahrene Situation (Konflikt und kein vernünftiges Gespräch darüber möglich) nicht mehr ausgehalten und hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen; das änderte jedoch nichts daran, dass ich sehr intensive Gefühle für sie hatte und nicht im Traum über eine Trennung nachgedacht habe. Aus ihren wiederholten "Rückholungs"-Aktionen schloss ich, dass ihr das durchaus ähnlich ging.
Nach der oben kurz geschilderten Ansage ihrerseits kam dann wirklich gar nichts mehr. Die eigentliche Trennung wurde per Mail in fünf, sechs knappen Sätzen ausgesprochen, ich kam mir ein bisschen vor wie beim "Diedäh" und seiner Naddel ... Danach: Funkstille auf allen Kanälen. Meine Bitten, mir doch zu erklären, wie sich die Ereignisse derart überschlagen konnten, wurden mit dem Hinweis abgebügelt, es habe jetzt eh keinen Sinn mehr, die Geschichte im Detail zu erörtern, da sie einfach nicht mehr wolle, im übrigen - s.o. - sei das im Grunde bereits seit 3-4 Wochen so, sie sei sich nur noch nicht so recht darüber im Klaren gewesen, von abrupter Trennung könne also keine Rede sein. Ich hab' dann versucht, damit umzugehen, nach 1-2 Wochen schrieb ich ihr noch mal, dass ich's immerhin schön fände, wenn man wenigstens auf freundschaftlicher Ebene in Kontakt bleiben könnte - als Antwort bekam ich den lapidaren Hinweis, sie müsse "darüber nachdenken" und könne "so spontan nichts dazu sagen". Als ich 'ne knappe Woche später noch mal telefonisch das Gespräch suchte, flippte sie nach wenigen Sätzen aus und schrie mich an, was ich eigentlich von ihr wolle.
Der Punkt ist nun der, dass ich immer, wenn ich über die Sache nachdenke - und das tue ich zu meinem eigenen Leidwesen nahezu ununterbrochen - hunderttausend Bilder, Situationen und Szenen im Kopf habe, die so gar nicht zu der Darstellung passen, die mir da präsentiert wurde. Und das ist eben mein Hauptproblem: Ich kann nicht abschließen, weil irgendwie nichts so recht zusammenpasst, leider bleibt mir aber die Möglichkeit einer persönlichen Aussprache vollkommen verschlossen. Sie hat den Kontakt radikal und auf allen Ebenen abgebrochen, so dass ich manchmal das Gefühl habe, als hätte ich alles nur geträumt. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich immer noch dieses vertraute Gefühl ganz tief in in mir drinsitzen habe und das will da um's Verrecken nicht raus, weil immer wieder ein Stimmchen sagt: "Das passt doch alles nicht zusammen, das kann doch so einfach nicht wahr sein!". - Und das genau ist es, was ich mit einer "kalten" Trennung meine: eine solche nämlich, bei der sich der andere von einem Tag auf den anderen komplett aus allem herauszieht und einen mit all seinen Fragezeichen, seiner Rat- & Fassungslosigkeit, seinen Schmerzen und last but not least den Gefühlen, die einfach partout nicht verschwinden wollen, komplett alleine lässt. In diesem Sinne: Wie geht Ihr mit so was um? Tipps? Tricks? Kniffe? Und die Frage ist völlig ernst gemeint, denn mir wächst die Geschichte so allmählich etwas über den Kopf ... :(
muh-nix-user:
das hört sich alles nicht schön an- das wäre anders. und ja, solche kalte trennung, wie du sie formulierst kenne ich auch.
wie man damit fertig wird- da gibt es leider kein patentrezept, es ist nach wie vor trauerarbeit. ohne eine aussprache. nach jahren konnte ich besser damit umgehen, aber das bin ich, und ich bin nunmal nicht du.
ich glaube allerdings, das solche art der trennung nicht geschlechterspezifisch sind, passiert vermutlich beiderlei welchem.(das wollte ich nurmal erwähnt haben, auchwenn du es nicht schreibst)
wenn es zu runterziehend wird, so würde ich professionellen rat aufsuchen, da es einen ziemlich fertig und kaputt machen kann.
Kaffeebohne:
Das üble daran ist ja, einen anderen Menschen mit allem alleine zu lassen. Ich persönlich finde es immer gut, wenn man sich zumindest mal aussprechen kann (selbst wenn das nicht sofort passiert, sondern erst dann, wenn beide sich ein wenig "beruhigt" haben). Manche Menschen wollen diese Verantwortung für den anderen aber scheinbar nicht haben...
Letztendlich wäre es für Dich ja das Beste, wenn Du auf Erklärungen ihrerseits irgenwann nicht mehr angewiesen bist. Daß Du sagen kannst: "Okay, wie auch immer die Erklärungen aussehen mögen, sie sind für meinen Seelenfrieden einfach nicht mehr wichtig". Wenn Du es so alleine nicht schaffst, dann ist professionelle Hilfe vielleicht ne gute Sache.
Kenaz:
--- Zitat von: muh-nix-user am 07 März 2012, 17:06:19 ---ich glaube allerdings, das solche art der trennung nicht geschlechterspezifisch sind, passiert vermutlich beiderlei welchem.
--- Ende Zitat ---
- Nö, das glaube ich auch nicht, ich neige sogar zu der Vermutung, dass diese "Aus-den-Augen-aus-dem Sinn"-Geschichten andersherum noch häufiger vorkommen. "Witziger"weise - so auch in diesem Fall - gerieren sich die entsprechenden Menschen, bevor sie die Bombe hochgehen lassen, oftmals so, als seien sie nun wirklich die allerletzten, die so handeln würden. ::)
Kenaz:
--- Zitat von: Kaffeebohne am 07 März 2012, 17:33:38 ---Letztendlich wäre es für Dich ja das Beste, wenn Du auf Erklärungen ihrerseits irgenwann nicht mehr angewiesen bist. Daß Du sagen kannst: "Okay, wie auch immer die Erklärungen aussehen mögen, sie sind für meinen Seelenfrieden einfach nicht mehr wichtig".
--- Ende Zitat ---
- Klar, das ist die Zielvorstellung. Im Grunde genommen hat sie sich mir gegenüber in den vergangenen vier Wochen durchaus so verhalten (also im Rahmen der zwei Telefonate und der paar Mails, die wir noch ausgetauscht haben), dass ich das mit Fug & Recht sagen können sollte. Kann ich aber nicht. Das ist ja das verkackte Drecksproblem, an dem ich kaue: Da sind immer noch diese Gefühle. Und die wollen um's Verrecken nicht verschwinden, die Arschlöcher! >:(
--- Zitat von: Kaffeebohne am 07 März 2012, 17:33:38 ---Wenn Du es so alleine nicht schaffst, dann ist professionelle Hilfe vielleicht ne gute Sache.
--- Ende Zitat ---
- Habe ich anlässlich der vorangegangenen Trennung tatsächlich mal kurz in Erwägung gezogen, und mich in der Folge dann auch zu 'ner Therapeutin geschleppt, das war allerdings ein derartiger Reinfall, dass ich sämtliche Vorurteile, die ich jemals gegen diesen Berufsstand hatte & habe (und meine Vorurteile sind durchaus fundiert, habe ich doch höchstselbest ein Psychologiestudium - wenn auch im Nebenfach - absolviert und kenne von daher die Pappnasen, die sich da so tummeln), vollumfänglich bestätigt sah. Von da ist meiner Ansicht nach also wirklich kein Heil zu erwarten, es sei denn, jemand kennt den ultimativen Wunderseelenklempnerschamanen ...
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln