Schwarzes Hamburg > Gedankenaustausch -Archiv-
loveparade 2010
Lucas de Vil:
+hm+
Ich weiß nicht, ich weiß nicht.
Mehr als ein Jahrzehnt ist nix passiert.
Die Leute sind feiernd in welchem Zustand auch immer durch die Straßen geschlendert, haben Müllberge sonder Gleichen hinterlassen und einen unsäglichen Lärm veranstaltet.
Nie ist irgendetwas Gravierendes passiert.
Nun kommt da eine Stadt, die kleiner ist als alle vorherigen Orte. Angeblich gab es schon 2009 Warnungen, dass Loveparade und Duisburg eine denkbar schlechte Idee sein. Ein Festgelände genau zwischen Autobahn und Schienenverkehr zu wählen, welches einfach zu klein ist, macht die Sache nicht besser.
Da wollte wohl irgend eine Stadt mal eben mit nem schicken Prestige-Festival die Kassen auffüllen ohne zu viel zu investieren.
Klar, Unfälle mit Todesfolge können immer passieren. Gestern noch auf dem Amphi zusammen gesoffen, heute auf der Rückfahrt gegen einen Baum geknallt. Manchmal ist das Leben ein Arschloch.
Das hingegen ist etwas völlig Anderes. Da ist etwas ganz gewaltig schief gelaufen, dass niemals hätte schief laufen dürfen.
Bei einer Panik versagt so ziemlich jedes Stückchen Intelligenz, Logik und kontrolliertes Bewusstsein.
Daraus kann Mensch eigentlich nur Eines lernen: vor jedem Besuch einer Großveranstaltung erst einmal via Google und Konsorten das Gelände abchecken und beim kleinsten Zweifel einfach nicht hinfahren. Auf die Organisation und Sicherheitskonzepte kann man sich ja offensichtlich nicht mehr verlassen.
Wanderer
Es ist schwierig. Mord ist es definitiv nach den ersten Todesopfern. Danach wurde ja offenbar unterlassen das Ganze abzubrechen, die Leute zu beruhigen und gesittet nach Hause gehen zu lassen. Andererseits hat so eine Massenpanik den Nachteil, dass sie zu weiteren Massenpaniken führen kann. Je größer die Meute, desto hirnloser wird sie.
messie
Interessant. Zeig mal so'n Bild, von dem du sprichst.
Ansonsten: schieb dich mal mit Absperrgittern zwischen ne Viertel Million Menschen und erkläre ihnen, du willst jetzt den Tunneleingang absperren.
Ein Verengen des Ausgangs am Tunnelende halte ich sogar für sinnvoll. Der Tunnel ist zuende, die drückende Atmosphäre schwindet, die Menschen werden ein wenig ruhiger. Dieser Umstand lässt sich nutzen, um aus dem von Colourize so schön bildlich genutzten Sack Steinen eine Aneinanderreihung von Menschen zu formen.
Blöd nur, dass da noch 120mx20m Tunnel hinter liegen, die bestimmt locker 9600 Menschen fassen. Gequetscht und gestapelt vielleicht sogar mehr als das Doppelte.
Wie wir schon mal festgestellt haben: am Skizzenbrett sieht alles sooo logisch aus, doch leider übersieht man immer mal wieder Details.
Welchen Sinn hat es, dass die panische Menge aus dem Tunnel flüchtet, den sie vermutlich nie hätte betreten dürfen, um dann auf Autobahnen und Gleise zu stürzen?
Ich denke nicht, dass es den einen Grund für diese Tragödie gibt.
Da sind garantiert über Jahre hinweg die falschen Entscheidungen getroffen und die falschen Hebel bewegt worden, nur um an dem einen Tag in voller Hektik mit viel zu wenigen Helfern viel zu viele Leute vor Dummheiten bewahren zu wollen und blöderweise das Gegenteil erreicht wurde.
Tialys:
--- Zitat von: Lucas de Vil am 27 Juli 2010, 16:05:52 ---
Welchen Sinn hat es, dass die panische Menge aus dem Tunnel flüchtet, den sie vermutlich nie hätte betreten dürfen, um dann auf Autobahnen und Gleise zu stürzen?
--- Ende Zitat ---
Nur zur Info: Die Autobahn war für den Verkehr gesperrt und wurde nachdem das Unglück geschehen ist, für die Besucher geöffnet, damit mehr Ausweichmöglichkeit gegeben ist. Ebenso wie der Bahnhof dann ja auch, damit die Leute über die Gleise gehen können.
Kaffeebohne:
--- Zitat von: messie am 27 Juli 2010, 15:50:21 ---Nur, was man auf den Bildern ganz deutlich zu sehen war: Sie haben den Tunnel am Ausgang dichtgemacht.
--- Ende Zitat ---
Wie kommst Du darauf? Es wird in diesem Zusammenhang doch vom Zugang gesprochen, und diese Treppe, von der Menschen gestürzt sind, ist draußen, nicht im Tunnel drin. Davon mal abgesehen: der Tunnel ist von beiden Seiten zugänglich. Ich finde, Du urteilst hier ganz schön hart, dafür, daß Du nicht dabei warst und Deine Meinung aufgrund gelesener Berichte gebildet hast. Letztendlich warst Du nicht dabei. Und natürlich kannn ein großes Gedränge bei einigen Menschen zu Beklemmungen und somit auch zu Panik führen.
"Den einen Fehler" wird es sicher nicht geben, sondern viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Hoffentlich wird darauf gelernt, und sich nicht weiterhin die Schuld zugeschoben à la "Wir waren das nicht, Ihr wart das". Die Toten macht es allerdings nicht mehr lebendig.
Es ist traurig, daß das passiert ist, und ich bin froh, daß ich sowas noch nie miterlebt habe.
messie:
--- Zitat ---Ich finde, Du urteilst hier ganz schön hart, dafür, daß Du nicht dabei warst und Deine Meinung aufgrund gelesener Berichte gebildet hast.
--- Ende Zitat ---
Wenn es nur die Berichte gewesen wären ...
Es gab Bilder, die ich in diversen Nachrichten gesehen habe. Bin grade auf der Suche, wo diese sie her haben, um den Direktlink hier reinzusetzen. Dort ist jedenfalls eindeutig zu sehen, dass die Polizei am Ausgang steht, mit dem Gesicht in den Tunnel hinein zugewandt, Seite an Seite, damit dort niemand durchkommt. Die sind sehr eindeutig.
Mag sein, dass sie den Riegel aufgelöst haben als die Panik dann losbrach, aber da war es dann, wie man mittlerweile weiß, zu spät.
Nies:
--- Zitat von: DerWanderer am 27 Juli 2010, 15:33:07 ---Der Gedanke jmd. auf einem Festival zuverlieren mag sehr grausam sein, doch hoffe ich das unsere "Szene" sich nicht so einem Herdentrieb mit folgender Massenpanik anschliessen würde.
--- Ende Zitat ---
Sorry, aber das ist jetzt ja mal unter aller Sau. Inwiefern unterscheiden sich Menschen innerhalb "unserer" Szene denn von Menschen außerhalb "unserer" Szene? Als könne man sich bewusst gegen eine Massenpanik entscheiden.. Wenn ich sowas höre.. *Kopfschüttel*
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