Schwarzes Hamburg
Schwarzes Hamburg => Archiv => Gedankenaustausch -Archiv- => Thema gestartet von: colourize am 09 Februar 2006, 03:20:11
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Guten Abend, liebe Gemeinde.
Angeregt durch einen Beitrag von Kenaz möchte ich die Frage stellen, ob es nicht doch Sakrilegien in unserer Gesellschaft gibt, auf deren Leugnung eine (zugegeben: symbolische) Steinigung erfolgt. Die Sache mit dem "Gott ist tot" glaube ich nämlich nicht so ganz.
Der Glaube an die kapitalistische Geldwirtschaft als quasi-natürliches und gesellschaftlich heilbringendes System fällt mir da als erstes ein. Wenn man das leugnet, gehört man im Westen zur Kaste der Unberührbaren.
Noch deutlicher ist vielleicht unser Glaube an die "Liebe". Wer Liebe als das was sie ist enttarnt - nämlich eine Erfindung von Menschen um dem Leben einen quasi-höheren Sinn zu geben - begeht eine Heräsie gegenüber unserer höchsten Gottheit.
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Ich glaub, ich kapier nicht so ganz, was du meinst. Könnte natürlich an der Uhrzeit liegen. 8)
Ich verstehe Liebe eher als Paarungsförderer, das muss nicht unbedingt vom Menschen selbst erfunden worden sein, denn der nimmt das so oft gar nicht bewusst wahr.
Aber wo du das so ansprichst, mir ging es beim Thema "Der richtige Partner" immer so, als wöllte man mit Nudelhölzern nach mir werfen. Ich bin einfach davon überzeugt, dass es sowas wie den passenden Deckel zum Töpfchen nicht gibt. Es sind eher viele Deckel, die sich farblich unterscheiden, aber dennoch passend sind, mit etwas mehr oder mit etwas weniger Spiel.
Was ich meine ist, dass 'ne Straße weiter vielleicht jemand wohnt, mit dem eine Beziehung auf genau derselben Ebene klappen könnte, wenn nicht sogar besser. Den Leuten ist das aber nicht bewusst - und wenn, dann verdrängen sie ganz gerne die Tatsache, dass Menschen schlicht austauschbar sind.
Solche Themen versuche ich außerhalb des Internets schon gar nicht mehr anzusprechen. :P
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ist colourize frisch getrennt?
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ist colourize frisch getrennt?
Hihi, nein - zum Glück nicht.
Mit geht es auch nicht inhaltlich um die Frage, ob es z.B. "mit einer Beziehung klappen könnte".
Ich stelle nur die Frage, ob man etwas, von alle glauben dass es das gibt, hinsichtlich seiner Existenz in Frage stellen darf, ohne dass einen die Anderen wahlweise lynchen oder für verrückt erklären.
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Die Sache mit dem "Gott ist tot" glaube ich nämlich nicht so ganz.
- Die glaub' ich für Dich mit, mein Lieber! :wink: - Der "Glaube an die kapitalistische Geldwirtschaft als quasi-natürliches und gesellschaftlich heilbringendes System" kann mit dem Glauben an das Heilige im strengen Sinn (ich betone den Begriff übrigens derart stark, weil ich ihn genau so stark verstanden wissen will: es geht hier nicht um irgendeine "übernatürliche Macht", es geht um "das Heilige" als das dem Menschen schlechthin nicht Fassbare in jenem strengen Sinne, den Rudolf Otto in seinem gleichnamigen Standardwerk mit dem Begriff des "Numinosen" umrissen hat) nicht im Ansatz mithalten, da es im ersten Fall nur um eine Überzeugung geht, die in letzter Konsequenz dem persönlich-individuellen Leben untergeordnet ist, im zweiten jedoch um etwas, das allem Sein vorgeordnet und von dem Gläubigen von daher als unendlich wichtiger und bedeutender erachtet wird als selbst sein eigenes Leben.
Wer Liebe als das was sie ist enttarnt - nämlich eine Erfindung von Menschen um dem Leben einen quasi-höheren Sinn zu geben - begeht eine Heräsie gegenüber unserer höchsten Gottheit.
- Ach ja, die Liebe! Allein der Umstand, dass Du diese These so nonchalant in die Runde werfen kannst, zeigt doch, dass sie soooo schrecklich blasphemisch nun wirklich nicht mehr ist. "Die Liebe" wird heutzutage in jeder drittklassigen Talkshow als rein biologische Funktion "enttarnt" - in eben jenem Sinne, in dem Purotin sie als "Paarungsförderer" bezeichnet; daran kann man doch mehr als deutlich ablesen, dass "die Liebe" ihren Status als ernst zu nehmende "Ersatzgottheit" hierzulande schon lange eingebüßt hat. - Mehr als Gott zu töten war dem abendländisch geprägten Menschen eben schlechterdings nicht möglich; alles, was danach kommt, kann notwendigerweise nur noch den Status von Scheingefechten auf Nebenschauplätzen beanspruchen. Die wirklich große Schlacht ist schon längst geschlagen. Uns bleibt lediglich, die Verwesungsdünste zu verwalten.
Nee, nee, die arabische Welt hat das schon ganz gut erkannt: Der einzige Punkt, der Europa im allgemeinen und Deutschland im besonderen wirklich noch an einer einigermaßen empfindlichen Stelle zu treffen vermag, ist die Geschichte mit dem Holocaust. Wenn darüber Witze gemacht werden, wird doch den allermeisten von uns wenigstens ein kleines bisschen mulmig in der Magengrube, denn dieses Tabu steckt wirklich enorm tief. - Nichtsdestotrotz: Es ist sozusagen ein rein negativer Inhalt ohne positiven Gehalt, kann von daher in puncto psychologischer Sprengkraft in keiner Weise mit einer vitalen Gottesvorstellung mithalten, die einem wirklich Gläubigen Sinn, Wesen, Dreh- und Angelpunkt allen Seins bedeutet. Und all das wird im Falle einer Lästerung mitgelästert. - Ich bleibe dabei: Wir können uns so etwas schlichtweg nicht mehr vorstellen, weil wir über eine solche Instanz nicht mehr verfügen.
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Na ja gerade die Liebesempfindung ist doch äußerst subjektiv.
Chemie oder mehr?
Ich finde, dass man generell alles infrage stellen (in Frage stellen? neue Rechtschreibung :roll: ) kann, auch wenn das Gegenüber für das absolute Gegenteil eintritt. Mit ein wenig Empathie wird man auch nicht gleich gelyncht. Zumindest in Deutschland nicht.
Du wirst sicher eher für verrückt erklärt, auch wenn die Negation der Wahrheit entspricht. Klassisches Beispiel, wie oben erwähnt, Gott ist tot. Für die einen Wahrheit für die anderen Unsinn. Beweisen kann es keiner. Ist außerdem, meines Erachtens nach, vollkommen kultur- bildungs- und verständnisabhängig.
Schau Dir doch auch mal den Vegetarierthread an. Dort wird die heilige Kuh verzehrt bzw. gelyncht indem einem Vegetarier von einer Ernährungswissenschaftlerin erklärt wird, warum der Mensch physiologisch ein Allesfresser ist. Die Reaktion war entsprechend heftig: persönliche Anfeindung, Lächerlichmachen, die ganze Manipulationsriege sprang Ihr entgegen, nur die Sachlichkeit verschwand vollends. Du kannst infrage stellen nur die Reaktionen können je nach eigenem Tabu entsprechend heftig sein. Anderes Beispiel aus der Gesellschaft ist die Tabuisierung der Geschwisterehe. Genetisch gesehen, wie mittlerweile nachgewiesen, bei weitem nicht so fatal wie man früher geglaubt hat, nur in unserer Gesellschaft ein Nichtthema.
Hmm ich kann meine Gedanken im Moment nicht so in Worte fassen, wie ich möchte... Vielleicht klappts heute Abend ja noch :)
EDIT: Ach ja der Holocaust. Ignoriere ich im Ausland im Allgemeinen. Ist manchmal schwer wenn man von Leuten meiner Vorvorgeneration angefeindet wird. Den Schuh ziehe ich mir nicht an und genauso wenig habe ich Verständnis dafür ewig für den Bullshit veranwortlich gemacht zu werden. Und vor allem: Wieso soll ich indirekt durch meinen Steuern für etwas zahlen was vor über 60 Jahren geschah. hmm das gehört hier aber nicht hin FNORD!
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Ich denke auch, das einzige Thema hierzulande fr das man förmlich gelyncht werdne könnte ist der Holocaust, bzw das 3te Reich/Nazi-Thema allgemein. Man schaue sich zb Colourize an, wie schnell er sofort vor Ort ist und sich ereifert, wenn ein Thema auch nur entfernt irgendwie einen Hauch von braun tragen könnte. :mrgreen:
Irgend ein author (Name entfallen) der sehr genr provoziert, hatte auch mal einen Test gemacht. Grosses Festbankett. Gedrängel, voll. Er wollte zum Büffet. Nach einem 2Lassen sie mich durch, meine Oma war im KZ" hat ihm jeder völlig anstandslos und betreten Platz gemacht. Das dieser Grund eigentlich völlig irrelevant ist, daran hat niemand gedacht.
Damals in der Schule reichte es schon aus im Geschichtsunterricht zu sagen das Hitler ja AUCH positives vollbracht hat. Schon hatte man die halbe Klasse inkl. Lehrer gegen sich.
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Noch deutlicher ist vielleicht unser Glaube an die "Liebe". Wer Liebe als das was sie ist enttarnt - nämlich eine Erfindung von Menschen um dem Leben einen quasi-höheren Sinn zu geben - begeht eine Heräsie gegenüber unserer höchsten Gottheit.
Ist die Liebe - auch im weitesten Sinne - nicht die Motivation Nr. 1, seinem Leben einen Sinn zu geben? Natürlich wurde etwas mehr hineininterpretiert, als vielleicht da ist, aber es funktioniert.
Allerdings hast Du - mit Blick auf Hollywood und ähnlich seichte eindimensionale Herzschmerz-Geschichten - natürlich recht, daß da ein Schlagwort installiert wurde, nach dem die Herzen hüpfen (und wenn das Paar sich am Ende küßt, wird ausgeblendet, und wer mag, kann sich die Ehestreitigkeiten und anderen Ärger in seiner Vorstellung ausmalen).
Und das "heilbringende System Kapitalismus" hat die anderen "Ideologien" zwar überlebt und mir geht sein Selbstverständlichkeitsanspruch auch auf den Keks, aber ich denke nicht, daß es jemals den im wahrsten Sinne "Kult"-Charakter vergangenen Götterglaubens erreichen wird (Dazu kann man v. a. auch die Priester zu wenig ernst nehmen :P).
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Irgend ein author (Name entfallen) der sehr genr provoziert, hatte auch mal einen Test gemacht. Grosses Festbankett. Gedrängel, voll. Er wollte zum Büffet. Nach einem "Lassen sie mich durch, meine Oma war im KZ" hat ihm jeder völlig anstandslos und betreten Platz gemacht. Das dieser Grund eigentlich völlig irrelevant ist, daran hat niemand gedacht.
:weglach:
Sinn für Humor muß er auf jeden fall gehabt haben :wink:
Ansonsten bin ich bezüglich dem wirklich heiligen in diesem Lande auch eher skeptisch.
Kaptial ist ein Thema, nicht umsonst heißt es ja auch "Bei Geld hört der Spass auf", allerdings auch erst wenn man es den Leuten wegnimmt, karikieren kann man das ganze eigentlich nach Lust und Laune.
Die Liebe ist auch keine Bringer mehr, die kann man relativ ungefährlich auf ihre biologischen Eigenschaften reduzieren ohne das es die Leute sonderlich juckt, wie Kenaz schon bemerkte.
Die Nazi-Zeit ist ein wenig kritisch, wenn sie auch von der Sprengkraft her nicht annährend mit derer der Mohammed-Karikaturen zu vergleichen ist.
Holocaust-Leugner hingegen werden schon (noch) gesellschaftlich geächtet, allerdings ist das ja wohl auch keine Frage des glaubens, sondern hat viel mehr mit Tatsachen zu tun.
Ich diesem Forum gibt es aber schon noch Sakrilege, z.b. den Sinn von staatlich geförderten Studien der Geisteswissenschaften in Frage stellen und so*duck* =)
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Kaptial ist ein Thema, nicht umsonst heißt es ja auch "Bei Geld hört der Spass auf", allerdings auch erst wenn man es den Leuten wegnimmt, karikieren kann man das ganze eigentlich nach Lust und Laune.
Naja, wie man es nimmt. Ich habe in letzter Zeit verstärkt das Gefühl, als würde nicht erst beim Wegnehmen der Spaß aufhören. Wenn man sich mal vor Augen führt, mit welchem Feuereifer sich die Parteien momentan um 1,5 unbezahlte Arbeitsstunden/Woche für Beamte zanken, dann habe ich schon das Gefühl, als würde eine Karrikatur an falscher Stelle in diesem Fall eine Welle der Empörung auslösen. Sicher, es würden auf offener Strasse keine "Frankfurter Rundschau"-Zeitungen verbrannt, und die Büros des Verlages wären wohl weiterhin ein recht sicherer Ort, in dem man sich als verantwortlicher Redakteur gerne aufhält, aber ein (für deutsche Verhältnisse wohlgemerkt!) Massenaufstand wäre für meinen Geschmack durchaus im Bereich des Möglichen.
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Naja, wie man es nimmt. Ich habe in letzter Zeit verstärkt das Gefühl, als würde nicht erst beim Wegnehmen der Spaß aufhören. Wenn man sich mal vor Augen führt, mit welchem Feuereifer sich die Parteien momentan um 1,5 unbezahlte Arbeitsstunden/Woche für Beamte zanken, dann habe ich schon das Gefühl, als würde eine Karrikatur an falscher Stelle in diesem Fall eine Welle der Empörung auslösen. Sicher, es würden auf offener Strasse keine "Frankfurter Rundschau"-Zeitungen verbrannt, und die Büros des Verlages wären wohl weiterhin ein recht sicherer Ort, in dem man sich als verantwortlicher Redakteur gerne aufhält, aber ein (für deutsche Verhältnisse wohlgemerkt!) Massenaufstand wäre für meinen Geschmack durchaus im Bereich des Möglichen.
Bedingt.Also zum einen streiken die Betroffenen doch schon und es werden wohl auch noch mehr werden (das ist halt die Landesübliche Version des Aufstandes) und zum anderen ist 1,5 Stunden unbezahlten Mehrarbeit ja (rechnerisch) auch nicht viel anders, als eine kleine Gehaltskürzung, womit wir wieder beim Thema Geld wegnehmen wären.
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Was ist uns heilig?
Mir würden zuerst speziell "unsere" Grundrechte und die Menschenrechte im Allgemeinen einfallen. Schließlich belegen sie unsere Werte und Normen (hauptsächlich die der westlichen Welt), die wir uns über Jahrhunderte "erkämpft" haben. Unsere Geschichtlichkeit prägt uns und lässt uns aus Fehlern der Vergangenheit lernen (Stichwort Holocaust). (Sorry, wenn ich immer "uns" sage, ich wüsste die Mehrzahl nicht anders auszudrücken. Ich hoffe, ihr versteht trotzdem.)
Was früher bei uns die Gottesherrschaft war (Ziel: der Weg zum Ebenbild Gottes), wurde im Laufe der Zeit zur Menschherrschaft. Das unterscheidet uns dann wohl auch von islamischen Ländern, bei denen Gott noch den höchsten Stellenwert hat.
Achtung vor den/m Menschen und die Liebe allgemein zu den Menschen sehe ich dafür als grundlegende Basis an. Stichwort Menschenwürde (Art. I des GG).
"Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten und Würde geboren" - "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Dass dies teilweise nicht gelebt wird, ist klar. Leider. Jedoch ist der Schutz der Würde/ des Menschen höchstes Ziel und Gut und somit für mich in diesem Sinne heilig. In Deutschland soll dies z.B. durch die Rechtssprechung garantiert werden. :wink:
Ich würde also behaupten, dass "uns" unsere Grundrechte heilig sind, da sie uns schützen und uns freier werden lassen (können).
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Bedingt.Also zum einen streiken die Betroffenen doch schon und es werden wohl auch noch mehr werden (das ist halt die Landesübliche Version des Aufstandes) und zum anderen ist 1,5 Stunden unbezahlten Mehrarbeit ja (rechnerisch) auch nicht viel anders, als eine kleine Gehaltskürzung, womit wir wieder beim Thema Geld wegnehmen wären.
Naja, aber wie ich oben ja bereits erwähnte, glaube ich, daß bereits eine Karikatur dieser Lage an ungünstiger Stelle, und mit ungünstigen Mitteln stilisiert, zu wütenden Protestaufrufen führen könnte. Man stelle sich nur mal einen hohen Vertreter der Ver.Di vor, der mit entsprechenden zeichnerischen Mitteln zu einem "Adolf H. aus Ö."-Verschnitt mutiert wurde. Nicht auszudenken, wieviele wütende Leserbriefe (ist das etwa das deutsche Äquivalent zu brennenden Nationalflaggen?) bei der Bild-Zeitung* eintrudeln würden..... :shock:
* mir ist bewusst, daß eine solche Karikatur niemals in der Bildzeitung erscheinen würde. Das politische Bildungsniveau, einen gewissen Adolf H. zu kennen, oder gar zu wissen, was die Ver.Di ist und womit sie sich beschäftigt, überschreitet das eines Axel-Springer-Verlagsfans bei Weitem. Die erste Reaktion auf irgendeine politische Maßnahme scheint jedoch bei einem Großteil der Bevölkerung darin zu bestehen, sich mit wütenden Leserbriefen an die zu wenden, die für den "kleinen Mann"(tm) einstehen. Und in den Köpfen vieler ist diese Position wohl von der Bild-Zeitung besetzt. Traurig, aber wahr....
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Der Glaube an die kapitalistische Geldwirtschaft als quasi-natürliches und gesellschaftlich heilbringendes System fällt mir da als erstes ein. Wenn man das leugnet, gehört man im Westen zur Kaste der Unberührbaren.
Wird das nicht von allen möglichen Leuten zur Genüge geleugnet? Hm, ich finde die Frage, ob der Kaptalismus das Allheilmittel ist, ist durchaus umstritten.
Unumstritten ist jedoch, daß das Recht zu streiten heilig ist. Würde es verboten, sich in Presse oder auf Demos etc. zu streiten bzw. für oder gegen etwas zu streiten, dann würde das wohl heftige Reaktionen auslösen.
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Unumstritten ist jedoch, daß das Recht zu streiten heilig ist. Würde es verboten, sich in Presse oder auf Demos etc. zu streiten bzw. für oder gegen etwas zu streiten, dann würde das wohl heftige Reaktionen auslösen.
hmm. Warum? Gibt es denn nicht jetzt auch schon einige Themen, bei denen ein stiller Konsens darüber herrscht, daß man über soetwas nicht streitet, sondern gefälligst einer Meinung zu sein hat?
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Naja, aber wie ich oben ja bereits erwähnte, glaube ich, daß bereits eine Karikatur dieser Lage an ungünstiger Stelle, und mit ungünstigen Mitteln stilisiert, zu wütenden Protestaufrufen führen könnte. Man stelle sich nur mal einen hohen Vertreter der Ver.Di vor, der mit entsprechenden zeichnerischen Mitteln zu einem "Adolf H. aus Ö."-Verschnitt mutiert wurde. Nicht auszudenken, wieviele wütende Leserbriefe (ist das etwa das deutsche Äquivalent zu brennenden Nationalflaggen?) bei der Bild-Zeitung* eintrudeln würden..... :shock:
Das sehe ich ganz entspannt.Selbst wenn sich in einigen Zeitungsreaktionen eine Masse Leserbriefe zu dem Thema stapeln würde -so what ? Das passiert bei X anderen Themen, die die Öffentlichkeit bewegt ebenfalls.Und all das ist ja nun nicht Ansatzweise mit dem zu vergleichen, was in einigen arabischen Ländern zur Zeit passiert.
Unumstritten ist jedoch, daß das Recht zu streiten heilig ist. Würde es verboten, sich in Presse oder auf Demos etc. zu streiten bzw. für oder gegen etwas zu streiten, dann würde das wohl heftige Reaktionen auslösen.
Da ist allerdings etwas dran.Obwohl das von der ursprünglichen Kategorisierung des heiligen genauso abweicht wie das im Beitrag von BetterOf2Evils erwähnte.Denn erschwerend kommt in der islamischen Welt noch hinzu, das deren Heiligkeit nicht greifbar ist."Alah ist groß" und fertig.
Unsere "Heiligtümer" hingegen sind aber spätestens in ihren postiven Auswirkungen sehr wohl greifbar.
Gibt es denn nicht jetzt auch schon einige Themen, bei denen ein stiller Konsens darüber herrscht, daß man über soetwas nicht streitet, sondern gefälligst einer Meinung zu sein hat?
Jein.Selbst wenn es sowas gibt, meinte Uhu ja den Fall, das das Recht auf freie Meinungsäußerung inc. Pressefreiheit generell und per Gesetz abgeschafft würde.
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Das sehe ich ganz entspannt.Selbst wenn sich in einigen Zeitungsreaktionen eine Masse Leserbriefe zu dem Thema stapeln würde -so what ? Das passiert bei X anderen Themen, die die Öffentlichkeit bewegt ebenfalls.Und all das ist ja nun nicht Ansatzweise mit dem zu vergleichen, was in einigen arabischen Ländern zur Zeit passiert.
naja, wie gesagt, ich halte wütende Leserbriefe und Trillerpfeifenkonzerte für die höchste Form der deutschen Unmutsäusserung. Insofern lässt sich die wahre Schwere des Unmuts freilich nur sehr mühsam festmachen. Man könnte jedoch als großer Verlag eine beträchtliche Menge Geld nebenbei machen, indem man, quasi als Gegenpol zu den sowieso meist sehr unrealistisch arbeitenden Umfrageinstituten, die Meinung der Öffentlichkeit in wütenden Leserbriefen misst und eine daraus resultierende Statistik an die entsprechenden Medien weiterverkauft. Das dürfte zumindest näher an der Meinung des Volkes sein, als sämtliche "300 Probanden äusserten sich folgendermaßen..."-Vorträge diverser Umfrageinstitute. Man wüsste innerhalb von kürzester Zeit, wie eine Äusserung oder ein Gesetzesentwurf beim Volk ankäme. Und das wäre doch mal ein echter Fortschritt!
Aber ich glaube, ich weiche ab. ;)
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Unumstritten ist jedoch, daß das Recht zu streiten heilig ist. Würde es verboten, sich in Presse oder auf Demos etc. zu streiten bzw. für oder gegen etwas zu streiten, dann würde das wohl heftige Reaktionen auslösen.
hmm. Warum? Gibt es denn nicht jetzt auch schon einige Themen, bei denen ein stiller Konsens darüber herrscht, daß man über soetwas nicht streitet, sondern gefälligst einer Meinung zu sein hat?
Das es wirklich verboten wäre, bestimmte Meinungen zu äussern, dafür fallen mir nur sehr wenige Beispiele ein (leugnen des Holocaust, anstiftung zu Gewalttaten). Darüberhinaus gibt es viele Themen, wo ein Großteil der Leute die Nase rümpft. Das ist z.B. bei Demonstrationen von rechtsradikalen so. Aber letztendlich fühle ich mich dennoch kaum eingeschränkt in meiner Meinungsfreiheit. Ich denke es ist noch ganz OK bei uns.
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Das sehe ich ganz entspannt.Selbst wenn sich in einigen Zeitungsreaktionen eine Masse Leserbriefe zu dem Thema stapeln würde -so what ? Das passiert bei X anderen Themen, die die Öffentlichkeit bewegt ebenfalls.Und all das ist ja nun nicht Ansatzweise mit dem zu vergleichen, was in einigen arabischen Ländern zur Zeit passiert.
naja, wie gesagt, ich halte wütende Leserbriefe und Trillerpfeifenkonzerte für die höchste Form der deutschen Unmutsäusserung. Insofern lässt sich die wahre Schwere des Unmuts freilich nur sehr mühsam festmachen. Man könnte jedoch als großer Verlag eine beträchtliche Menge Geld nebenbei machen, indem man, quasi als Gegenpol zu den sowieso meist sehr unrealistisch arbeitenden Umfrageinstituten, die Meinung der Öffentlichkeit in wütenden Leserbriefen misst und eine daraus resultierende Statistik an die entsprechenden Medien weiterverkauft. Das dürfte zumindest näher an der Meinung des Volkes sein, als sämtliche "300 Probanden äusserten sich folgendermaßen..."-Vorträge diverser Umfrageinstitute. Man wüsste innerhalb von kürzester Zeit, wie eine Äusserung oder ein Gesetzesentwurf beim Volk ankäme. Und das wäre doch mal ein echter Fortschritt!
Aber ich glaube, ich weiche ab. ;)
Halte ich für unklug. Bei der Zeitung kommen ja nur negative Briefe an. Leute, die etwas positiv finden oder sich gar nicht darum scheren schreiben erfahrungsgemäß weniger bis keine Leserbriefe, im Gegensatz zu aufgebrachten Leuten. Da halte ich das Bild der Meinungsforschungsinstitute für realistischer, da diese einen repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung mit ihren Umfragen liefern und mit wissentschaftlich standartisierten Methoden arbeiten.
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Halte ich für unklug. Bei der Zeitung kommen ja nur negative Briefe an. Leute, die etwas positiv finden oder sich gar nicht darum scheren schreiben erfahrungsgemäß weniger bis keine Leserbriefe, im Gegensatz zu aufgebrachten Leuten. Da halte ich das Bild der Meinungsforschungsinstitute für realistischer, da diese einen repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung mit ihren Umfragen liefern und mit wissentschaftlich standartisierten Methoden arbeiten.
vielleicht war der leicht parodistische Unterton in meinem Posting nicht deutlich genug hervorgehoben. Sorry. ;)
Aber dass bei der Zeitung nur negative Briefe ankommen halte ich für ein Gerücht. Oft genug las man doch auch schon Sätze wie "Der xy, das ist einer, der wenigstens noch weiss, was das Volk wirklich will. Dem Mann kann man vertrauen!"
Insofern scheint es in meinen Augen um den demographischen Wert der Bildzeitungsleserbriefe doch nicht ganz so schlecht bestellt. :mrgreen:
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@ toxic: Ja, manchmal können Smilies gar nicht groß genug sein, damit auch ich es kapiere. :wink:
note to me: don't take everything so seriously!
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"Die Liebe" wird heutzutage in jeder drittklassigen Talkshow als rein biologische Funktion "enttarnt" - in eben jenem Sinne, in dem Purotin sie als "Paarungsförderer" bezeichnet; daran kann man doch mehr als deutlich ablesen, dass "die Liebe" ihren Status als ernst zu nehmende "Ersatzgottheit" hierzulande schon lange eingebüßt hat.
Hm. Die Enttarnung der Liebe als biochemische Funktion durch die Naturwissenschaften bedeutet keines Wegs, sie dadurch auch metaphysisch zu begründen. Ich neige dazu, den Naturwissenschaften heutzutage bei dieser Frage eine ähnliche Rolle beizumessen wie der Scholastik des Mittelalters in Punkto Gottesbeweise: Für den normalen Bauern auf dem Land war es für die Festigkeit des Glaubens an Gott vollkommen schnurz, ob sich ein Thomas von Aquin Gedanken zu dem Thema macht oder nicht. Gott gibt es natürlich. Und wer nicht dran glaubt, landet in der Hölle. Punkt. Warum und wieso spielt da doch gar keine Rolle.
Aber in der Sache magst Du schon Recht haben: Der Glaube an die Liebe hat im Westen nicht annähernd den tabubehafteten Stellenwert wie der Glaube in weiten Teilen der islamischen Welt.
Wie wäre es denn mit dem Glauben an die Heiligkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Wenn ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften leugne, dann werde ich doch zu einer Persona non grata, oder?
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Wie wäre es denn mit dem Glauben an die Heiligkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Wenn ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften leugne, dann werde ich doch zu einer Persona non grata, oder?
Wieso denn das? Solange du auch andere Glauben(srichtungen) respektierst, ist doch alles in Butter.
Ein "es ist alles aus dem Urknall entstanden, hat die Wissenschaft bewiesen, Punkt. Deinen Gott kannst du dir sonstwohin schieben." wäre jedenfalls nicht sehr klug :lol:
Hm, ich hatte mir ziemlich den Kopf zerbrochen, welche Themen denn so richtig tabu sind hierzulande. Garnicht so einfach.
Eine ganze Weile waren es bei uns ja Homosexualität oder Sterbehilfe (mann, was wurde Hackethal damals öffentlich fertiggemacht ...), aber das ist nun ja auch schon ein bisschen her.
Mir fällt auch jetzt nichts konkret ein, was wirklich schichten- und altersübergreifend jedem hierzulande wirklich heilig wäre, es also von allen einen Aufschrei gäbe ...
Bedingt höchstens: Kritik an Juden. Selbst wenn es konkrete Menschen sind oder eigene schlechte Erlebnisse mit Menschen jüdischen Glaubens. Das würde wohl schon eine Menge Gegenwind (vor allem öffentlich) erhalten. Aber auch da will ich es nicht ausschliessen, dass dies doch entspannter gesehen wird als ich jetzt ad hoc vielleicht denke.
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Hm, ich hatte mir ziemlich den Kopf zerbrochen, welche Themen denn so richtig tabu sind hierzulande. Garnicht so einfach.
[...]
Mir fällt auch jetzt nichts konkret ein, was wirklich schichten- und altersübergreifend jedem hierzulande wirklich heilig wäre, es also von allen einen Aufschrei gäbe ...
sexuelle Gewalt gegen Kinder / Kindesmißbrauch / Kindermord / Kinderpornografie, um mal ein paar Schlagworte einzuwerfen
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Hm, ich hatte mir ziemlich den Kopf zerbrochen, welche Themen denn so richtig tabu sind hierzulande. Garnicht so einfach.
[...]
Mir fällt auch jetzt nichts konkret ein, was wirklich schichten- und altersübergreifend jedem hierzulande wirklich heilig wäre, es also von allen einen Aufschrei gäbe ...
sexuelle Gewalt gegen Kinder / Kindesmißbrauch / Kindermord / Kinderpornografie, um mal ein paar Schlagworte einzuwerfen
Nö, was ist denn daran tabu? Es wird doch immer groß drüber berichtet, und derjenige der sie begangen hat ist untendurch, fertich. Tabu ist höchstens, diese Person die das gemacht hat in Schutz zu nehmen, aber das geschieht doch ohnehin nicht. Insofern ... :wink:
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Nö, was ist denn daran tabu? Es wird doch immer groß drüber berichtet [...]
In den Medien ist das Thema präsent, das stimmt. Aber darüber hinaus?
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sexuelle Gewalt gegen Kinder / Kindesmißbrauch / Kindermord / Kinderpornografie, um mal ein paar Schlagworte einzuwerfen
Naja, aber "heilig" sind diese Themen ja nun nicht. Sie sind auch kein Tabu in der Presse. Es wäre höchstens ein Tabu, positiv darüber zu berichten. Vielleicht weil unsere Kinder für uns heilig sind?
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Nö, was ist denn daran tabu? Es wird doch immer groß drüber berichtet [...]
In den Medien ist das Thema präsent, das stimmt. Aber darüber hinaus?
An den Stammtischen, in Foren, Büchern, ... gibt genug, wo es immer wieder zur Sprache kommt.
Ich glaube, du verwechselst das mit den Hemnissen, solche Dinge im kleinen anzusprechen. Das geschieht dann aber nicht weil es etwa ein Tabu wäre, sondern aus der Angst heraus, dass man einen Menschen den man eigentlich mag zu den "Schlechten" zählen zu müssen, neben der Tatsache, dass vielen die Vorstellungskraft fehlt, jemand aus dem eigenen Umkreis könnte so etwas tun. Dazu zählen aber auch viele andere Phänomene, wie Vergewaltigungen, Mobbing, dass wer in Therapie ist etc... alles Dinge die man im Kleinen ungern anspricht. Tabu sind diese Sachen aber dennoch nicht, da allgemein gesehen ja doch geredet und auch diskutiert wird.
Colourize geht es ja nicht um kleine private Tabus einzelner, sondern um gesellschaftliche (denke ich mir zumindest).
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Wie wäre es denn mit dem Glauben an die Heiligkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Wenn ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften leugne, dann werde ich doch zu einer Persona non grata, oder?
Ich fürchte, an solche Leute werden wir uns gewöhnen müssen. Und aufbringen kannst du die Masse damit wahrscheinlich auch nur bedingt, schließlich ist ein großer Teil der amerikanischen Bürger dieser Ansicht, einschließlich ihrem Präsidenten, in dem sie auch gleich den berühmtesten Vertreter der "Darwin hat nur Mist erzählt"-Theorie gefunden haben.
Einem Land, in dem an Schulen unterrichtet wird, dass Gott die Welt erschaffen hat und mit Adam und Eva alles begann, sind die Naturwissenschaften nicht heilig!
Zwar ist dem in Deutschland nicht so, aber geht hierzulande die Masse dagegen an, wenn Amerika sagt Naturwissenschaft ist Nonsense?
Mal angenommen, Amerika würde anfangen ernsthaft gegen naturwissenschaftliche Theorien und Forschungen vorzugehen, würde Europa dann einheilig dagegen stehen? Würde sich die Deutschen in ihrer Ehre angegriffen fühlen?
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Wie wäre es denn mit dem Glauben an die Heiligkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Wenn ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften leugne, dann werde ich doch zu einer Persona non grata, oder?
Nein.Wenn du pauschal alle naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus Prinzip leugnen würdest, würden dich die Leute für ein bischen doof halten, aber nicht für einen Tabubrecher in diesem Sinne :wink:
Wie wäre es denn mit dem Glauben an die Heiligkeit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Wenn ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaften leugne, dann werde ich doch zu einer Persona non grata, oder?
Ich fürchte, an solche Leute werden wir uns gewöhnen müssen. Und aufbringen kannst du die Masse damit wahrscheinlich auch nur bedingt, schließlich ist ein großer Teil der amerikanischen Bürger dieser Ansicht, einschließlich ihrem Präsidenten, in dem sie auch gleich den berühmtesten Vertreter der "Darwin hat nur Mist erzählt"-Theorie gefunden haben.
Einem Land, in dem an Schulen unterrichtet wird, dass Gott die Welt erschaffen hat und mit Adam und Eva alles begann, sind die Naturwissenschaften nicht heilig!
Zwar ist dem in Deutschland nicht so, aber geht hierzulande die Masse dagegen an, wenn Amerika sagt Naturwissenschaft ist Nonsense?
Mal angenommen, Amerika würde anfangen ernsthaft gegen naturwissenschaftliche Theorien und Forschungen vorzugehen, würde Europa dann einheilig dagegen stehen? Würde sich die Deutschen in ihrer Ehre angegriffen fühlen?
Naja, es ist ja nun nicht so, das Amerika geschlossen hinter der Ansicht der Kreationisten steht, dafür gibt es auch dort viel zu viel Gegenwind.
Und der letzte Absatz ist mir zu abwegig.Das würde nicht geschehen, zumindest nicht in dem demokratischen Amerika von heute.
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Und der letzte Absatz ist mir zu abwegig.Das würde nicht geschehen, zumindest nicht in dem demokratischen Amerika von heute.
Das will ich aber auch schwer hoffen! ;)
Und daran glauben tu ich auch nicht.
Ich habe nur im Januar drei Reportagen auf verschiedenen Sendern gesehen, in denen es um dieses Thema ging. Dabei bin ich wahrscheinlich ein wenig den Medien auf dem Leim gegangen, danach hatte ich nämlich das Gefühl, dass fast alle Amerikaner so denken.
Interessant finde ich die Frage aber trotzdem.
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Familie,Freunde,Musik und Lebensgleichgewicht zu finden.(IMXO)
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Familie,Freunde,Musik und Lebensgleichgewicht zu finden.(IMXO)
Streiche Familie und ich stimme zu.
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Familie,Freunde,Musik und Lebensgleichgewicht zu finden.(IMXO)
Streiche Familie und ich stimme zu.
Wieso, dazu könnte ja auch eine von dir selbst gegründete Familie gehören.
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Familie könnt ja auch eine Partnerschaft bezeichnen, also mit gemeinsam leben zum Beispiel.
Ich stimme zu, auch mit der Familie. :)