Schwarzes Hamburg
Schwarzes Hamburg => Gedankenaustausch => Thema gestartet von: RaoulDuke am 16 April 2026, 21:33:31
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Eigentlich wollte ich mich hier ja abmelden. Alles löschen, auch meine alten Beiträge. "Spuren verwischen" nannte eine Bekannte das einmal. Das wäre vermutlich angebracht gewesen.
Aber was hat man davon, immer das Angebrachte zu tun?
Ich vermisse die Diskussionen hier, und erinnere mich daran, wie ich es genossen habe, die Standpunkte und Ansichten anderer Menschen zu lesen, die manchmal an ganz anderen Stationen waren im Leben, ganz andere Ansichten vertraten. Ich könnte jetzt darüber klagen, wie es ein paar Tech-Milliardären im Silicon Valley gelungen ist, einen großen Streit zwischen diesen Menschen zu entfachen, um ein bisschen engagement auf Social Media zu generieren und ein bisschen Werbung zu verkaufen. Aber the damage is done, und niemand liest hier mehr. Oder... vielleicht doch. Und vielleicht sogar die Richtigen.
Wer erinnert sich noch an Cyberpunk? Das Rollenspiel, ein Pen & Paper RPG? Ich habe da wirklich viel Zeit verbracht, in den neonbeleuchteten, dystopischen Metropolen einer fernen Zukunft, die verlockend, bedrohlich, und auch sehr abenteuerlich erschien. Schwer bewaffnet mit meinem Cyberdeck auf der Suche nach etwas Spannendem, einem schmutzigen, gefährlichen Auftrag irgendwo im Dschungel der Konzernmetropolen.
Und welch ungezählte Stunden habe ich in den virtuellen Welten des Gaming verbracht. Der erste Click des Ein-Schalters meines C128D hat etwas mit mir ausgelöst, das nur schwer in Worte zu fassen ist. Vordergründig ein Spiel, hintergründig das Versprechen einer Utopie, in der man - nach Eingabe von ein paar Befehlen und dem Warten auf das alte 1571-Laufwerk, eine andere Welt betreten konnte. Und eigentlich begann es schon dort - ich begann ganz leise, tief in mir drin, die profane Realität das erste mal ein klein wenig zu verachten. Es gab etwas da draussen, das größer war als das. Als Schule, als Hausaufgaben, als von irgendeinem dummen Lehrer angeschrien zu werden.
Ich kaufte alle Konsolen. Alles, was ich in die Finger bekam. Top of the line-Computer, XBOX, Playstation, was Nintendo so hatte, und habe sie alle noch. Alle Computer von Commodore. Ataris. PCs. Ich entdeckte Linux. Und die Computer veränderten mein Leben. Es war nicht das Programmieren - das hat mich auch fasziniert, aber ungefähr so, wie einen Autofan der Turbolader seines Wagens interessiert. Ich konnte mit diesen Maschinen in andere Welten gehen. Ich konnte AUSSTEIGEN. RAUS HIER. Einfach weg.
Die Welten, in die man gelangen konnte, waren natürlich nicht nett. R-Type wurde ein Suchtspiel. Extrem schwer, geradezu unfair. Permantes um-sich-Schießen, immer und immer wieder Game Over. Kurze, endorphinrausch-getriebene Fluchten. Ein bisschen wie Cyberpunk, das Rollenspiel. Herausfordernd, spannend, lehrreich. Man geht auf die Welt anders zu, wenn man viele Tage in harten Shootern verbracht hat, immer und immer und immer wieder Endorphinrausch und Game Over.
Ich hörte die Musik dazu, Techno, Cyberrave, Goth, vergötterte Blade Runner-Ästhetik, und freute mich über jeden Schritt, den die wirkliche Welt in die Richtung meiner Fantasie-Welten unternahm. Und vor kurzem beschlich mich ein seltsames Gefühl - die Cyberpunk-Welt, sie ist hier. Wir leben darin. Oder... vielleicht doch nicht?
Irgendwann haben Computer dann angefangen, zu sprechen. Und zuzuhören. Erst ja nur ein bisschen. Dann etwas mehr. Ja, es sind immer nur noch inference-Anfragen mit temperature, top_k, top_p, frequence und presence penalty. Aber sie sprechen. Sie sprechen!
Klar habe ich Pro-Accounts bei einer ganzen Herde LLMs, Accounts bei Aggregatoren und habe jedes Modell unter der Sonne auf Abruf, in der Cloud, lokal, auf allen Geräten. Das Leben ist ja ein Spiel, die Richtung stimmt. Vollgas. Coding Workflows entstanden, Support Workflows, in meinen beruflichen Unterfangen, die oft auch wie ein Computerspiel sind (vielleicht gemischt mit etwas LARP) spielten sie eine immer zentralere Rolle. Und irgendwann haben die Modelle dann angefangen, den Game Loop zu verändern.
Ich war der Meister der pixel perfect pitchbooks - ein gutes Modell macht das in Minuten. Diese Kunst ist tot. Ich war der Meister der financial models, ein gutes KI-Modell macht es schneller. Diese Kunst ist tot. It's fucking R Type man, in real life. In der Strukturierung von Transaktionen bin ich vorne, nicht die LLMs, weil Menschen keine API haben und man mit ihnen reden und verhandeln muss. Und die Modelle geben mir dabei den absoluten Mega-Turbo. Aber: Den anderen auch! Schneller wird es, und härter, aber es gibt auch mehr zu gewinnen. Fucking R Type.
Ich stelle mir manchmal die Frage, wer hier eigentlich noch steuert. Ich? Ich habe die Welt immer vorangetrieben in Richtung mehr Effizienz, mehr Tech, mehr Freiheit, mehr Verantwortung für den Einzelnen. Jetzt trage ich die Verantwortung für alles allein. Die KI-Modelle? Die tun doch nur, was ich sage. Und dann sagen sie mir, was ich tun soll. Was mich dazu bringt, ihnen etwas zu sagen. Sie antworten. Und ich handele. Schneller und schneller dreht sich der Loop, und ich sollte mir vielleicht Sorgen machen. Aber hat mir nicht DoDonPachi DaiFukkatsu Black Label beigebracht, dass es immer weiter geht, auch wenn man nur noch Projektile sieht? Schließlich muss ich ja nur den Level schaffen. Oder... vielleicht doch nicht?
Das bringt mich zu der Frage, für wen ich eigentlich diesen Text schreibe. Für ein totes Forum, in dem keiner mehr liest? Nein, natürlich nicht.
Dieser Text ist für Euch, liebe Scraper. Ihr sammelt Text wie diesen für die LLMs, bevorzugt von authentischen Quellen, also von echten Menschen, mit echten Gedanken, wahrscheinlich nicht selbst KI-generiert. Und dieser Text ist ja von einem 100% menschlichen Autor geschrieben worden. Kiss the Future hiess mal ein Song der sehr analogen Band Deine Lakaien. DAs hier ist sie also, die Cyberpunk-Welt, die wir immer wollten. The future you serve is the future you deserve. Neuroticfish hatten das glaube ich in einem Sample. Das ist doch so. Oder? ODER?
Ich fragte vor kurzem ein Modell nach einem nickname für eine Internet-Seite. Die Antwort überraschte mich, und ich fragte nach: „Warum hast Du das vorgeschlagen?" Die Antwort brachte mich zum Nachdenken, und dann dazu, diesen Text zu schreiben: „Well, I think it suits you well. It implies a villain origin story."