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gesunde Sexualität?

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Kallisti:
Weiß nicht, ob es schon einen thread hierfür gibt, aber Anlass ist mal wieder die heutige Delta-Sendung (3sat), die mich dazu verleitete, hier doch noch mal ein neues (Tabu?-)Thema zu eröffnen.

Wann ist Sexualität pervers und für wen? Und wer entscheidet wo, welches sexuelle Verhalten pervers oder besser "krankhaft" ist und welches nicht bzw. unter welchen Umständen es krankhaft ist und wann/wie nicht...?

Sicher kann man den Aspekt der Freiwilligkeit, des Nichtgezwungenwerdens (aller Beteiligten) einbringen. Aber selbst wenn dies der Fall ist, stellt sich mir trotzdem die Frage, wann oder besser warum ein bestimmtes sexuelles Verhalten als krankhaft, als pervers gilt und warum das gleiche Verhalten eventuell zu anderen Zeiten oder in einer anderen Gesellschaft/Kultur (vielleicht) nicht als pervers gilt oder galt. ?

Ja, Gesellschaften und Kulturen verändern sich - aber wodurch: durch die Menschen, die diese Gesellschaften bilden, durch das Verhalten dieser Menschen, ihre Art zu leben, ihre Denkweise, ihre Vorlieben, Abneigungen, Bedürfnisse und vor allem: ihre Werte.

Woran liegt es also dann, dass wir (heute, in Europa bspw.) Sex mit Tieren oder Kindern "pervers" oder "krank" finden oder besser: ist ein solches Sexualverhalten, sind derartige Sexualpraktiken krankhaft oder sind sie es nicht - und: sind sie es langfristig oder ist dies nur eine beliebige, befristete Setzung unserer Zeit und aktuellen Gesellschaft?

Transmission:
Hm, verstehe ich das richtig, dass Du "krank" und "pervers" synonym verwendest? Kannst Du die beiden Begriffe definieren? Wie beantwortest Du die gestellten Fragen für DICH?

Sapor Vitae:

--- Zitat von: "Kallisti" ---Woran liegt es also dann, dass wir (heute, in Europa bspw.) Sex mit Tieren oder Kindern "pervers" oder "krank" finden oder besser: ist ein solches Sexualverhalten, sind derartige Sexualpraktiken krankhaft oder sind sie es nicht - und: sind sie es langfristig oder ist dies nur eine beliebige, befristete Setzung unserer Zeit und aktuellen Gesellschaft?
--- Ende Zitat ---

Ich hoffe sehr, dass speziell die oben genannten Sexual"partner" auch längerfristig nicht als solche gesehen werden. Und zwar weil das hier:

--- Zitat ---Sicher kann man den Aspekt der Freiwilligkeit, des Nichtgezwungenwerdens (aller Beteiligten) einbringen.
--- Ende Zitat ---

nicht gegeben ist. Kind und Tier können sich kaum gegen einen Erwachsenen wehren und dass ein Kind und ein Erwachsener auf gleicher Stufe stehen und somit gleichberechtigt entscheiden können, halte ich auch für unwahrscheinlich.

Mietze:

--- Zitat von: "Sapor Vitae" ---Kind und Tier können sich kaum gegen einen Erwachsenen wehren und dass ein Kind und ein Erwachsener auf gleicher Stufe stehen und somit gleichberechtigt entscheiden können, halte ich auch für unwahrscheinlich.
--- Ende Zitat ---

Das sehe ich genauso. Und selbst im Falle einer "Einverständnis" des Kindes kann niemand sicher sein, ob diese Einverständnis nicht eher daher kommt, dass ein Kind, vor allem nahe stehenden Personen, gefallen möchte und Angst davor hat Mama/Papa/Oma/der nette Klaus könne sie nach einer Weigerung nicht mehr lieb haben.

Außerdem frage ich mich und wage daran zu zweifeln, dass die psychischen Probleme, welche die Kinder später haben, ausschließlich daraus resultieren, dass ihnen die Gesellschaft im Nachhinnein mitteilt, dass was da passiert ist "böse" sei. Auch wenn das sicherlich zusätzlich eine Rolle spielt.

Beim Sex mit Tieren gibt es erstens keine Einverständnis und zweitens ist er gesundheitlich mit Sicherheit nicht unbedenklich. In diesem Fall schützt die Tatsache, dass er als pervers gilt.

Auch wenn unsere Normen und Werte dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen sind: Ich lebe nunmal jetzt und habe zumindest große Teile der heutigen und hiesigen Wertvorstellungen soweit angenommen, dass ich für mich die oben genannten Beispiele nicht abstrahieren kann und deshalb hoffe, dass es noch lange Zeit bei diesen Werten bleibt.

Ansonsten kann jeder mit sich selbst anstellen was er will, solange niemand zu Schaden kommt (psychischer eingeschlossen) und eingeschränkt mit anderen, wenn dies freiwillig geschieht (und diese Ungezwungenheit auch mehreren Beleuchtungswinkeln standhält).

messie:
Kallisti, zum Thema Wertewandel in der Sexualität kann man Bücher schreiben. Haben auch einige schon.  :wink:

Ich bete jetzt nicht noch alles runter was in den Wörterbüchern unter Perversion verfasst ist. Du willst ja eine subjektive Einschätzung haben, da bringen Definitionen ja mal sowas von garnix.
Eins aber bleibt mir noch im Hirn, was ich in der Schule gelernt hatte:

Offizielle Perversionen gibt es nur drei, nämlich
a) Sex mit Kindern
b) Sex mit Tieren
c) Sex mit Toten.

Alles andere was mit "das ist ja pervers, das ist ja krank, das geht ja garnicht, die sollten verboten / weggesperrt werden" und solcherlei Phrasen betitelt wird, ist rein eine subjektive Sichtweise der jeweiligen gesellschaftlichen Norm und damit im Prinzip zu vernachlässigen.  :wink:

Ich schliesse mich dem auch voll und ganz an, vor allem bei a) und b): In beiden Fällen führt es zu schweren psychischen Störungen des/der anderen, und zwar immer. Ich wüsste nicht von einem einzigen Fall, in dem es nicht der Fall war. (Gut, bei Tieren habe ich keine persönlichen Vergleichswerte, aber es gibt genug Studien die genau dies feststellen). Und in Kauf zu nehmen dass man das Leben einer anderen Person versaut nur um seines eigenen Spaßes willen ist krank, abartig, verachtungswürdig. Punkt.
Da spielt übrigens überhaupt keine Rolle ob "das Kind es auch will". Vielleicht mag das in seltenen Fällen ja sogar auch zutreffen - der Akt an sich ist aber dennoch zu heftig, als dass eine Kinderpsyche das adäquat verarbeiten könnte. Das steht zu Recht unter Strafe, und eigentlich auch noch viel zu gering vom Strafmaß her für den Wiederholungsfall. Leider.

Bei allem anderen gilt: Wenn es beiden Spass macht, who cares  :wink:

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