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Gewerkschaften
Thomas:
--- Zitat von: "searcher" ---aber es ist doch eindeutig festzustellen, das arbeit die nur geringe fertigkeiten benötigt und die auch deutlich am unteren ende der lohnskala anzusiedeln sind, aufgrund von gewerkschafts"arbeit" überbezahlt werden und uns deshalb eben diese arbeitsplätze fehlen.
--- Ende Zitat ---
Überbezahlt ist relativ.Sicherlich kann man das als Überbezahlung sehen, wenn hier jeder Aushilfsausfeger noch genug Geld für Neuwagen, Reihenhaus und zwei mal Jährlich Urlaub in Mallorca verdient.Aber die Alternative wäre ja dann, Löhne wie in China zu bezahlen, und das kann es für ein so hochentwickeltes Land wie die BRD ja auch nicht sein.
Irgendjemand muß ja die ganzen Waren, die Produziert werden, auch kaufen, damit die Wirtschaft läuft.Und das sind nicht die ein-Euro-Jobber.Mir geht dieser Konsumkreislauf auch gegen den Strich, aber es gibt momentan nunmal kein besseres gesellschaftliches Konzept für alle.
Ich gehe auch davon aus, das viele der alteingessenen deutschen Unternehmer noch genug Moral im Leib haben, um obiges ähnlich zu sehen.
Da kann man sich aber eben nicht drauf verlassen, gerade nicht bei ausländischen Konkurenten.Nimm z.B. mal Walmart, wenn's nach deren Geschäftsführung geht, dann gibt es morgen sicherlich eine Betriebsvereinbarung, in der steht, das ab dem nächsten ersten alle Arbeitnehmer für 5 EUR im Monat zu arbeiten haben.
--- Zitat von: "searcher" ---
auch führen flächentarifverträge dazu das gerade kleine betriebe die tariflöhne nicht zahlen können aber müssen und sich deshalb in die pleite wirtschaften. auch hier gehen also arbeitsplätze auf kosten der gerkschaften verloren.
ebenso der arbeitgeberanteil der lohnnebenkosten, der sich auf eine initiative der gewerkschaften zurückverfolgen lässt, führt in vielen auch wieder meist kleinen oder mittleren betrieben zu vielen pleiten.
ist es also nicht viel sinnvoller innerbetriebliche organisationen zu gründen, sehr gerne auch auf einer gesetzlichen grundlage, und für jeden betrieb die passende lösung zu finden? hier wäre ja auch dann ein druckmittel der arbeitnehmer vorhanden.
--- Ende Zitat ---
Sind sicherlich alles diskussionswürdige Dinge, ändert aber nichts an dem Prinzip der Notwendigkeit einer nicht zu schwachen Arbeitnehmervertretung.Wie das nun im einzelnen aussieht, muß man sehen.
searcher:
aber mit "muss man sehen" , wird doch keine verbesserung herbeigeführt! ist es an dieser stelle nicht villeicht doch nötig etwas offensiver vorzugehen?
ich finde es ist nötig zu zeigen das die gewerkschaft unserer wirtschaft schaden anstatt ihr wie in früheren zeiten zu helfen und sie auf ein angemessenes maß zurückzustutzen.
Der Uhu:
@ Searcher: Nein, sie schaden nicht der wirtschaftlichen Entwicklung. Es schadet unserer wirtschaftlichen Entwicklung, daß es in China keine Gewerkschaften gibt.
1. Gemäßigte Lohnentwicklung sorgt für Wohlstand der Bevölkerung, hohe Rotationsgeschwindigkeit des Geldes duch hohen Konsum, soziale Sicherheit, stabile politische Systeme und somit verlässliche Strukturen und ein gutes langfristiges Investitionsklima.
2. Überzogene Lohnpolitik führt zur Stagnation der Wirtschaft durch fehlende Konkurrenzfähigkeit. Der Konsum verringert sich wegen Massenentlassung. Aufgrund von sozialer Unsicherheit wird Geld gehortet anstatt es auszugeben. Das führt zu geringer Rotationsgeschwindigkeit des Geldes und zu einem schlechten Investitionsklima.
(3. Sparsame Lohnpolitik: niedrige Löhne, deshalb weniger privater Konsum, soziale Ungleichheit und Spannungen, hohe Konkurrenzfähigkeit gegenüber Niedriglohnländern. Dementsprechend führen niedrige Löhne nur dann zu einem guten Investitionsklima, wenn anderswo Märkte bestehen, wo man seine Waren absetzen kann, wenn also Produktionsort und Markt getrennt sind. Für westliche Industriestaaten ist das demnach kein Modell, denn sie sind der Markt. Wem sollen wir unsere Autos verkaufen. Die Leute in Billiglohnländern haben das Geld nicht und die eigenen Arbeiter haben es auch nicht. Es ginge nur, wenn ein Markt extrem untersättigt ist mit Waren, aber das trifft auf den Westen nicht zu. Kurzfristige Investitionen dominieren (man produziert dort bis jemand anders noch billiger woanders produziert).
Ich bevorzuge Nr 1. Du scheinst Nr 3 zu befürworten, weil Du annimmst, daß die Existenz von Gewerkschaften automatisch zu Nr 2 führt. Ich denke, das ist nicht so.
Ich persönlich habe keine Lust auf ein weltweites Wettrüsten, wer am wenigsten bezahlt. Ich möchte eine Gesellschaft mit einer starken Mittelschicht. Eine Entwicklung, wie searcher sie vorschlägt führt zu einer (zahlenmäßich) starken Unterschicht und einer starken Oberschicht. Eine wenig erstrebenswerte Entwicklung.
searcher:
ich muss dir in allen punktenrecht geben. möchte allerdings noch anmerken das deine aussagen nur unter den bedingungen der flexiblen preise richtig sind. du hast also quasi die klassisch-neoklassische theorie aufgezeigt.
ich bin allerdings der meinung das gewerkschaften zu inflexiblen preisen führen, also der keynesianischen theorie. und das hat zur folge das die entsprechenden marktmechanismen, die du aufgezeigt hast, nicht funktionieren.
Der Uhu:
Ich sehe nicht, wieso sie nach Keynes nicht funktionieren sollten. Kannst Du das mal erläutern?
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