Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft
Nieder mit den Gewerkschaften?!
sYntiq:
--- Zitat von: Ujigami am 13 November 2014, 22:03:28 ---Aber sonst? Sollte ich jetzt irgendwie realitätsfremd gucken? ;)
--- Ende Zitat ---
A) Normalerweise sucht man sich seinen Job ja auch halbwegs nach dem aus was einem liegt.
Als Müllmann(Abfaltechniker, oder wie auch immer das inzwischen heisst) würde ich mehr verdienen als jetzt. Ist nur so gar kein Job für mich. Als Pilot verdiene ich mehr, kann früher in Rente und habe mehr Urlaub. Um "mal eben" zu wechseln, fehlt mir aber die Ausbildung. (Und die könnte ich wohl auf. Grund fehlender körperlicher Vorraussetzungen gar nicht machen..)
Und selbst wenn man innerhalb seiner Branche wechseln will, geht das nicht unbedingt mal eben. Bei dir hatte das ja gut geklappt. :)In anderen Branchen jedoch kann das ganz schön schwer sein. Weil sie zu klein sind, oder sich die Jobanforderungen mittlerweile komplett geändert haben usw usw...
B) weisst du ja gar nicht ob sich die Arbeitsbedingungen durch einen Wechsel wirklich verbessern. Ok, wenn man nur auf Dinge wie "mehr Geld", "mehr Urlaub" etc. als gute Arbeitsbedingungen sieht und einem der Rest (ob man dann nur noch rumsitzt und sich langweilt, oder im Dauerstress ist und von seinem Vorgesetzten täglich zusammengeschissen wird etc.) völlig egal ist, lässt sich das im Vorfeld klären. Aber bei manchen gehört mehr zu guten Arbeitsbedingungen als Geld.
C) Das Alter. Ab einem gewissen Alter wird es schwer mal eben in einer anderen Firma eine Anstellung zu bekommen.
D) "soziale Stellung" (Ich weiss grad nicht wie ich das nennen soll): Menschen auf Management/Geschäftsführungsebene, usw. mit hohem Bildungsstand etc. können vieleicht tatsächlich "mal eben" wechseln. Aber was ist mit dem Großteil, dem "Proletariat", dem 08/15 Angestellten?
E) Der Arbeitsmarkt an sich. Wir leben hier nun mal leider nicht in Vollbeschäftigung. Es kann also sehr gut sein dass ich wechseln will, der Arbeitsmarkt aber gar keine entsprechende Stelle anbietet.
(Disclaimer: Ja, ich weiss das es bei Tarifverhandlungen vorwiegend auf Gehalt, Urlaub, Arbeitszeit ankommt. Ich hab die "guten Arbeitsbedingungen" jetzt aber eher allgemein gesehen. Und: Wenn alles perfekt ist, nur das Geld nicht, kämpfe ich lieber für mehr Geld, als den ganzen "perfekten" Rest gegen Unsicherheiten auszutauschen, nur weil es beim neuen Job mehr Geld gibt)
nightnurse:
Hupps, zu lange formuliert. Kurzform: Was sYntiq sagt ^^
--- Zitat von: Ujigami am 13 November 2014, 22:03:28 ---Die Arbeitgeber wollen ja die Arbeitsleistung kaufen. Wenn sie schlechte Bedingungen oder einen schlechten Preis bieten, geht man eben woanders hin, so die für mich völlig einleuchtende Logik.
Sollte ich jetzt irgendwie realitätsfremd gucken? ;)
--- Ende Zitat ---
Ja, ich finde, Du solltest :P
Ist ja ne schöne Theorie, daß man einfach die Stelle wechselt, wenn sie einem zu wenig Geld und/ oder zu fiese Bedingungen bietet. Aber für die allermeisten Menschen ziemlich praxisfern.
So leicht ist es auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht, daß man mal flott zu einer besser bezahlten Arbeit mit besseren Bedingungen kommt. Das ist ein multifaktorielles Geschehen (wie alt ist man, wie ist man qualifiziert, wie ist das gefragt bei Arbeitgebern und wie groß ist die Zahl derer, die genau das zu bieten haben und wie verzweifelt sind die...).
Ja, der Arbeitgeber möchte Leistungen einkaufen - aber (natürlich) möglichst billig. Da ist es in den meisten Branchen schwer bis unmöglich, sich als Arbeitnehmer hinzustellen und zu sagen "ich hab dieunddie Gehaltsvorstellung" - vielmehr wird ein Arbeitgeber sagen, wieviel er zahlt und das kannste dann nehmen oder eben nicht, "Vor der Tür stehen genug andere!".
Nebenbei gibt es auch noch sowas wie Tarifverträge. Die ich zu schätzen gelernt habe (längere Ausführung über privatwirtschaftliche Pflegeunternehmen gestrichen), die aber auch Grenzen setzen.
Und wenn Du wirklich dringend was zu beißen brauchst, verkaufst Du Dein Fahrrad auch irgendwann unter der ursprünglichen Preisvorstellung.
(Oder behältst es und gehst zu Tafel, harrharr?)
Jedenfalls ist es für überraschend viele Menschen Realität: Lieber einen Scheißjob zu haben als gar keinen.
(Zufriedene Mitarbeiter sind ja übrigens auch ein Vorteil für ein Unternehmen, nech, aber so weit reicht bei vielen der Blick nicht.)
Julya:
Was Syntiq sagt und was nighty sagt!!!!!!einself!
Wie Du, Raoul, ja live und in Farbe an Deiner Freundin siehst, ist es in einem "normalen" (Handwerks-)Beruf nicht so leicht, seine Arbeitskraft zu einem Preis zu verkaufen, der nicht nur knapp über Hartz4 liegt. Selbst mit gutem Schulabschluss, gutem Berufsabschluss und mehreren Jahren vielseitiger Erfahrung.
Selbst wenn einem kein Amt im Nacken sitzt, wird man irgendwann so verzweifelt sein, dass man sich unter Wert verkauft.
Also, ja, da bist Du realitätsfern.
Schattenwurf:
Das "Problem" ist das es schlicht nicht genug Arbeit gibt.
Auch nicht geben wird oder geben kann.
Auf der anderen Seite ist Arbeit aber ein Menschenrecht. Man kann es natürlich zu einer rein ökolologischen Frage machen ... und die Arbeit zur Ware. Dann ist die Zeit eines Menschen halt eine Ware ... käuflich ... handelbar ... verhandelbar. Und dann stellt sich schlagartig die Frage nach Eugenik und sozialverträglichen Ableben ein ... und man muss anerkennen, das man durch einen winzigen, geradezu umwichtigen, Spin in seiner Weltsicht zu einem Monster mutiert ist ... leider nicht aufgepasst. Und schon rollen wieder Züge, weil der Mensch und sein Wesen Verhandlungssache ist ... und Nietzsche ja doch recht hatte.
CubistVowel:
--- Zitat von: Ujigami am 13 November 2014, 22:03:28 ---Das einzige, was mir als Gegenargument einfallen würde, ist der Umstand, dass man zum Annehmen bestimmter Arbeiten zu einem bestimmen Lohn vom Staat geradezu gezwungen werden kann. Das halte ich für unrichtig und es verschiebt einseitig die Verhandlungsmacht. Aber sonst? Sollte ich jetzt irgendwie realitätsfremd gucken? ;)
--- Ende Zitat ---
Mir egal, wie du guckst, es reicht, wie realitätsfremd du schreibst...^^
Für die meisten Leute ist es leider bittere Realität, dass sie "zum Annehmen bestimmter Arbeiten zu einem bestimmen Lohn vom Staat geradezu gezwungen werden" können, ohne dass sie das mit einem lässigen "Aber sonst?" einfach abtun könnten. Die Hartz-Gesetze haben in Deutschland den größten prekären Arbeitsmarkt Europas geschaffen, nach Gas-Gerd Schröders eigenem Bekunden. Wer heute seinen Job wechselt/wechseln muss, hat eine gute Chance, sich noch schlechtere Arbeitsbedingungen einzufangen.
Naja, ansonsten wurde ja alles schon geschrieben.
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