Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft

Hamburger Volksentscheid am 22.09.2013

<< < (6/8) > >>

Inverted:

--- Zitat von: Ujigami am 18 September 2013, 22:07:34 ---
--- Zitat von: Inverted am 18 September 2013, 13:34:19 ---Unter voller staatlicher Kontrolle sind eher Zustände wie beim HSV zu befürchten, eine Griechenlandisierung der Hamburger Stromversorgung wäre nicht unwahrscheinlich.

--- Ende Zitat ---

Das fürchte ich auch, denn wie sagst Du so schön...


--- Zitat von: Inverted am 18 September 2013, 13:34:19 ---Wenn Staats- bzw. Planwirtschaft funktionieren würden - der Ostblock mitsamt der DDR wären das Paradies auf Erden gewesen.

--- Ende Zitat ---

Das trifft den Nagel ja so dermaßen auf den Kopf! :)

... aber dennoch habe ich ein grundsätzliches Problem mit der Privatisierung einiger Bereiche, die sich vormals unter öffentlicher Kontrolle befunden haben. Bei einigen ehemaligen staatlichen Monopolen hat uns Privatisierung Riesenfortschritte gebracht - man denke nur an die Privatisierung der Kommunikationsnetze. Andererseits verstehe ich die Argumentation, dass man bei hohen Fixkosten, aber geringen variablen Kosten in Kombination mit positiven Erträgen zu einem natürlichen Monopol kommt, da das Schaffen von Konkurrenz zu einer Vervielfachung der Fixkosten führen würde (es müssten halt mehrere Leute Leitungsnetze installieren). Die Kosten des Gutes "benutzbares Stromnetz" sind also insgesamt am günstigsten, wenn es nur einen Produzenten gibt. Dummerweise führen Monopole zur Abschöpfung von Monopolrenten und damit zu Ineffizienzen.

Wie löst man das? ... der Staat hat das o.g. Problem (im folgenden nur "Nordkorea-Thema" genannt), ein natürliches Monopol führt zur Möglichkeit einzelner Unternehmen, erheblich über den Kosten zu bepreisen, selbst wenn das gesamtwirtschaftlich ggf. effizient ist (im folgenden als "Absahnerei" bezeichnet).

Gibt es Alternativen zwischen Absahnerei und dem Nordkorea-Thema? Spannende Frage! *grübel*

--- Ende Zitat ---
Die Dividende für die 25.1% sind ja fix (Olaf Scholz scheint da ein gerissener Fuchs zu sein), wohingegen die Gebühren für die Netze reguliert werden. Von daher entfällt die Möglichkeit, das Monopol unlauter zu missbrauchen.

Auch die in diesem Thread befürchtete Marodisierung der Stromnetze (mit der sich Vattenfall ohnehin ins eigene Fleisch schneiden würde) ist eher das Resultat erfolgreicher jahrzehntelanger antikapitalistischer linker Hetze denn rationaler Überlegungen: Jeder, der in einem grossen Unternehmen arbeitet, weiss, dass diese nicht so funktionieren.

nightnurse:

--- Zitat von: Inverted am 19 September 2013, 07:07:12 ---Auch die in diesem Thread befürchtete Marodisierung der Stromnetze (mit der sich Vattenfall ohnehin ins eigene Fleisch schneiden würde) ist eher das Resultat erfolgreicher jahrzehntelanger antikapitalistischer linker Hetze denn rationaler Überlegungen: Jeder, der in einem grossen Unternehmen arbeitet, weiss, dass diese nicht so funktionieren.

--- Ende Zitat ---

Das Beispiel "britisches Wasser" ist mir ein wirklich warnendes; es ist gut belegt, nicht nur von linksradikaler Journaille, und es zeigt, daß es die Möglichkeit gibt, daß große Unternehmen genau SO funktionieren. 
Vielleicht muss man mal selbst diesen Geruch von Schwimmbeckenwasser unter der Dusche und im Kaffee erlebt haben, um sich zu fragen, ob es wirklich DIE Lösung ist, alle Grundversorgung an Unternehmen zu geben, die irgendwie zu Gewinnen und Gewinnsteigerungen kommen müssen.

Ich würde natürlich gern glauben, daß ein deutscher™ Energieversorger das grundsätzlich anders handhaben würde. Vielleicht muss er das sogar, weil es um Elektrizität geht, nicht um Wasser, das weiss ich nicht.
Allein, es gebricht mir am rückhaltlosen Vertrauen in Die Wirtschaft und Den Markt (in Die Politik allerdings auch...).

Jack_N:
Das größte Problem was ich mit der ganzen Sache hab sind die halbgaren Aussagen der Rückkaufsbefürworter gegenüber einfachen "Hetzparolen" der Gegner.
Nirgendwo wird mal wirklicher Klartext mit konkreten Zahlen gesprochen.

Bestes Beispiel: In einem Interview mit dem Leiter der Rückkaufsfraktion, welches im lokalen Käseblatt abgedruckt wurde, wurde dieser darauf angesprochen dass ja auch bei einem Rückkauf der Stromnetze der Betrieb derselben neu ausgeschrieben werden müsse. Er konterte dann damit dass die Stadt sich ja dann auch als Betreiber darum bewerben müsse und da ja Vorteile hätte weil sie ja vom jetzigen Eigner quasi Personal übernehmen würde. Für den Rest müsse man sich da dann halt Partner suchen die was von der Sache verstehen würden, aber er hätte da volles Vertrauen in den Bürgermeister, und in an anderen Kommunen hätte das ja auch schon funktioniert (glaub Dresden war als Beispiel genannt).
Ähnliche Phrasen wurden im ganzen Interview gedroschen, wo ich mir immer nur dachte: Leute, wenn ihr einen klaren Fahrplan anmalen könntet: Schritt 1 ist dies, Schritt 2 dann das, dann und dann muss das gemacht werden - mit Zeitplan, denn die Termine zur Neuvergabe sind ja bekannt - dann würde ich euch auch zutrauen dass ihr den Kram wuppen könnt. Diese "wird schon klappen"-Mentalität ist mir aber ein Graus, so funktioniert Planung nicht.

Die Machenschaften der "etablierten" Parteien und deren gekaufte Werbeplakate mit angeblichen Aussagen von (uninformierten) Bürgern gehen mir aber noch mehr auf den Sack. So viel Dünnpfiff auf einem Haufen und so viel Polemik und Verallgemeinerung - da sehen ja sogar NPD-Wahlplakate dagegen wie eine Abhandlung des literarischen Quartetts aus.

Wir haben 5 vor 12, und ich hab wenn ich ehrlich bin keinen blassen Schimmer was ich wählen soll weil ich KEINER der beiden Parteien vertraue.

l3xi:
Hamburg1 sagt gemäß Hochrechnung: knapp 51% dafür und die notwendigen Stimmen sind auch zusammen...

colourize:
Ein Jahr nach dem Volksentscheid: "Das Stromnetz gehört jetzt der Stadt und wirft unerwartete Gewinne ab."

Link zum Abendblattartikel: Ein Jahr nach dem Netzekauf: Erste Erfolge, Risiken bleiben

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln