Schwarzes Hamburg > Politik und Gesellschaft
Hamburger Volksentscheid am 22.09.2013
SchwarzMetallerHH:
Weiter sind wir immernoch nicht.
Netze rückverstaatlichen ist gut.
2Mrd. aber auch viel Holz(und wenns nur 1Mrd. ist ist das auch noch ziemlich viel)
Und nur weil wir die Netze zurückwollen werden sie die Fillharmonie ja auch nicht einstampfen.
colourize:
--- Zitat von: SchwarzMetallerHH am 16 August 2013, 10:09:41 ---Weiter sind wir immernoch nicht.
Netze rückverstaatlichen ist gut.
2Mrd. aber auch viel Holz(und wenns nur 1Mrd. ist ist das auch noch ziemlich viel)
--- Ende Zitat ---
Wer ist "wir"?
Die Frage, ob die Netze in die Hand der Allgemeinheit gehören oder ob man das Funktionieren der Strom- und Wasserversorgung lieber der Konjunkturlage überlässt, ist eine Grundsatzentscheidung. Klar ist doch, dass die Leitungssysteme im Falle einer kapitalistischen Inwertsetzung so gewartet werden, dass sie geraaade noch so funtionieren. Schönes Beispiel ist etwa England, wo mehr als ein Drittel des Trinkwassers aus den maroden Wasserleitungen irgendwo auf dem Weg zum Endkunden versickert. Der Netzbetreiber hat natürlich ein Interesse an hohen Einnahmen aus der Versorgung der Bevölkerung, aber kein Interesse an Investitionen in eine Sanierung der Leitung. Also passiert rein gar nichts an dem maroden Leitungssystem - außer dass die Wasserpreise für den Endkunden natürlich immer weiter steigen, weil immer mehr Wasser verloren geht.
Bei den Energienetzen wird das ganz ähnlich laufen. Nachhaltiges Wirtschaften ist weniger attraktiv als hohe Renditen. Fakt ist, dass der Verbraucher ja im Falle eines Marktmonopols wie bei den Energienetzen kaum einen Handlungsspielraum hat. Entweder kauft man dem Monopolisten seine Leistung zu dem geforderten Preis ab, oder man stellt sich selbst ein Dieselaggregat in den Garten, haha.
Offensichtlich ist letzteres eine schlechte Alternative, zumal ich gar keinen Garten habe. Ob sich die Kosten für den Rückkauf dann auf 1 Mrd., 2 Mrd. oder 3 Mrd. belaufen, ist da vergleichsweise nachrangig. Aber, wenn man 2 Mrd. auf die 1,7 Mio. Einwohner Hamburgs bezieht, gewinnt man ein Gefühl für die Größenordnung: der Rückkauf kostet ca. 1200 Euro pro Einwohner. Ich bin mir sicher, dass wir den Rückkauf in nicht mal zehn Jahren wieder raus haben, denn der Monopolist wird
a) sich die Durchleitung von Energie von uns in den nächsten Jahren teuer bezahlen lassen da er damit ja Gewinne machen will,
b) Investitionen in das Leitungssystem hinter Renditeinteressen zurückstellen und ein marodes System hinterlassen und
c) irgendwann früher oder später mal in Zahlungsschwierigkeiten geraten und dann mit Steuergeldern gerettet werden, weil wir ja schließlich ein funktionierendes Netz brauchen. Sodann müssen die total runtergerockerten Leitungssysteme, mit denen die Aktionäre jahrzehntelang Geld verdient haben, schließlich dann auf Steuerkosten totalsaniert werden.
nightnurse:
´keh, das waren mal bisher vage gefühlte Dinge schön ausformuliert. Ich bin überzeugt :)
Inverted:
--- Zitat von: CommanderChaos am 15 August 2013, 11:04:56 ---Wie ich schon auf Facebook sagte: ich kenne kein einziges Beispiel, bei dem Privatisierung von Infrastruktur etwas Gutes gebracht hat, wohl aber Gegenbeispiele: Bahn, Telekom, Post, Wasser (in Portugal u.a.), Strom.. in allen Fällen wurde die Nutzung teurer und in den meisten sank die Qualität. Kritische Infrastruktur gehört nicht in private Hände, nie.
--- Ende Zitat ---
Also bei der Telekom würde ich schon mal entschieden widersprechen. Die Telefonrechnungen der damaligen Post waren mitunter jenseits von Gut und Böse.
Übrigens: Die grössten Pleiteinstitute der Finanzkrise in Deutschland waren diejenigen, wo Politiker meinten, Banker spielen zu müssen. Die de-facto-Monopolisten Bahn und Post überzeugen mich vom Preis-Leistungsverhältnis auch nicht im Geringsten. Und die politisch oktroyierte Energiewende der Allparteienkoalition der ökonmischen Analphabeten des Bundestages ist ein klassisches Paradebeispiel für etaistischen Dilettantismus.
Inverted:
--- Zitat von: colourize am 15 August 2013, 13:37:34 ---Zentrales Argument für die Verstaatlichung: Privatwirtschaft ist super, solange der Unternehmer auch das damit verbundene unternehmerische Risiko selbst tragen kann. Denn nur dann ist Privatwirtschaft fair. Konzerne wie Vattenfall treten am Markt an, um Gewinne zu machen. So weit, so gut. Aber: Ein Unternehmen muss eben auch pleite gehen können, ohne dass alle Steuerzahler am Ende für das angeschlagene privatwirtschaftliche Unternehmen in die Bresche springen muss.
--- Ende Zitat ---
Noch viel schlimmer aber sind Politiker, deren Entscheidungen nicht von langfristigen ökonomischen Erwägungen sondern von kurzfristigem Wählerkauf geleitet werden, in bester Amigo-Manier ihre Schützlinge an üppigen Fressnäpfen des öffentlichen Dienst mästen und für Fehlentscheidungen praktisch weder zur Rechenschaft gezogen noch haftbar gemacht werden können.
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