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Haben wir eine Seele?

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RaoulDuke:
Hm, einfach mal laut gedacht: Ich habe vor kurzem über ein Buch mit dem Titel "The Singularity Is Near" von Ray Kurzweil gelesen, der die interessante These "we can live long enough to live forever" aufgestellt hat - dass wir nämlich, wenn wir lang genug leben, praktisch ein Backup unseres Gehirninhalts in einen Computer durchführen können und damit ewiges Leben erreichen könnten, also zumindest so lange der entsprechende Computer funktioniert.

Das menschliche Wesen als einen downloadbaren Datensatz zu begreifen, impliziert jedoch, daß es eben nichts mehr gibt als Software in einer Art biologischem Computer, und dass das alles ist, was uns ausmacht. Klingt ja alles irgendwie verlockend, aber so richtig überzeugt bin ich noch nicht. Wenn das alles einfach ein Software-Thema ist, wieso haben wir dann bisher offensichtlich nur sehr geringen Einblick in die Funktionsweise bekommen? Warum konnten wir bisher nur mit Riesenaufwand Programme entwickeln, die beim Turing Test auch nur ansatzweise gut abschneiden?

So unwahrscheinlich, wie die ganze Welt und alles auf ihr erscheint (ich muss da wohl kaum ins Detail gehen, nüchtern betrachtet ist die Existenz des Universums so wie es ist unbestreitbar ein Sachverhalt zum die Augenbraue hochziehen), erscheint es mir nicht als abwegig, anzunehmen, die menschliche Natur sei nicht simulierbar, weil es Komponenten gibt, die sich mit schlichter Software nicht abbilden lassen: So gibt es nicht den geringsten Hinweis, daß Software entwickelbar ist, die ein eigenes Bewußtsein entwickeln kann (piece of cake für Skynet, das geistige Zuhause des Terminators, aber so im wirklichen Leben?)...

Zudem gibt es so viele konkurrierende Erklärungsmodelle, die auch einiges Beharrungsvermögen an den Tag gelegt haben, beispielsweise zahllose theistische Ansätze oder Ansätze, die hinterfragen, ob die wahrgenommene Realität auch die tatsächliche Realität ist und daher ggf. aus diesem Grund bereits nicht erklärbar oder erklärungswürdig. Einen der interessantesten Ansätze habe ich zu meinen eigenen Erstaunen hier im Forum gelesen, von einem gewissen Herrn Kenaz, der die folgende abgefahrene These aufwarf: "Wir spielen alle genau das Spiel, das wir verdienen, denn wir haben es uns ausgesucht. Jeder einzelne von uns. Und zwar schon immer, zu jeder Zeit der Geschichte und auf jedem geographisch möglichen Punkt." Hier wird gewissermaßen Ursache und Wirkung vertauscht, so daß wir der Welt nicht nur begegnen, sondern sie letztlich sogar erschaffen haben. Weiter weg von Software geht nicht - so richtig plausibel kam es mir jedoch nicht vor (mich würden übrigens immer noch weitere Ausführungen interessieren! :-] )...

Ich gebe es zu: Ich bin, was die Thematik angeht, einigermaßen verwirrt - aber die Frage, ob wir denn nun eine Seele haben, das heisst etwas besitzen oder gar sind, das sich nicht in Materie (oder elektrischen Ladungszuständen) widerspiegelt, hochinteressant. Hätte ja auch ganz klare Folgen:

a) Das Wesen ist Software: Ab morgen nur noch Trennkost und Vitamindiät. Hoffentlich lebt man dann lang genug bis zum Download-Szenario.

b) Wir haben eine Seele: Dreh' den Gashahn auf und genieß das Leben! Ist alles schon richtig so, und wenn man bald ins Gras beißt, ist's ja nur der Körper. :)

(am Montag morgen eine Stunde Leerlauf auf Arbeit scheint mich auf merkwürdige Gedanken zu bringen *g*)

sYntiq:

--- Zitat von: RaoulDuke am 26 November 2012, 10:47:32 ---Wenn das alles einfach ein Software-Thema ist, wieso haben wir dann bisher offensichtlich nur sehr geringen Einblick in die Funktionsweise bekommen? Warum konnten wir bisher nur mit Riesenaufwand Programme entwickeln, die beim Turing Test auch nur ansatzweise gut abschneiden?
--- Ende Zitat ---
Nur mal so als wertungsfreier Einwurf: Weil wir intelligenztechnisch evtl. noch nicht so weit sind entsprechende Software, oder auch die dafür leistungsfähige Hardware zu schaffen? Nur weil wir etwas sind, bzw. angeblich sein sollen, heisst das ja nicht dass wir uns automatisch auch genau damit gut auskennen müssen.

nightnurse:

--- Zitat von: RaoulDuke am 26 November 2012, 10:47:32 ---...ein Backup unseres Gehirninhalts in einen Computer durchführen können und damit ewiges Leben erreichen könnten, also zumindest so lange der entsprechende Computer funktioniert.

--- Ende Zitat ---

Ehm...ja, und dann? Klingt für mich ungefähr so verlockend wie locked-in-syndrom, nur, daß es ohne sensorischen Input (oder wird man das Problem dann automatisch mitgelöst haben?) länger zu dauern, äh, "verspricht".

Was die Seele angeht, ist Dein Punkt a vielleicht nur ein Unterpunkt unter der Überschrift "wenn wir sterben, sind wir ganz tot". Vielleicht ist schon "Software" zu hoch gegriffen und wir sind nur elektrochemische Maschinen ( kein schöner Gedanke, ne).

Womöglich wird die Wissenschaft eines Tages die Existenz einer Software oder einer unsterblichen Seele nachweisen können.
Bis dahin...ist mir das eigentlich gar nicht wichtig, ich finde Raouls Folgerung aus Punkt a) (der, wenn ich nichts übersehen habe, dem momentanen Stand des Wissens entspricht) gar nicht so klar: Ich bleibe bei Alkohol, Pommes und Schokolade, weil ich nur von diesem Leben sicher bin, es zu haben (bitte fügen Sie hier Matrix- oder sonstige Illusionsanmerkungen Ihrer Präferenz ein) und bislang auch noch kein Interesse an ewigem Leben entwickeln konnte.
Punkt b) hat ja bekanntlich auch noch einen ganzen hypothetischen Rattenschwanz: Was passiert denn nach dem Tod mit der Seele? Und haben wir Einfluss darauf? Ist es möglich, daß irgendeine der bislang zu diesem Thema angestellten Überlegungen zutrifft? Ist vielleicht gar nicht so einfach mit dem Genießen?

Ich bleibe auf meinem einfach gezimmerten, Sicherheit vermittelnden materialistischen Stühlchen  :), freue mich aber auf und über eventuell angebotene "abgefahrene" Ansätze.




P.S., zu meiner Zeit™ war "den Gashahn aufdrehen" noch synonym mit "das Leben beenden" ;)

nightnurse:
(Mit dem Locked-In-Syndrom-Vergleich setze ich allerdings schon völlig grundlos voraus, daß die Persönlichkeitssoftware nicht nur irgendwie gespeichert ist, sondern auch in einer Form zum Laufen gebracht wird, die als "Leben" bezeichnet werden könnte)

DarkDevil:
Da kommt in mir doch wieder eine etwas ältere, immer noch unbeantwortete Frage zum Vorschein. Was bezeichnet man denn als 'ich'? Ist es nur das Bewußtsein, also die Summe aller Ströme im Gehirn, oder gehört auch etwas Materielles dazu, sprich der Körper?

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