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Kunst
Ansichtssache:
Was heißt denn vor Entstehung der traditionellen Theologie? Die Zeit, bevor der Islam begann sich zu entwickeln und hinterfragt wurde, was wieso geschrieben worden ist? Dann mag der Begriff "traditionell" etwas weit gefasst worden sein von mir. Ich lasse mich aber auch gerne freundlich korrigieren.
Designer:
Entschuldige bitte, wenn ich etwas harsch war. Das richtete sich nicht so sehr gegen dich, sondern war mehr Ausdruck meines generellen Ärgers über das, wie ich es nenne, "Fortschrittariertum".
Mir passt einfach nicht dieser Trend, für den alle gesellschaftlichen Erneuerungen grundsätzlich super sind und alles Traditionelle tendenziell verdächtig ist.
Simia:
--- Zitat von: Designer am 05 Juli 2011, 17:41:11 ---Was mich aber auch stört ist dieser moderne, besonders aufgeklärte (fast linke) Blick auf Religion. Bitte nicht persönlich nehmen!
Aber was ist eigentlich falsch daran sich auf die traditionelle Auslegung des Islams zu berufen? Wenn jemand an fundamentale Glaubensgrundsätze nicht glauben will, soll er es doch gleich ganz lassen. Warum muss man immer alles verschlimmbessern? Das stört mich auch an diesen modernen, liberalen Christen, die alles so verbiegen, dass es auch ja nicht dem Zeitgeist widerspricht.
--- Ende Zitat ---
Es ist prinzipiell nichts falsch daran. Ist es aber nicht so, dass jede Entwicklung (und damit auch Religion) eine Anfangsphase, Zenit und schließlich Endphase hat, in der sie je nach Sichtweise entweder "dekadent" wird (sich in immer feinere Verästelungen untergliedert, die auch gegeneinander stehen/kämpfen können und sich in Pseudo-Zielen und leeren Hüllen verliert) oder aber einfach neue Einflüsse aufnimmt und sich anpasst? Manchmal kriegt man direkt den Eindruck, dass Dinge wie aus einer inneren Dynamik heraus irgendwann mit der Umwelt "reagieren". Immerhin ist der Wandel meiner Meinung nach eines der wesentlichen Prinzipien des Universums. Der Philosoph Rüdiger Safranski hat dazu sehr interessante Gedanken formuliert, Stichwort "heiße" und "kalte" Religionen. Hab das glaub ich hier schon mal gepostet.
Soweit zu dem, was sich innerhalb einer Religion abspielt. Was mich als Außenstehenden betrifft, soll jeder glauben, woran er will. Ich diskutiere gern, aber im Grunde will ich keinem irgendwas vorsetzen, weil es jeder für sich selber wissen muss. Religion als organisierter Glaube, der mehr ist als die Summe der gläubigen Individuen, ist da schon ne andere Nummer, es wird "menschlich" (im negativen Sinn) und irgendwann unter Umständen auch nicht mehr so einfach, es einfach zu lassen, an fundamentale Glaubenssätze zu glauben.
Zumal ich selber mich ja auch selber positionieren darf/muss/will, ich stehe ja nicht über den Dingen. Und für mich gehen wesentliche Elemente dieses oder jenes Fundamentalismus oder auch Traditionalismus eben gar nicht.
--- Zitat von: Designer am 05 Juli 2011, 17:41:11 ---Ausserdem sind die Islamisten gar nicht traditionell, im Gegenteil. Der traditionelle Islam ist noch relativ liberal. Der Fundamentalismus beruft sich auf die Ursprünge der Religion, wie sie vor der Entstehung der traditionellen Theologie war. Die Radikalen sind in hohem Maße reformistisch, aber in entgegengesetzter Richtung zu dem, was sich der Westen gerne wünscht.
--- Ende Zitat ---
Ja, da ist was dran.
Zum Islamismus: Mein Versehen. Strenggenommen ist Fundamentalismus ein Bereich des Islamismus, neben z.B. Salafismus. Aber oft wird es synonym gesetzt.
Edit: Was Deinen Ärger betrifft, da muss ich Dir schon zustimmen. Es ist ein wenig ambivalent bei mir. Wo eine "Errungenschaft" oder Entwicklung die nächste jagt, ist es schön, wenn man einen Anker hat. Traditionen können auch Kraft geben, um der Schnellebigkeit standzuhalten.
Designer:
Simia,
Ich glaube du hast von den totalitären Inseln gesprochen, oder?
Wollen wir mal ein Experiment starten und herausfinden, wie leicht oder schwer sich so eine Insel schaffen lässt?
Natürlich unter der Vorraussetzung, dass wir das Experiment abbrechen, wenn die Sache aus dem Ruder läuft.
Ich habe herausgefunden, dass das Element des Kampfes sehr wichtig bei solchen Systemen ist.
Es wäre also von Vorteil, wenn es mindestens zwei Kontrahenten gäbe.
Ansichtssache:
@Designer: Aber es ist ja nicht so, dass alle Traditionen aufgegeben werden. Es ist eben der Spagat zwischen möglichst modern sein und dennoch die alten Werte nicht aus den Augen verlieren. Und das bringt der Wandel der Zeit zwangsläufig mit sich. Meiner Meinung nach müssen Religionen dynamisch und teilweise formbar bzw. anpassbar sein, um überhaupt bestehen zu können, um "lebendig" bleiben zu können.
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